StartseiteMitgliederAnmeldenLogin



 

Austausch | 
 

 Kapitel 5/ Ein harter Winter

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
Gehe zu Seite : Zurück  1, 2, 3 ... , 11, 12, 13  Weiter
AutorNachricht
Naadir
Delta


Anzahl der Beiträge: 855
Anmeldedatum: 14.04.10
Alter: 14
Ort: Hamburg

BeitragThema: Re: Kapitel 5/ Ein harter Winter   Mo 25 Okt 2010 - 7:43


Nothing is as it was without a memory of the moment.

Während der Weiße wohl darüber nachdachte, welche Antwort er wählen würde, hatte sich Naadir gefragt, was all die anderen wohl über ihn dachten. Er wusste nicht, woher dieser Gedanke kam, aber er war irgendwie da.
Gewiss, sie konnten denken: Oh mein Gott, was will der denn schon wieder? Dieser aggressive Tyrann. Oder aber über den Hintergrund für sein Verhalten nachdenken. Andererseits konnten sie auch gar nicht über ihn nachdenken, sondern einfach nur über die Tatsache, dass er irgendwann im Weg stehen würde. Wie unterschiedlich die Meinungen dazu standen, hing ganz von dem Wolf selber ab. Ebenso auf die Charakterart, die selbiger bevorzugte. Konnte ja sein, dass irgendwer lieber ruhige Charaktere hat, da sie nicht so viel Krach verursachten. Oder lieber Lautere, da dann immer irgendwas los war. All dies hing von jedem einzelnen Wolf ab und trotzdem würde es Naadir sehr interessieren, mal zu erfahren, wie die Anderen über ihn dachten. Oder aber auch, wie ganz fremde Wölfe ihn sahen. Würde er Gedanken lesen können, würde er dies als erstes herausfinden wollen ... oder aber auch nicht.
Das Denken allgemein brachte ihn zum nachdenken. Es war sehr interessant, wie die Gedanken darum spielten. Was waren überhaupt alles Gedanken? Denkt man immer? Wie könnte man nicht denken? Denkt man da nicht übers nichts denken nach? Spannende Fragen. Alles allerdings nur rein informativ und nicht zwingen notwendig oder auch nicht für Jedermann interessant. Doch Naadir, den interessierte dies sehr. Selbst wenn es dumm, gar leichtsinnig war. All das Ganze brachte ihn zur Ruhe und die benötigte er.
Was man den Fragen vielleicht auch noch anpassen könnte, wäre die Frage: Was ist das Nichts? Wie stellst du dir Nichts vor? Ist eine schwarze Umgebung, in der du nichts AUSSER schwarz siehst, nicht auch schon eine Umgebung und nicht rein gar nichts? Oder aber auf Fragen zur Welt allgemein. Wie kamen die Tiere - ja, die Wölfe denn überhaupt zum Leben? Wie verbreiteten sie sich? Kennt man über einige Ecken jeden Wolf oder nicht? Stammt nicht jeder Wolf von einem einzigen ab, einem einzigen Paar? Hat nicht den gleichen Stammbaum? So viele Fragen und auf keine wusste er eine Antwort, wenngleich jede dieser Fragen ihn unheimlich interessierte. Würde jemand Antwort darauf wissen? Na, schon wieder eine Frage. Wie die Welt doch interessant sein konnte ...

Mr. Black hatte gar nicht gemerkt, dass Valon ihm bereits eine Antwort gegeben hatte, nur einen Teil der kommenden Frage. Jedoch dachte er sich einfach ein ja, denn wer so lieb bittet, der erhält auch Lob dafür. Er dichtete sich das einfach mal dazu, denn wer kann schon wissen, wie der Weiße wohl darauf reagierte? Er entschied es einfach irgendwie an dem Verhalten raus zu finden, oder später noch mal zu fragen. Vorerst nickte er nur kurz Valon zu und überlegte, was er doch aus dem Satzfetzen "...machen und der Wind trägt ihre Fährten hinfort." machen konnte. Wahrscheinlich wurde Naadir einfach nur darauf hingewiesen, dass sie von ihrem Weg abgekommen sind und zurück würden sie nicht finden, da der Schnee zu schnell und in großen Flocken fiel und deshalb die Spuren bereits verschneit waren. Wusste er das nicht selbst, als sie den Weg gingen? Selbst wenn der Schnee noch so stark war, irgendwie tat es gut einfach hier in der Kälte zu stehen, abgetrennt, von allen anderen. Sei es, wie es sei, der Weiße wollte zurück. Naadir versteht und respektiert sowas selbstverständlich.

"Also zurück zum Rudel. Wir werden schon einen Weg finden, keine Sorge. Gehen wir einfach mal in diese Richtung."

Überall sah es gleich aus. Woher sollte er also wissen, woher sie kamen? Überall leuchteten die kleinen Schneekristalle unter dem nachkommenden Schnee. Es war ein reines Chaos und trotzdem noch bezaubernd. Jeder Schritt im Schnee knirschte wie jeder Schritt auf Weißmoos. Wie in einem Märchenland ergaben sich die Wege einfach so, hinein ins Paradies. Wenn nun noch die Sonne scheinen würde, wäre alles perfekt, bis auf eine fehlende Gemeinschaft da man sich zu Zweit wohl noch recht einsam fühlt.

Irgendwie erinnerte ihn dieser Marsch mit Valon sehr an die vergangene Zeit mit Shartarie. Sie war ebenfalls weiß und er schwarz, wie heute immer noch. Beide tobten sie zusammen durch den Schnee, ohne zu beachten, wohin sie denn nun liefen. Sie hatten einfach ihren Spaß, das war die Hauptsache. Oder sie gruben zusammen im Schnee nach einer unterirdischen Höhle in die sie bestimmt einpassten. Irgendwo mussten sie ja schlafen und sei es unter einer Schneedecke, wo sie sich gegenseitig wärmen mussten.
Es kam nie drauf an, ob man friert, oder es einem nicht gut ging, es kam nie drauf an, ob man gerade gegen ein Gesetz des Waldes verstoß oder gegen eine Grenze des Anderes. Es kam alles nur auf die Erlebnisse und den Spaß dabei an. Nur das Gute sahen sie in dem Leben, dachten nie an Schlimmes zurück. Doch seit sie getrennt sind ... gibt es kein Licht mehr auf der Erde. Es scheint alles eintönig. So wie diese Schneelandschaft.


[bei Valon | denkt - spricht - geht - denkt]
Nach oben Nach unten
Nutzerprofil anzeigen http://www.midnightdreamcatcher.forumieren.com
Conversano
Rudelmitglied


Anzahl der Beiträge: 865
Anmeldedatum: 27.01.10
Alter: 18

BeitragThema: Re: Kapitel 5/ Ein harter Winter   Mi 27 Okt 2010 - 4:47

    Niemand kannte sein Schicksal, seine Bestimmung. Selbst wenn ein Niemand glaubte, er sei ein Jemand und wüsste über seine Bestimmung bescheid, würde mit absoluter Gewissheit behaupten, er wüsste, was ihm vorherbestimmt war - er würde lügen. Er wüsste es, wüsste, dass er log und noch immer ein Niemand war, solange, bis sein Schicksal es für den Zeitpunkt hielt, aus dem Niemand einen Jemand zu machen. Die Welt ging ihre eigenen Wege und auch ohne ihn drehte sie sich weiter, nichts würde sich mehr verändern, außer dass anstatt seiner nun ein neuer Wolf das Licht der Welt erblickte. Nicht, dass der Schwarze allzu gläubig in diese Richtung hin war, keineswegs, um ehrlich zu sein, er verpönte all dieses Gerede über eine höhere Macht, Schicksal und Bestimmung. Dennoch bestand eine verschwindend kleine Chance, dass just in dem Moment, in welchem er die Welt auf ewig verließ und auf ewig in die weiten Jagdgründe aufstieg, ein kleiner Welpe, ein kleiner Mensch, ja, womöglich auch einfach nur eine neue Knospe einer Blüte aufkeimte und sich enthüllte. Aus diesem Grunde glaubte er nicht daran, denn zu jeder Sekunde wurde auf Mutter Erde ein Leben genommen und gegeben. Der Kreislauf des Lebens schritt unaufhörlich weiter, man konnte dies hervorragend an dem jüngsten Ereignis festmachen. Doch solche Gedanken zogen nur wieder jene sonderbar fremde Hochstimmung hernieder, die der schwarze Wolfsrüde mit einem Mal verspürte, als er anfangs die Verunsicherung und Verwunderung in den geliebten Augen sah, welche sich rasch jedoch wandelte und beinahe zu strahlen schien. Und eben jenes Strahlen, die Gewissheit, das richtige getan zu haben, richtig gehandelt zu haben und jene Fähe, die ihm seit langer Zeit nicht mehr aus dem Kopf wollte, glücklich zu sehen, ließ die dicken Bolzen seines stählernen Käfigs bersten und brechen, sich öffnen für eine neue, gefährliche Erfahrung.
    Er trug offensichtliche Narben wie jene Narben, die niemand sehen könnte, einzig aus dem Grund, weil sie unsichtbar waren. Weil es die Narben einer seelischen und geistigen Schlacht waren. Ein jeder Wolf trug solche Narben, ob gesehen oder ungesehen. Ein jeder Wolf würde früher oder später erkennen müssen, selbst mit bester Kindheit und dem schönsten Leben voller Glück, dass auch er, der scheinbar Glückliche, Narben besaß. Denn die Narben einer ganzen Rasse lasteten auf jedem einzelnen Vertreter jener. Nun ging jedes Individuum unterschiedlich mit einer solchen Bürde um und er, Conversano of Black Moon, Sohn des legendären Fihardar´s, schämte sich regelrecht für die Narben. Anderen, jüngeren, unerfahrenen Wölfen würden jene Narben für ein Zeugnis früherer Schlachten, großer Kämpfe, halten, sich damit brüsten. Dich im Laufe der Zeit würden auch diese Heißsporne eines Tages erfahren müssen, dass es keine Ehre war, solche Narben davon getragen zu haben. Es war eine Last. Ein Fluch. Es waren schlichtweg die Ketten seines Herzens, die ihn stets an jene Dinge erinnerten, die zu tun er gezwungen war, obgleich sie gegen die Natur eines ehrbaren Wolfes verstoßen hatten.

    Doch nun, da Alaska vor ihm stand, seine beinahe schon welpisch unsichere Liebkosung erwiderte, fühlte der Rüde weder jene Resignation und Wut in sich, die in den letzten Jahren vorgeherrscht hatten. Viel mehr kam die explosive Welle einem Schlag gleich, ausgeführt aus Götterhand. Und dafür würde er ihnen von nun ab wohl jeden Tag danken. Für jede Sekunde, die sie ihn dazu gezwungen hatten, weiterzulaufen, nicht aufzugeben. Sein veilchenblauer Blick richtete sich auf Alaska und verzückt von ihren bezaubernden Lächeln bemerkte er nur unwesentlich, dass auch seine Lefzen sein weiches, feines Lächeln zeichnete. Nach so langer Zeit ...
    Das Kämpfen hatte sich gelohnt. Das Leiden. Aller Schmerz war am Ende doch belohnt worden und womöglich fand seine rastlose, düstere Seele auch bald endlich den Frieden, den er so dringend benötigte und auf welchen er sich dennoch nicht einstellen wollte. Konnte. Noch nicht. Erst müsste er mit all den Dingen fertig werden, die ihn noch immer quälten, ihn immer quälen würden, wenn er nicht bald reinen Tisch machte. Sein Blick verweilte lange auf Alaska und ihm erschien es, als ob er alles schaffen könne. Wenn er nur daran glaube.
    Nun setzte sie sich in Bewegung und mit eher mechanischen als tatsächlich selbst gesteuerten Bewegung folgte er ihr, spürte die sanfte Steigung des Berges und genoss einmal aus vollkommen anderen Gründen die Finsternis um ihn herum. Er würde sich selbst und den Teil, der ihn ausmachte, nie ändern. Würde nie wieder jener Rüde sein, der vor einigen Monden das Rudel der Sturmtänzer verlassen hatte. Letzen Endes war er zurückgekehrt und dies sollte genügen. Er würde sich nicht mehr ändern können und obgleich der Gedanke schmerzhaft war, er würde Alaska ziehen lassen müssen, wenn diese ihn nicht mehr so wollte, wie er denn war. Obgleich er bereits war, Dinge zu tun, die er zuvor nie für möglich gehalten hatte. Er wusste um seine Schwächen, jedoch auch um seine Schwächen und während er in Gedanken versunken der Liebe seines Lebens - und anbei bemerkt auch seiner ersten großen Liebe - folgte, wusste er, dass er Himmel und Hölle in Bewegung setzen würde, um sie vergessen zu lassen, wer er wirklich war. Nur leider durfte sie aus verschiedenen Gründen nicht vergessen, wer er war. Es war eine komplizierte Situation und die für ihn eher unbekannte Panik erhob mit einem Mal und aller Gewalt ihr Haupt. Wenn er nun nicht dazu auserkoren war, das Leben mit dieser schneeweißen Schönheit zu teilen? Wenn er nur lediglich ein weiterer, unrühmlicher Fleck auf der zuvor unbefleckten Decke Alaska´s wäre? Erneut eine herbe Enttäuschung hinnehmen müsste?
    Ein kurzer Seitenblick streifte die schlanke, bereits ein wenig mager scheinende Gestalt der Fähe, er selbst sah wohl nicht viel anders aus, wie auch der Rest des Rudels, und kurzweilig fragte er sich, wie tief die Gefühle zu dieser Fähe waren. Wie tief ihre, aber auch seine Gefühle waren. Er kannte keine Antwort und hoffte lediglich. Somit folgte er der Fähe, schweigen. Glücklich. Jedoch auch unruhig, wenn nicht sogar ein klein wenig angstvoll.
    Es tat ungemein gut, neben Alaska zu laufen, wohl wissend, dass er nun endlich besaß, wonach er sich unwissend verzehrt hatte: Der grenzenlosen Zuneigung eines Wolfes, der nichts hinterfragte. Jedenfalls noch nicht und eines Tages würde er der schönen Wölfin auch eine Antwort geben. Eines Tages. Das wusste er. Nun jedoch riss sie ihn aus seinen verworrenen Gedanken und der bekannt finstere Blick Conversano´s kehrte zurück.

    .o( “Komm, wir finden dem Rudel einen Wetter geschützten Ort, wo wir alle den Sturm abwarten können. Komm mit mir nach vorne, Sano.“ )o.

    Obgleich ihre Gedanken und Absichten gewiss rühmlich waren, verspürte der Rüde dennoch gewisses Unbehagen. Gleichzeitig jedoch verspürte er auch gleichsam ein sonderbares Gefühl, ebenso neu wie das Kribbeln seines Körpers, kaum, dass er Alaska an seiner Flanke spürte, an seinem Fell, kaum, dass sie ihn berührte. Ebenso sonderbar fremd war ihm jenes Gefühl, welches in ihm aufflackerte. Er verspürte eine Mischung aus Freude, Zuneigung, Stolz und blanker, satter Zufriedenheit. Damit, dass sie ihm so selbstlos anbot, mit ihr an der Spitze des Rudels zu laufen, zeigte sie ihm auf ihre ganz eigene Art, dass sie wenigstens ihm vollends zu vertrauen schien. Bei all seinen Fehlschlägen, die er getan hatte. Das Rudel verlassen. Ein Rudelmitglied beinahe angegriffen und getötet. Einen Verräter aus dem Rudel unterstützt. Mehr oder weniger ihre Führungsqualität in Frage gestellt, obgleich dies nie in seinem Sinne gewesen war. Erneut reckte die unansehnliche Unsicherheit ihr Haupt und breitete sich genüsslich aus, füllte ihn regelrecht aus und verdrängte das wohltuende Gefühl von Zufriedenheit und Wärme.

    »Alaska ...«

    setzte er leise an, die Stimme beinahe ebenso düster wie finster sein Blick. Er hielt dies keineswegs für eine gute Idee und obgleich es ihn danach verlangte, in den nächsten Wochen nicht auch nur ansatzweise von ihrer Seite zu weichen, ließ ihn dennoch etwas zögern. Er wollte sie nicht einengen, das war Fakt. Er wollte ebenso wenig sein eher zurückgezogenes Leben aufgeben müssen. Ebenso wenig wollte er Fokus der Aufmerksamkeit sein, was eine unmittelbare Folge wäre, wenn er gemeinsam mit Alaska an der Spitze lief. Ein Skandal, ein Deltawolf erdreistete sich, gemeinsam mit der Leitwölfin und noch vor den gleich darauf folgenden Rängen zu laufen. Man würde ihn argwöhnisch mustern, doch dies war er ohnehin gewohnt. Auch, dass man ihn inzwischen eher mied und ihm misstraute. Doch was würde dies bei Alaska auslösen? Sie würde sich entscheiden müssen und noch war er nicht dazu bereit, den einen, letzten Schritt zu gehen. Noch wollte er sich der Illusion hingeben, dass er die Kontrolle hätte. Dass er noch alles stoppen könnte, wenn es falsch lief. Und genau da lag das Problem. Es lief nicht falsch. Es fühlte sich so richtig, so gut an!
    Ein Ruck ging durch seinen Körper und Geist, dann folgte er der weißen Fähe, welche bereits vorausgelaufen war und holte zu ihr auf. Als sie endlich aufgeschlossen hatten und nichts außer der weit gestreckten, verschneiten Landschaft vor ihnen lag, traf sein Blick den Alaska´s. Ihm war keineswegs das eher feindliche Grollen der schwarzen Betafähe entgangen. Auch war ihm bewusst, aus welchen Gründen Shenna ihn so behandelte, doch es war ihm gleich. Er wollte nur sicher sein, dass Alaska sich ihrer Sache noch immer sicher war. Tief sog er den Duft sein, kostete den köstlichen, teils neuen Duft der Weißen neben sich, deren Duft halb und halb auch an ihm haftete und ebenso umgekehrt.
    Dann hielt sie mit einem Mal an und er, der nicht darauf vorbereitet gewesen war, trabte einige Meter weiter, ehe er innehielt und einen engen Kreis drehte, stets drauf achtend, dass er sich um seine linke Seite drehte, diese mehr oder weniger schützte. Dann stand er wieder neben Alaska, ragte neben ihrer ebenfalls imposanten Gestalt auf und spürte das Vibrieren seines Körpers. Wie sehr gelüstete es ihm danach, ebenfalls mitzuheulen, seine Stimme der der seiner Liebsten zu vereinen und das Rudel ebenfalls zu hören. Er hatte sich damit abgefunden. Das Rudel war die Familie für sie und damit hatte er sich abgefunden. Sowenig wie er sich ändern wollte, würde er sie ändern wollen. Somit waren ihre Wünsche auch die seinen, mehr oder weniger.

    Ihre Frage riss ihn aus seiner diffusen Gedankengrübelei und sein ruhiger, jedoch auch noch immer ein wenig düster wirkender Blick glitt augenblicklich über das Rudel. Er hatte nie gewusst, welch sonderbar gute Aussicht man von der Spitze aus auf all die Wölfe hatte, die sich vor und um sie scharrten, in dem Bestreben, ihre Alphawölfin vollkommen und korrekt zu verstehen. Er konnte es ihnen nicht verübeln. Wie auch ?!?
    Doch ihre Frage war berechtigt und warf nur neue Fragen auf. Wohin waren Naadir und Valon entschwunden? Sich nicht ganz sicher seiend, ob Valon nun jener graue Rüde war, der vor einiger Zeit verschwunden war oder eher der kleine, weiße Rüde, der ebenfalls fehlte, spähte der Schwarze in die Dunkelheit des Schneegestöbers. Als der Ast brach und niederfiel, knurrte der Schwarze leise und unterdrückt. Die Schneemassen wurden immer dichter und schwerer, das Herumstromern unter großen Waldflächen würde nun immer gefährlicher werden und ebenso die Jagd. Der Gedanke erinnerte ihn an den Hunger, welchen er jetzt jedoch vorerst verdrängte. Immer und immer wieder durchsiebte sein aufmerksamer Blick das Rudel, wurde jedoch nicht fündig. Woher die plötzliche Sorge um die zwei vermissten Wölfe kam, ließ sich erahnen und ein deutlicherer Blick auf jene Nähe, die der sonst distanzierte Rüde zu Alaska hielt, bestätigte wohl jede Vermutung. Dennoch verhielt sich Conversano still und schwieg. Was hätte er auch großartig sagen können? Dies war schließlich eigentlich nicht sein Platz. Und das wusste er.



[Alaska xx Wandert mit ihr xx Denkt lange & intensiv nach xx Noch immer bei Alaska]
Nach oben Nach unten
Nutzerprofil anzeigen
Sadec Zimbah
Neuankömmling


Anzahl der Beiträge: 58
Anmeldedatum: 27.06.10

BeitragThema: Re: Kapitel 5/ Ein harter Winter   Sa 13 Nov 2010 - 9:18

Unaufhaltsam peitschte ihm der Schnee ins Gesicht und machte es ihm unmöglich, etwas zu erkennen, das nicht gerade vor ihm stand. Die Beeinträchtigung seiner Sehkraft hätte ihm nichts ausgemacht, würden seine Ohren und seine Nase nicht ebenfalls ausfallen. Das laute Rauschen übertönte alles und die Mengen an gefrorenem Wasser verdeckten jede noch so starke Duftspur. Er war blind. Komplett blind. Er würde es nicht einmal merken, wenn er im Kreis oder gar auf eine Schlucht zulaufen würde. Schließlich kannte er dieses Gebiet nicht, hatte es noch nie gesehen und würde es wahrscheinlich auch nie sehen. Denn es führte ihn weiter und wahrscheinlich hätte er bereits andere Grenzen überschritten, wenn der Sturm sich legte. Ausruhen und abwarten? Niemals. Nicht er. Nicht hier. Nicht jetzt. Und doch biss ihm der Schmerz in Pranken und Läufe und versuchte, ihn mit ganzer Kraft nieder zu drücken. Aber er kämpfte dagegen an und schob seinen hageren Körper weiter voran. Er wollte, er konnte und er durfte jetzt einfach nicht aufgeben, obwohl der Tod ihn bereits umgarnte und ihn mit zunehmender Erschöpfung fütterte. Seine Glieder zitterten bereits und rebellierten gegen jeden weiteren Schritt, gegen jedes weitere Mal, bei dem er in den Schnee einsank. Ein von dem Tösen des Sturms übertöntes Wimmern kam aus seinem klappernden Maul und zaghaft öffnete er ein Auge. Noch immer nichts. Nichts nichts und wieder nichts. Außer den dunklen Schatten, die länglich nach oben gezogen waren.

(Tiefer, einfach immer tiefer in den Wald hinein..)

Sagte er sich, in der Hoffnung, die Bäume würden den Schnee abfangen und ihm seinen Orientierungssinn mitsamt all seinen Sinnen zurück geben. Er warf einen Blick zurück über die Schulter um sicherzustellen, dass ihm niemand folgte. Nein, niemand. Aber es wäre einfach. Es wäre viel zu einfach. Eine dunkelrote Spur verriet ihn, verriet jeden Pfotenschritt, den er getan hatte. Ja, die Wunde an seiner Flanke hatte wieder begonnen zu bluten. Hastig leckte er darüber, um die Blutung zu stillen. Doch sie wollte und wollte nicht aufhören und vermischte sich mit dem vielen Schlamm, der sein Fell verklebte. Die Pflege dieses mehrfarbigen Mantels hatte er schon lange nicht mehr so ausführlich vorgenommen, wie er es noch vor einigen Monden getan hatte. Aber möglicherweise würde der Schnee ihm ja zugute kommen und ein wenig des Drecks mit sich fort tragen, sobald er geschmolzen war. Wenigstens ersparten sie ihm das Vollkommene ausbreiten dieses bitteren Kupfergeschmacks auf der Zunge, der sich aus dem eigenen Blut und all den anderen Sachen, die in seinem Pelz hingen, zusammen mischte. Er musste würgen.

(Zur Hölle nochmal!)

Sein Magen sehnte sich nach etwas Fleisch, selbst ein Graupelzchen würde ihn befriedigen, so leer war er. Aber zu jagen kam gar nicht infrage. Erstens einmal hielt so ziemlich jedes kleinere Beutetier Winterschlaf und war durch die Schneedecke unerreichbar. Und zweitens fehlte ihm der Schutz seiner scharfen Sinne. Und am meisten, ja , am meisten fehlte ihm ein Rudel, das ihm den Rücken deckte. Aber ob ihn jemals ein Rudel Wölfe so akzeptieren würde, wie er war, stand in den Sternen. Schließlich war sein Geruch zwar geschwängert von Wald, Freiheit und ungebändigter Wildheit, doch steckte dahinter die zahme Süße, die ihn verriet. Vielleicht würde ihm die mangelnde Fellpflege irgendwann einmal zur Güte kommen und ihn verstecken. Aber wollte er das überhaupt, sich verstecken? Nein, das war feige. Und ein Feigling war er nicht. Ganz und gar nicht. Sonst wäre er nun nicht hier, sonst hätte er schon zu Beginn die Reise abgebrochen. Er jedoch, er, der stets auf Wanderschaft war, lief weiter, achtete nicht auf den Schmerz, den die aufgerissenen Ballen an den Pfoten und die müden Glieder verursachten, lief einfach weiter, eine Pfote vor die andere setzend. Ja, er hatte ein Ziel und ja, die Zeit drängte. Gewiss, er war noch ein junges Tier, doch sein Ziel lag noch so fern wie der Mond es nun tat, wenn nicht sogar ferner. Und den Frieden wieder zu finden war ebenso mühselig wie die Jagd nach dem Mond, an der schon viele Wölfe gescheitert waren. Er würde nicht scheitern, dem war er sich sicher. Und wenn er bis an das Ende der Welt laufen musste, er würde es tun. Immerhin hatte er einen Begleiter, jenen, der ihm immer beistand, ihm folgte und ihm ab und an einige unverständliche Wörter in die Ohren raunte.

Mit der Zeit schien der Sturm sich zu lichten. Seine Theorie schlug also an. Und da fand sich auch schon das erste Quäntchen Glück im Scheiterhaufen. Seine Lefzen hoben sich zu einem wölfischem Lächeln und für einen Augenblick blitzte Stolz in seinen nussbraunen Augen auf, die trotz der eisigen Kälte wärmend leuchteten. Seine Läufe spürte er gar nicht mehr und aus der Wunde fiel nur noch ab und an ein Tröpfchen Blut. Und obwohl die Gefahr riesig war, dass ein anderes Raubtier seiner Blutspur folgte und ihn jagte, ignorierte er es. Was sollte ihm ein Leisetreter schon antun, wenn er noch lebte? Er würde diesen vierpfötigen, immerzu kreischendem Biest zeigen, wo es langgeht. Die Frage, ob ihn die Erschöpfung zuvor nicht einholen würde, schoss ihm durch den Kopf, doch mit einem drohenden Knurren verjagte er sie wieder. Jedes bisschen Optimismus, dass sich in seinem knochigen Körper finden würde, war nun wertvoll, um nicht so zu enden wie die von Pessimismus triefenden Wölfe, die einsam und verbittert durch die Länder streiften und sich selbst vorgaben, auf der Suche nach einer Bleibe zu sein, stattdessen aber nur immer tiefer in Selbsthass versinken wollten. Nein, nein, nein! Er war keiner von diesen Alten. Er...

(Da war doch was!?)

Augenblicklich erstarrte er und spitzte die Ohren. Nein wirklich, da waren... Stimmen. Sie waren nicht vor ihm, nein, auch nicht hinter ihm. Er befand sich mitten unter ihnen. Als er sich umblickte, bemerkte er, dass er sich auf einer Lichtung befand. Warum zum Teufel hatte er das denn nicht mitbekommen, so versunken in den eigenen Gedanken?! Er musste lernen, besser aufzupassen. Vor allem jetzt, wo es ihm wieder möglich war. Aber vielleicht hatten sie ihn noch gar nicht bemerkt. Schließlich stank er nach Blut und Dreck. Und dazu kam der Schneesturm, der noch immer anhielt und jeglichen Geruch fort wehte.

» Verzeiht...«

murmelte er leise und drehte sich zum fort laufen um. Doch er war niemand von der Sorte, die fort lief. Sadec Zimbah zögerte und wartete auf eine Reaktion.

[läuft auf die Lichtung]
Nach oben Nach unten
Nutzerprofil anzeigen
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Kapitel 5/ Ein harter Winter   Sa 13 Nov 2010 - 12:41

Jetzt fühlte sich Valon abgespeist. Abgeschrieben und ignoriert. Was zum Teufel war mit dem Rüden los? Zuerst entschuldigte er sich hoch und heilig und dann war das Einzige, was er zu hören bekam, ein einziger, mickriger Satz. Und trottete an ihm vorbei. Dankeschön. War das wirklich nötig gewesen? Langsam aber sicher sanken die Sympathiewerte des Schwarzen gegen Null - eine Tatsache, die für den Optimisten ein wahres Wunder war. Er war einfach enttäuscht von dem Koloss und hätte sich mehr von ihm erwartet. Aber mal wieder enttäuscht worden. Wäre ja nichts Neues. Tja, das war's dann wohl - Naadir konnte dem gutgläubigen Weißen erst einmal für 'ne Weile gestohlen bleiben. Ohne weitere Worte stapfte er hinterher, solle er doch vor gehen und am besten gleich in den Weiten des Schneesturms verschwinden. Er hatte wirklich die Schnauze gestrichen voll von dem Schwarzen. Entweder er sprach eine ehrliche oder gar keine Entschuldigung aus. Halbe Sachen akzeptierte Valon einfach nicht. Ganz oder gar nicht. Auf sonstigen Kindergarten hatte der Weiße keine Lust. Also Naadir war schon einmal abgeschrieben. Mal sehen, wie viele noch folgen würden.
Ein Krachen ließ ihn aufhorchen. Da war wohl etwas abgebrochen. Es klang nach einem Ast, aber ganz sicher konnte er sich auch nicht sein, da das Tosen des Schneesturms einige Geräusche verzerrte oder ganz verschluckte. Was auch immer es war, es war nicht von Belang, da niemandem was passiert sein dürfte, ansonsten wäre wahrscheinlich ein furchterregendes Heulen an ihre Ohren gedrungen - dem war aber nicht so. Natürlich nur, sofern sich dort jemand aufhalten würde, wovon die beiden ja keine Ahnung hatten. Ob es dann ein Wink des Schicksals war oder einfach nur dummer Zufall, trug eine Windböe eine seichte Fähre in sein Riechorgan und verriet, dass sie ganz in der Nähe sein dürften, jedoch freute sich der Rüde noch nicht einmal darüber - er war einfach viel zu enttäuscht über alles. Nicht einmal seine Maske konnte so vielen Rückschlägen auf einmal standhalten. Selbst geübte Maskenträger stießen manchmal an ihre Grenzen. Eigentlich war es lächerlich, wenn man genauer darüber nachdachte. Was Artgenossen mit einem anstellen konnten ... Unglaublich. Traurig. Die Wahrheit. Jene, die viele einfach ausblendeten. Sie sahen alle ohnehin nicht die wirklich Welt, sondern nur ein sinnvolles Trugbild von ihr. Wer wusste schon, wie der Hase lief? Niemand. Und ob es so etwas wie einen Gott gab, war sowieso fraglich. In Anbetracht des ganzen Leids, das schon über viele Individuen wie ein hungriges Rudel Wölfe hergefallen war, ließ nur darauf schließen, dass es so ein hohes Geschöpf wohl nicht gab. Wobei es ohnehin egal war - es zählte das Hier und Jetzt, nicht irgendwelche imaginären Könige. Lächerlich, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Ein leises, missmutiges Knurren kroch aus den tiefen seiner Kehle und verklang auch wieder im Schneesturm. In dem sich übrigens ein schwarzes Untier heraus kristallisierte.

"Komm', da sind sie."

, meinte er nur barsch zu dem Rüden und lief zu den anderen. Die Fährte war von Schritt zu Schritt stärker geworden und langsam aber sicher waren Konturen zu erkennen. Dort vorne war ... Hm ... Ah! Der eine, große Rüde, der ihn so unfreundlich willkommen geheißen hatte. Und um ihn versammelte sich das Rudel. Wieso zum Teufel bildeten sie um ihn eine Traube? War er so besonders oder wie? Valon konnte den Typen übrigens genauso wenig ausstehen wie Naadir. Solche von der Sorte waren ihm einfach unsympathisch und um die machte er grundsätzlich schon einen Bogen. Im war das eigene Leben lieber als irgend so ein dahergelaufener, verbitterter Wolf, der nichts besseres im Sinn hatte, als stillschweigend in einer Ecke zu sitzen und irgendwann einmal eine Regung zu zeigen, die darin bestand, andere grundlos anzufahren. Was auch immer.
Murrend hockte er sich irgendwo hin, wo eben gerade Platz war. Er ließ seinen Blick durch die Reihen schweifen, und erst da fiel ihm der neue Wolf auf. Um's schamlos auszudrücken: Er sah erbärmlich aus. Und nicht einmal jetzt regte sich sein innerer Helferinstinkt. Ihm war das Helfen einfach vergangen. So wie er Alaska kannte, würde sie sich schon um ihn kümmern. Schnaubend legte er sich in den Schnee und den Kopf auf die Vorderpfoten. Mal schauen, was diese Ansammlung hier bringen sollte.


[riecht die anderen - begibt sich zu ihnen und legt sich in den Schnee]


uu' Sorry, dass ihr so lange warten musstet und dass sowas rausgekommen ist ... Ich weiß, ist alles irgendwie an den Haaren herbei gezogen, aber ja, meine Postinglust hielt sich sehr in Grenzen.
Nach oben Nach unten
Amata
Neuankömmling


Anzahl der Beiträge: 524
Anmeldedatum: 28.07.10
Alter: 15
Ort: BW

BeitragThema: Re: Kapitel 5/ Ein harter Winter   Do 18 Nov 2010 - 5:55

Ihre Pfoten sanken in dem Schnee ein, während ihr Fell schon von weißen Flocken übersäht war, ein Schneesturm herrschte. Hunderte von Flocken zu einem einzigem Chaos zusammen geschlossen . Die Schneeflocken hielten zusammen und ließen nicht locker, nur zusammen waren sie stark. Das erinnerte Amata ein bisschen an das Rudel in dem sie sich gerade befand. Zerstreut, doch irgendwann würden sie wieder zusammen finden. Bald konnte wieder alles besser werden, wenn sie nur zusammen hielten und stark blieben. Amata war noch nicht lange bei dem Rudel doch trotzdem fühlte sie sich schon ein bisschen Verantwortlich für das was hier passierte. Oder sollte es ihr lieber egal sein? Sollte sie lieber allen die kalte Schulter zeigen und sich absondern? Nein, so war sie nicht und würde es auch nie sein. Amata war eine freundliche Wölfin ob man nun wollte oder nicht. Doch wieder waren bei ihr diese zwei Seiten vertreten. Eine wollte beim Rudel bleiben, die andere einfach nur weg rennen vor den Schwierigkeiten die ihnen bevorstanden. Um wieder Eins zu werden. Eins? Es würde doch immer Außenseiter geben, immer. Ein leises Seufzen entfuhr der Fähe, als Leyla auch noch von ihrer Seite verschwand, doch Leyla hatte im Moment selber mit sich zu kämpfen. Nach Incha und all dem war es für sie bestimmt viel schwerer. Amata hatte keine Lust ihr zu folgen, vielleicht hätte sie das machen müssen, doch irgendwie hatte sie zu nichts Lust. Warum war sie eigentlich die ganze Zeit gewandert, nur um auf ein Rudel zu stoßen das zerstückelt war? Das nicht zusammen hielt? Das ganze Rudel war zerbrochen und es stand in den Sternen ob sie jemals wieder zusammen stark würden. Den Blick starr nach vorne gerichtet, auf die weißen stürmischen Flocken die ihr die ganze Sicht vernebelten behielt sie ihr Tempo bei. Was sollte sie auch sonst tun? In Gedanken versunken merkte sie erst nach einer Zeit, das Alaska angehalten hatte. Sie fragte nach Naadir und Valon. Eine kleine bekannte Wut schlich sich in ihr ein und blieb dort. Der schwarze Rüde. Sie schnaubte gereizt. Doch dann wurde ihr auf eine Art klar das Naadir ihr auch das Leben gerettet hatte. Es hätte auch böse ausgehen können, vielleicht würde Amata auch gar nicht mehr unter ihnen Weilen, wenn Naadir nicht gewesen wäre? Sollte sie ihm danken? Die Fähe wusste es nicht. Auf eine Art war sie wütend, auf die andere doch ein bisschen dankbar. Sie schob die Gedanken beiseite, die sie so hartnäckig verfolgten und prüfte die Luft, oder eher, sie wollte es versuchen. Ein knacken, ließ sie zusammen zucken und ihr Kopf schnellte herum. Die Ohren gespitzt, auf weitere Geräusche, doch sie vernahm nichts weiter. Es könnte ja auch nur ein Angst gewesen sein, der den Schnee einfach nicht mehr stand hielt. Erneut hob sie ihre Schnauze in die Luft und dann an den Boden, doch sie konnte fast nichts wittern denn der ganze Schnee hatte die Gerüche verweht es war Sinnlos zu versuchen die Spur von den beiden aufzunehmen. Ein ärgerliches Schnauben entfuhr ihr, eine kleine Schneewolke stob auf und brachte sie zum Niesen. Genervt schüttelte sie den Kopf. Wenn sich die beiden verirrt hätten, was dann? Valon tat ihr Leid, er musste mit Naadir irgendwo alleine sein. Es konnte aber auch sein das Valon Naadir mochte, woher sollte sie das denn Wissen? Bis jetzt hatte sie noch kein Wort mit dem weißen Rüden gewechselt. Sie seufzte leise, warum wusste sie auch nicht ganz. Am liebsten hätte sie sich einfach zusammengerollt, irgendwo wo es warm und sicher war. Ein Platz wo man im Frieden mit dem Rudel leben konnte. Doch das war doch alles bloß ein Traum, den man nie erreichen konnte, oder doch?

Ihre Überlegungen wurden unterbrochen als plötzlich ein weißer Rüde – Valon- wie sie einige Sekunden später erkannte auftauchte. Wo war er gewesen? Vermutlich nicht weit weg, sonst wäre er ja wohl kaum hier. Irgendwie schien er angeknackst, den er legte sich in den Schnee. Was wohl passiert war? Amata hatte keine große Lust ihn zu fragen, sie würde sich doch sonst nur wieder über Naadir aufregen. Doch sollte sie nicht lieber fragen und freundlich bleiben? Doch in letzter Zeit wurde sie ja immer abgewiesen, ein leises knurren entwich ihr. So leise das es eigentlich keiner hören konnte. Ja warum hatten alle sie wieder weggeschickt wenn sie helfen wollte? Sie schüttelte sich kurz und lief dann mit leichten Pfotenschritten zu Valon hinüber. Sie stand nun vor ihm, direkt Gegenüber. Irgendwie fühlte sie sich unwohl, doch nicht wegen Valon, sondern einfach so. Sie wollte diesmal nicht wieder weggeschickt werden, bloß weil sie helfen wollte. Sollte sie sich neben ihn legen, oder vor ihn? Sie setzte sich einfach hin, und ließ sich dann langsam in eine liegende Position fallen, die Pfoten vor sich gestreckt. Nicht nachdenken, das macht dich nervös.
Sie blickte ihm freundlich in die Augen und fragte :

Alles in Ordung?

Bitte schick mich nicht weg! Bleib hier... Ihre Frage war ehrlich gemeint, da Valon wirklich etwas verstimmt wirkte. Normalerweise schien er ja recht freundlich zu sein. Konnte sie ihn etwas aufmuntern? Oder wollte er lieber alleine bleiben? Sie bemerkte erst später das auch ein anderer Rüde da war, kurz drehte sie den Kopf, Alaska sollte sich um Neue kümmern. Danach drehte sie wieder um und schaute mit ihreni freundliche, fragenden Ausdruck in ihren Augen, direkt in Valons.

[läuft – denkt – bemerkt Valon – läuft zu ihm – legt sich vor ihm hin – fragt etwas – bemerkt Sadec – schaut Valon an ]
Nach oben Nach unten
Nutzerprofil anzeigen
Naadir
Delta


Anzahl der Beiträge: 855
Anmeldedatum: 14.04.10
Alter: 14
Ort: Hamburg

BeitragThema: Re: Kapitel 5/ Ein harter Winter   Sa 27 Nov 2010 - 13:20


Learn to be silent.
Let your quiet mind listen and absorb.


Schritt für Schritt, einfach gerade aus. Naadir interessierte es nicht, ob er gerade nörlich, südlich, westlich oder gar östlich lief. Hauptsache er konnte dem Schnee entkommen, welcher ununterbrochen auf ihn herab rieselte. Es waren große, feste Flocken. Eine nach der anderen ließ sich auf seinem dichten Pelz ab, während er durch die auf dem Boden legenden trat. Knirsch machte es bei jedem seiner Schritte. Diese knirschen erinnerte ihn an sommerliches Weißmoos. Es klang genauso, nur war es angenehmer; nicht so kalt. Allerdings war es bei Weitem nicht so schön, wie Schnee. Schnee glitzerte mit all seinen Kristallen. Sobald ein Sonnenstrahl sich auf ihn richtete erstrahlte er, läutete in seiner ganzen Pracht. Wendete er seinen Blick auf die Gegend vor ihm, erblickte er die überflüssige Masse auf Geäst und Boden. Blüten wie Grashalme waren längst nicht mehr zu erkennen. Selbst seine schwarze Pfote wurde kalt eingeschlossen, wurde umarmt auf unschöne Art und Weise.
Naadir persönlich dachte nicht gut über Schnee. Er störte, nervte und dergleichen. Er war so mächtig, dass es anstrengend war, ihn auch nur zu sehen. Er hatte die Macht, Blüten zu verbergen, Wachstum von Knospen zurückzuhalten und Bäumen die Blätter zu nehmen. Wobei bei Letzterem nicht er schuld war, sondern die Kälte die ihm voraus ging. Des Weiteren nahm er jedem Lebewesen die Wärme und durchnässte das, was durchnässt werden konnte. So etwas brauchte der Schwarze nicht.

Valon lief brav hinter ihm. Warum? Diese Frage war ebenso wenig zu erklären, wie warum der Weiße kein Gespräch begann, wenn er doch manchmal so aussah, als müsste er sich etwas von der Seele reden. Er begann kein Gespräch, sondern vermied es. Hatte der Schwarze einen Fehler begangen? Wenn ja, welchen? Er traute sich nicht zu fragen, wenngleich er doch anhand seines Aussehens mutig aussah. Sollte er doch still bleiben. Diese Stille konnte genutzt werden um eigenes Handeln zu durchdenken oder um sie zu genießen. In letzter Zeit geschah zu viel, was durchdacht werden konnte und wonach die Stille genossen werden kann. Immer passierte irgendwas, ohne Einwilligung. Selbstverständlich ist es schön, sollte was los sein, nur irgendwann wird es nervig. Einfältige Stille ist allerdings auch nicht immer ratsam und kann einem schnell auf die nerven gehen. Dementsprechend ist es egal, welches der Beiden gewählt werden würde. Jedem kann man’s sowieso nicht recht machen.

Nach einiger Zeit des Schweigens durchbrach Valons Stimme die Stille. Er meinte, das Rudel wäre in ihrer Nähe. Also schritt Naadir auf dieses zu und erkannte langsam, wie wohl auch Valon, die Silhouetten und Konturen der Anderen. Langsam zeigte sich auch die Fellpracht der Wölfe als farblicher Gegensatz zu dem doch so karg weißen Schnee erkennbar. Conversanos Gestalt war am schnellsten zu erkennen. Welch ein Wunder, bei seinem tief schwarzen Fell und von Muskeln geprägten Körper. Dieser Koloss würde immer einer der Ersten sein, welche unter den Anderen hervorstach. Doch auch sein Eigentum war bereits von einigen Schneekristallen bedeckt.
Naadir konnte in ihre Pfotenabdrücke stapfen, welche sie nach Schritt und Tritt hinterließen, ohne zu bedenken, jener Fremde könnte ihnen folgen und ihre Fährte aufnehmen.
Gern hätte der Schwarze das Treffen auf diese Masse verzögert. Auf diesen Haufen, wie es wohl jeder bereits bemerkt hatte. Er hatte sich in seine Gedanken verzogen, was ihm hier nicht gegönnt war. Hier genoss wahre Aufmerksamkeit seine Zuwendung, wie er bereits bemerkt hatte. Sobald er geschlafen hatte, schlich sich Incha an Leyla an und Amata griff ihn an. Übertrieben hatte sie es seiner Meinung nach noch immer. Fraglich war, was mit Incha passiert war. Naadir war während dieser Zeit fort gewesen, mit Valon. Das Ergebnis blieb bei dem Gleichen, wie vorher. Sie mieden einander. Diesmal Valon Naadir mehr, als Naadir Valon.


There is nothing either good or bad, but thinking makes it so.


Er schloss sich der Menge an, wie sie dort versammelt waren. Natürlich bemerkte er, wie Sano seinen Platz neben Alaska auskostete. Er war glücklich damit, selbst wenn er in seinem Gesicht noch jene Unglücklichkeit ausmachen konnte. Diese Unglücklichkeit war Naadir indirekt bekannt. Er wusste zwar nicht, inwiefern Sano unglücklich war, schließlich konnte er keine Gedanken lesen, doch kannte er dieses Gefühl trotz dessen – glücklos über das eigene Erscheinungsbild.
Andere Blicke waren entweder leicht zu lesen oder interessierten ihn nicht. So wie der Amatas. Es kümmerte ihn nicht, wie sie sich fühlte oder wie sie dachte, ob man eines der Beiden in ihrem Blick lesen konnte.

In jenem Moment bemerkte er ein Knacken. Das eines Astes? Oder eines Knochens, weil irgendwer angegriffen hatte? Verfolgt von dem Geruch von Blut hinterließ dieser Anschein wahrhaftig Würde. Respekt, dass hier ein Mord nach dem Anderen folgte. Als sich der Schwarze umdrehte und in die Richtung sah, aus der Geruch wie Geräusch kam, erkannte er, dass es kein Mord war und fand es vorteilhaft, diesen Gedanken nicht ausgesprochen zu haben. Bis auf ein Seufzen und Spuren hatte er nichts hinterlassen.
Der Rüde der dort stand sah in der Tat mitgenommen auf. Allen Anscheins nach hatte dieser Rüde vor kurzer Zeit einen Kampf begangen. Er hatte wohl gesiegt und gleichwohl ein Opfer bringen müssen. Schließlich hatte er sein Auge geben müssen. Indes roch dieses Blut nicht nach buchstäblichem Wolfsblut.
Naadir war klar, dieser Rüde war keiner von ihnen.


[Valon – Rudel | Denkt & bemerkt]
Nach oben Nach unten
Nutzerprofil anzeigen http://www.midnightdreamcatcher.forumieren.com
Alaska
Alpha


Anzahl der Beiträge: 1147
Anmeldedatum: 15.04.09
Alter: 18

BeitragThema: Re: Kapitel 5/ Ein harter Winter   So 28 Nov 2010 - 3:39

Aufmerksam ließ die Alpha die Augen über die Wölfe wandern, die sich nun versammelt hatten und stehen geblieben waren. Ihr Blick zuckte neben sich, suchte nach dem Schwarzen. Nur kurz, eine Gewissheit. Natürlich war er da, aber es könnte ja immer noch nur eine Illusion des WInters gewesen sein. Ihr Magen grummelte und sie schleckte sich über die chnauze, der Bauch war leer und hungrig. Wieder ein kurzer Blick zu Sano, ja, er war immer noch da. Sie verkniff sich ein Lächeln, es war jetzt nicht der rechte Moment. Es sollte etwas Ruhe einkehren, die Winterstille umwaberte das Rudel und nahm ihnen den Stress. Die Weiße atmete tief durch und konnte nun feststellen, dass Valon und Naadir das Rudel gefunden hatten. Sie wedelte freudig mit der Rute, erleichtert. Als Valon sich hinlegte lächelte sie ihn an, zeigte ihre Sorge, die nun von den Schultern gefallen war. Es war fast schon schwer, die weiße Gestalt in der weißen Decke, die ihn umhüllte zu erkennen. Naadir war da schon wesentlich leichter auszumachen, obwohl die Flocken um ihn herum tanzten. Ihr Lächeln war voll Wärme, die Wärme, die hier fehlte, die hier im Winter und in so manch Herzen fehlte. Ihre Rute schwang noch immer freudig hin und her, als sie plötzlich etwas anderes als Kälte in die Nase bekam. Ihre Bewegung erstarrte, das Rudel war komplett versammelt. Sie rückte etwas näher zu... nun, ihr wisst ja alle wohin. Die Nähe des Rüdens machte den Winter wieder wett, versprach ihr Märchen von Frieden und Schutz. Davon, dass alles gut wurde. Mit diesem Wissen trafen ihre Augen auf Sadec Zimbah.

Niemals hatte sie einen Wolf gesehen, der seine gestalt hatte. Ihre Neugierigen Augen wanderten fassungslos über seinen Körper, sein Fell, die plüschigen Ohren und das einzelne Auge. Sie betrachtete das fehlende zweite Teil dazu, folgte den Blutspuren, die im Fell klebrige Rinnsale hinterlassen hatten. Sie sah auf die Halskrause aus Fell, die viel weicher und so anders aussah als Leylas oder Kayas. Sie bemerkte, dass seine Ohren kleiner waren, sein gesicht Breiter, seine gestalt gedrungener. Sie war so fasziniert, dass sie erst einige Sekunden brauchte, bis sie sich aufrichtete, die Rute gen Himmel hob und die Ohren warnend nach vorne richtete.

"Er riecht nach Wolf. Aber das ist ein ganz besonderer Wolf. Das ist kein gebürtiger. Kann es sein? Ein Hund? Nein... Aber das ist kein Wolf. Doch dieser Blick. Ja, ein Wolf. Vielleicht ein Mischling. Doch er sieht nicht aus, als sähe er sich als Hund, dieser Freiheitsblick. So hat Keenan auch immer geguckt.
Reiß dich zusammen, Alaska, er ist immer noch ein Fremder, sei etwas vernünftiger!"


Sie hatte sich nun gefangen, konzerntrierte sich auf den Augenblick und hatte ein wenig Angst, wie Sano auf den fremden Rüden reagieren würde, schließlich hatte er sich dem Rudel genähert, ohne sich zu zeigen. Doch er sah etwas erwirrt und verloren aus, als wüsste er selbst nicht, wie er hier her gekommen war. Alaska wollte gerade etwas sahen, als er sich zu Wort meldete und "Verzeiht" sagte. Soso, sie hatte wohl recht gehabt, er entschuldigte sich, so hinein geplatz zu ein. So änderte sich ihr AUffassung etwas. Conversano würde sich dennoch anspannen, würde sie notfalls beschützen. Doch das hätte er auch vorher getan. Trotzdem, jeder Atemzug fühle sich anders an als zuvor. Alaskas Augen ruhten noch immer auf dem Fremden, der Anstalten machte zu gehen, dann aber doch wartete. Nun realisierte sie, dass er vielleicht Hilfe brauchte, dass es verletzt war.

"In Ordnung. Wer bist du denn?", sie verkniff sich das "was". "Du siehst nicht gut aus, können wir dir helfen?"

Würde er bleiben, würde er das Tempo des Rudels drosseln, doch sie hatte sowieso vor, hier eine Weile zu verharren auf der Lichtung, versuchen etwas Kleintier zu jagen, um sie wenigstens grundlegends zu versorgen. Sie hatte kein Zeitgefühl momentan, die Polarnacht war nur dunkel und verwirrend.

[beim Rudel, ist froh, Valon und Naadir wiederzuhaben, bemerkt sadec, betrachtet ihn und spricht]

_________________


Alsbald stieg empor und verbreitete sich um mich her der Friede und das Wissen, das über alle Beweisgründe der Welt hinausgeht,
Und ich weiß, daß die Hand Gottes die Versicherung der meinigen ist,
Und ich weiß, daß der Geist Gottes der Bruder des meinigen ist,
Und daß alle Männer, die je geboren, auch meine Brüder sind, und alle Frauen meine Schwestern und Geliebten ...
Nach oben Nach unten
Nutzerprofil anzeigen http://sturmtaenzer.forumieren.de
Conversano
Rudelmitglied


Anzahl der Beiträge: 865
Anmeldedatum: 27.01.10
Alter: 18

BeitragThema: Re: Kapitel 5/ Ein harter Winter   Do 2 Dez 2010 - 6:03

    »Worin besteht der Sinn eines Lebens? Eine solche Frage stellten sich bereits vor tausenden von Jahren zahlreiche Wölfe, ohne sie beantworten zu können. Selbst wir, die vermeintlich weiser durch das Wissen unserer Vorfahren sind, wissen uns eine solche Frage nicht zu beantworten. Nicht, dass es mir in meinem Leben darum ginge, dergleichen Fragen zu beantworten, es wäre Zeitverschwendung. Doch ebenso wie der Sinn des Lebens nicht greifbar ist, so ist es auch nicht unser Schicksal.«
    Conversano


    Die immer dichter fliegenden Schneeflocken, eine davon so weich und flauschig anmutend wie das Fell eines jungen Welpen, schienen jene Wölfe, welche nicht eine Regung taten, nahezu einzuschneien. Darunter zählte auch der schwarze Rüde mit Namen Conversano und obgleich ihm jene Bewegung weniger aus eigenen Antrieben denn dem Wissen, dass man sich unnötig sorgen würde - wenn überhaupt - dazu brachte, seinen mächtigen Körper durch gezieltes Schütteln vom Schnee zu befreien, wusste er dennoch, dass es nicht diese Bewegung war, die ihn angespannt werden ließ. Beinahe war es wie eine Ahnung, weniger noch, kaum mehr ein Hauch einer Ahnung, eine Intuition, wenn überhaupt, die ihn vorsichtig werden ließ. Ob diese Reaktion überschäumenden Misstrauens seiner Vergangenheit zuzuschreiben war oder viel mehr dem Wissen um etwas Kostbares, was ihm nun gehörte, war nicht klar zu definieren, Tatsache jedoch war, dass Conversano sich mehr und mehr verspannte.
    Zwei Wölfe bildeten sich anfangs schemenhaft aus dem Schneegewirr und ließen sich erkennen. Valon und Naadir, jene zwei Rüden also, um welche sich Alaska und gewiss auch ein Großteil des Rudels gesorgt hatte. Ihn eingeschlossen? Es gab Dinge, die selbst ein erfahrener Magier nicht aus dem stahlharten Blick des Blauäugigen zu erzwingen vermochte und somit schwieg alles an dem Schwarzen. So wie eh und je. Doch mit dem Erscheinen der zwei Wölfe steigerte sich die Anspannung des Rüden nur umso mehr, denn nicht jene Zwei waren es, welche vollste Aufmerksamkeit seiner Vorsicht besaßen. Nicht länger, jedenfalls, denn noch immer war Conversano jeglichem Sozialkontakt äußerst misstrauisch gegenüber. Obgleich er sich der Blicke Alaska´s bewusst war, erwiderte er sie doch nicht, aus Misstrauen dem Schweigen gegenüber.

    Es legte sich wie eine einsame, alles umschließende Decke über sie und begrub sie nahezu. Kein Laut war mehr zu vernehmen, einzig das Brüllen und Toben des Schneesturmes, welcher unbehindert seiner Bahnen zog und wütete. Es war eben jene Art von Schweigen, welche eintrat, wenn sich etwas in der Natur, der eigenen Umgebung, zu ändern drohte. Kurz zogen sich die Lefzen des Schwarzen empor, die Narbe entlang seines linken Auges kräuselte sich dabei und bildete ein abnormales Gebilde. Er war verunstaltet. Ein Krüppel der eigenen Art. Er war ... fremd.
    Seine Gedanken kehrten in die Stille zurück, in die Einsamkeit, die ihn einst zu ertränken drohte und inzwischen sein treuerster - und auch liebster - Begleiter wurde. Eben jenes Schweigen der Natur, welches eine Änderung ankündigte. Eine Änderung, wie auch damals, als er sich in Sicherheit glaubte und rückratlos hintergangen und betrogen wurde. Das Fell seiner kräftigen Brust sträubte sich ein wenig, ebenso wie jenes Fell im Nacken eines jeden Wolfes, welches ihn sogleich größer und bedrohlicher erscheinen ließ, sträubte der Wolf sein Nackenfell. So wie Conversano es just in diesem Augenblick tat.
    Sein lavendelblauer Blick haschte kurz den bernsteinfarbenen Blick der Weißen neben sich, dann jedoch zuckten seine Ohren und er hob den Kopf, wandt ihn in eine gewisse Richtung und wartete. Mit erstarrter Miene, den Kopf leicht gesenkt und unverhohlenem Misstrauen in den Augen wartete er ab. Spürte, wie das Schweigen um ihn zu zerfallen drohte und wusste instinktiv, was dies bedeutete. Was ein solcher Zerfall der Stille und scheinbaren Vollkommenheit mit sich brachte.
    Eine einschneidende Änderung.

    .o( Niemand weiß, worin sein Lebensweg besteht. Du auch nicht. Also höre auf, dir über solchen Unfug den Kopf zu zerbrechen und konzentriere dich! )o.

    Ärgerlich darüber, dass seine Gedanken erneut einen solchen Weg eingeschlagen hatten, schüttelte er seinen Kopf und kleine Rinnsale von Schneekaskaden rieselten von Kopf und Hals. Anscheinend nahm der Schneesturm zu und eben dies beunruhigte den Rüden. Ein Schneesturm von riesenhaften Ausmaßen könnte ein Rudel dieser Größe mühelos in einer verlassenen Zufluchtsstätte einschneien. Sie müssten jagen, ehe sie sich zur Ruhe legten, doch bereits jetzt zehrte der Schneesturm an den Kräften eines jeden einzelnen. Es bestand kein Zweifel. Nun galt es einzig und allein Alaska davon in Kenntnis zu setzen, denn es war ihr Rudel.
    Dann begannen sich die Schneekristalle in der Luft zu teilen und bald schon offenbarten sie einen erbärmlichen Anblick. Er war weder Wolf, noch Hund, er war beides und doch keines von beidem. Sein bunt gemischtes Fell war hochgradig verschmutzt, Conversano als geprägte Kämpfernatur sah das eingetrocknete Blut als eines der ersten Dinge. Allerdings kam dies wohl weder ihm, noch dem Fremden zugute, denn sein Pelz sträubte sich nur verstärkt und ein drohendes Knurren verließ seine Kehle. Die Lefzen waren zurückgezogen.

    »Was bist du?«

    bellte er, beinahe schon harsch, dem jungen Rüden entgegen. Dass dies keineswegs taktvoll war, war ihm bewusst. Ebenso wohl dem gesamten Rudel und auch dem Fremden selbst, doch war der Schwarze nicht bereit, Kompromisse zu schließen. Ob räudiges Aussehen hin oder her, seine Spur war mehr als deutlich und war er lediglich der Vorbote eines weit stärkeren Rudels als das ihre, so wäre ein Ausgang ebenso ungewiss wie katastrophal. Zudem er schmerzhaft an etwas erinnert wurde, was ihm vertraut, bekannt und zugleich fremd vorkam. Vor so langer Zeit musste er ähnlich wie dieser Rüde ausgesehen haben, wenngleich sein Wesen es ihm verboten hätte, dermaßen erschöpft vor andere Augen zu treten. Damals jedoch hatte er keine andere Wahl gehabt und das Ende eines solchen ... Fehlers, war eine lange, hässliche und verunzierende Narbe entlang seiner Bauchunterseite. Conversano war versucht, nach eben jener zu sehen, doch sein dunkler Blick haftete einzig an der derangierten Erscheinung vor ihnen. Leise entwich ein dunkler, langsam in den Tiefen der Brust anschwellender Ton seiner Kehle und brach sich in die Freiheit. Zeugte von all dem unterdrückten Hass, welchen er empfand. Von all den Erinnerungen, die zurück kehrten, mit dem süßlichen Duft des Fremden. Denn er hätte solche Düfte weitaus öfter gewittert, als man annehmen sollte. Man hatte IHN selbst dazu verwenden wollen, charakterlich wie einer der ihren Köter zu werden und etwas hervorzubringen, was an eben jene Kreatur erinnern würde, welche nun vor ihnen stand. Der Schwarze war sich sicher.
    Dieser Wolf war zur Hälfte reiner Hund. Und sein Knurren verstärkte sich.



[In Gedanken xx Bemerkt eine Änderung xx Sieht Valon/Naadir zurück kehren xx Sadec Zimbah]
Keines meiner besten Werke, aber ich bin ausgelutscht. Entschuldigt, Leute.
Nach oben Nach unten
Nutzerprofil anzeigen
Leyla
Delta


Anzahl der Beiträge: 524
Anmeldedatum: 18.04.09
Alter: 14
Ort: Köln

BeitragThema: Re: Kapitel 5/ Ein harter Winter   Fr 10 Dez 2010 - 4:21

Leyla lag am Ende des Rudels. Ihr Blick war verschleiert und immer wieder lief eine Träne die zarten Wangen hinunter. Sie hob den Kopf kaum. Immer wieder kam ihr Incha vor Augen wie er mit Amata gekämpft hatte und wie er sie immer wieder so Hasserfüllt angesehen hatte. Leyla´s Blick veränderte sich als sie den Wolf, nein den Hund, nein. Er war zur hälfte Wolf und zur Hälfte Hund. Auf jeden Fall sah sie ihn an und ihr Kopf schwenkte herum als sie Sano´s knurren hörte. Sie hörte leise wie Alaska mit dem fremden sprach und Leyla erhob sich. Sie ging langsam wie in Trance zu Sano, stupste ihn an und sah ihm in die Augen.

"Ach Sano, lass doch!"
murmelte sie leise und ging dann weiter und stellte sich neben Alaska. Sie sah den neuen leicht lächelnd an und sah dann zu Alaska. Sie war gespannt wer er war und was er hier machte. Leyla´s Blick war nun freundlich und ihr Tränen getrocknet. Sie wollte ja nicht das der Wolf direkt wieder abhaute nur wegen einer verheulten, depressiven Wölfin. Leyla lächelte mild und nickte dem Wolf zu. Dann sah sie fragend zu Alaska. Sie wollte sich vorstellen aber sie wusste nicht genau ob sie durfte. Doch der Körpersprache des Wolfes zu Urteilen kam von ihm keine Gefahr aus. Sie sah nochmal fragend zu Alaska hob aber im selben Moment schon ihre Stimme an.

"Guten Tag, mein Name ist Leyla. Ich bin Delta hier im Rudel und unsere Alphera hast du ja schon kennengelernt. Können wir dir irgendwie helfen?"

fragte sie ruhig und freundlich. Sie sah wie Alaska ihn ansah. Leyla war enttäuscht, von sich selbst, von dem Rudel? Sie hatte keine Ahnung. Aber sie sah wie auch Alaska sich das "was" verkniff denn der Wolfshund sah wirklich ungewöhnlich aus. Sano hatte das mysteriöse was ja schon ausgesprochen doch Alaska konnte sich gut beherrschen und sah ihn nur fragend an. Leyla wartete Geduldig auf seine Antwort und hoffte Alaska war nicht böse weil sie ihn angesprochen hatte.

[ist traurig/allein/bemerkt Sadec/spricht mit Sano/spricht mit Sadec/hofft Alaska ist nicht sauer]

Ich weiß ist auch nicht mein Tag heute. Ich wollte mal wieder posten hab das in letzter Zeit total vergessen! Ich hab richtigen Schulstress und wenig Zeit! Also entschuldigt bitte und seit nicht so hart mit meinem Beitrag! Tut mir ehrlich leid!
Nach oben Nach unten
Nutzerprofil anzeigen http://www.paradisfuerpferde.forumieren.de
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Kapitel 5/ Ein harter Winter   Do 13 Jan 2011 - 4:35

White flames of burning flags
We found a world worth dying for, yeah
We've been battered so hard that
We don't feel anymore


Es war verkehrt. Alles genau so, wie es nicht sein sollte. Leise Zweifel beschlichen den Weißen. War es wirklich richtig gewesen, sich diesem Rudel anzuschließen? Alle Zeichen deuteten eindeutig auf nein. Es war nicht richtig, einer Sippe beizutreten, die nicht fähig war, nette, aufgeschlossene Wölfe zu tolerieren und in die Gemeinschaft zu integrieren. Sein Verstand vermochte es schlichweg nicht zu begreifen. Wieso waren so viele mittlerweile so ... scheiße? Eine Frage, die ihm wahrscheinlich niemand beantworten konnten. Ebenso, wieso immer nur die grausamsten Artgenossen die meiste Bewunderung bekamen. Rätsel über Rätsel. Nicht, dass es ihn störte, nur verstand er einfach nicht, was an grausam und unfreundlich so ... toll war. Er schnaubte verächtlich, schüttelte sich und merkte, dass jemand auf ihn zukam. Es war Amata. Sie setzte sich gegenüber von ihm hin und erhob ihre Stimme. Als hätte sie etwas geahnt ... Valon lächelte bitter. Gar nichts war in Ordnung.

"Nein ... Ist es nicht."

Ehrlichkeit währt am längsten, hieß es doch immer. Der Rüde erhob sich. Die Entscheidung war gefallen. Er versenkte noch kurz seine Schnauze in dem Fell der Grauen, so auf die Art "Alles wird wieder gut." und schritt dann auf Alaska zu. Den Schwarzen an ihrer Seite ignorierte er geflissentlich. Er war es nicht wert, auch nur einen Blick abzubekommen. Fix vor der Alpha platziert, begann er erneut zu sprechen.

"Ich habe mich dazu entschieden, das Rudel zu verlassen. Viel Glück."

Entgegen seiner sonst so redseeligen Art, blieb es jetzt bei den knappen Worten. Ihm war nicht nach großem Abschied zumute, wobei er ohnehin wusste, dass dieser nie eintreten würde. Er würde nie vermisst werden. Valon machte wieder Kehrt und stapfte davon. Das Weiß des tosenden Schnees verschlang ihn schnell und gierig. Hin und wieder war es doch gut, blütenweißen Pelz zu tragen, immerhin war er in der jetzigen Situation vor ungebetenen Blicken geschützt. Eigentlich war es lächerlich. Sein Aufenthalt war ... Kurz. Verdammt kurz. Nicht einmal zwei Tage. Welch tolle Gemeinschaft, musste man schon sagen. Er schüttelte sich und blickte nach vor. Schon bald hatte er sich weit von dem Rudel entfernt. Nur seine Spuren verrieten noch den Abschied, doch auch diese würden bald vom Schnee verdeckt werden. Alles war vergänglich, jeder war ersetzbar. Der Rüde blieb stehen - ein seichtes Lächeln schlich sich auf seine Züge. Er stieß ein Heulen aus und preschte davon. Wohin, das wusste noch nicht einmal er. Aber eines stand fest: in eine bessere Zukunft.

[verlässt das Rudel]

Take me
__From this world
Save me
What if we
__All die young?
Nach oben Nach unten
Amata
Neuankömmling


Anzahl der Beiträge: 524
Anmeldedatum: 28.07.10
Alter: 15
Ort: BW

BeitragThema: Re: Kapitel 5/ Ein harter Winter   Do 13 Jan 2011 - 8:31

Die anderen Reagierten unterschiedlich auf diesen Neuen. Erst jetzt bemerkte sie das etwas mit ihm nicht stimmte. Er roch noch nach etwas....anderem. Sie suchte in ihrem Gedächnis bevor sich langsam ein Bild in ihr bildete, erst nur verschwommen, doch immer schärfer werdend bildete sich das Bild eines Hundes in ihr ab. Er war auch ein Hund. Ein Mischling. Und, was war daran so schlecht? Conversano schien gar nicht so erfreut darüber, doch warum urteilte er nach Rasse? Es konnte ihm doch egal sein! Amata schnaubte über diese Oberflächlichkeit, sie verurteilte ihn nicht, erst würde sie ihn kennen lernen bevor sie sich überhaupt eine Meinung bildete. Aber war sie nicht genauso wie die anderen? Sie hatte Conversanos Handeln nicht gerade gut geheißen, war er deshalb schlecht? Amata konnte ihn nicht Mal richtig. Die Konzentration der Grauen richtete sich wieder voll und ganz auf Valon und sie bemerkt sein bitteres Lächeln? Was ist passiert?! Sie wollte gerade besorgt fragen, als er auch noch ihre Frage verneinte. Hier stimme etwas ganz und gar nicht. Sie sah wie er aufstand und spürte wie er seine Schnauze kurz an ihr Fell drückte. So etwas war sie nicht gewohnt, doch sie wich nicht zurück, im Gegenteil auch sie drückte kurz ihre Schnauze an seinen Hals „schon okay“ drückte ihre Geste aus und sie war sich überhaupt nicht sicher ob sie es auch wirklich so meinte. Dieser Rüde Tat ihr Leid, sie konnte ihn gut leiden, da er eigentlich der einzige war der nicht immer mies gelaunt war nach dem Motto Das-Leben-ist-bescheuert. Er war ihr immer fröhlich vorgekommen, und sie fand es fast grausam das sie ihn nicht hatte näher kennen gelernt. Das sie sich so im Stich gelassen fühlte und das von jemanden den sie nicht Mal richtig kannte, irritierte sie und erschreckte sie gleicher Maßen. Erschreckt stand sie auf und starrte Valon hinterher der Alaska seinen Abschied verkündete. Hilflos blickte sie dem Rüden hinterher der Anfing los zu gehen, entsetzt sprang sie hinter ihm her, nur einige Sätze, bis sie ihn verloren hatte ihn diesem Schneesturm, diesen verdammten weißen Flocken die umher wirbelten als ob alles ihnen gehörte, alles unter sich begruben und alles für sich beanspruchten. Auch der weiße Pelz von Valon war nicht mehr zu erkennen, verschwunden im ewigem Schnee. Amata, die immer noch leicht die Konturen von dem Rudel erkennen konnte blieb stehen. Das Heulen von Valon hatte sie nur noch dumpf vernommen. Suchend blickte sie umher, doch eine tiefe Gewissheit sagte ihr das sie ihn nicht mehr zurückholen könnte. Den Kopf in den Nacken legend, spürte sie wie tausende von kleine Schneeflocken ihn ins Gesicht stachen. Ihre Augen reizten, ihr Tränen hinein trieben.

“VALON!

heulte sie, nicht Wissend ob er es hören konnte oder nicht. Er war bestimmt schon zu weit weg, er würde sie nicht hören können, und was wenn? Was sollte es bringen. Traurig ließ sie den Kopf sinken. Den Schemen des Rudels Folgend, starrte sie vor sich hin. Nun war sie alleine, eine einzige freundliche Wölfin unter vielen Das-Leben-ist-bescheuert Wölfen. Langsam packte sie wieder diese altbekannte hilflose Wut, über das Nichts können über das verdammte Gefühl nur blöd darstehen zu können! Valon hatte sich entschieden, war es nicht auch besser für Amata ihm zu folgen? Bei ihm zu bleiben statt bei Wölfen zu denen sie anscheinend nicht passte? Kämpfte nicht auch sie diesen Konflikt und war nur zu feige um sich einzugestehen das auch sie nicht in dieses rudel passte, das dieses Rudel sie nicht wollte? Amata schnaubte vor Wut, es war alles deren schuld! Warum, bei allem guten Willen, warum war sie diesen schon verlorenem Rudel beigetreten?! „Alles wird gut“, von wegen, die würden es nie schaffen. Amata hatte es einfach satt andauernd die fröhliche zu sein, was hatte man dann -verdammt nochmal- davon, außer einen Tritt in den Aller Wertesten?! Man wurde noch nur zertrampelt wenn man alles gut sah, man musste sich auch noch selber fertig machen nur um dazu zu gehören, wie schwachsinnig das war, wie absolut dämlich! Die Konturen der Wölfe wurden deutlicher, nun konnte sie alle einzelnen wieder erkennen. Sie war wieder bei ihnen, warum? Sie hätte doch lieber mit Valon gehen sollen. Nun sah sie wieder diesen verlorenen Haufen, der in Stücke zerrissen und im Wind verstreut war. Ein Blatt Papier vom Schicksal zerfetzt und nicht wieder zu kleben, genau das war dieser Haufen armseliger Wölfe.

“Seid ihr jetzt zufrieden?

Ihr Knurren war deutlich zu vernehmen, in der Richtung aller, knurrte sie, keinen genau fixiert. Alle waren sie schuld, alle. Dieser verdammte Haufen! Warum riss sie nicht einfach aus? Sie starrte alle einen Herzschlag lange an, dann setzte sie sich an den Rand, sollten sie doch machen was sie wollten, sollten sie doch zum Teufel gehen! Ihr war es egal. Versunken starrte sie auf den Boden vor sich, versunken in einem Negativem Gedanken Strudel. Sie merkte gar nicht das der Boden unter ihr kleine Löcher hatte, verursacht von den Tränen die ihr über die Schnauze liefen und von ihrer Nase hinab kullerten. Sie konnte sich nicht entscheiden, dieser dumme Konflikt kämpfte in ihr wie zwei wütende Wölfe die sich Gegenseitig zu Tode bissen. Sollte sie dieses Rudel nicht verlassen? Wäre sie nicht besser dran? Dieses Rudel brachte ihr nur Trauer und leugnen konnte sie es nicht, bis jetzt hasste sie dieses Rudel. Langsam sah sie auf, die Flocken die ihr Bild verschleierten vor sich. Ein verschwommendes Bild das einfach nicht schärfer wurde, egal wie sehr man sich anstrengte. Als ob man durch ein schmutziges Glas schaute. Vielleicht waren es der Gefühlsturm der sie dazu verleitete, vielleicht hatte sie sich auch endlich entschlossen, diesen Konflikt zu beenden. Egal wie es ausgehen würde. Sie bewegte ihre Läufe, jetzt oder nie. Traurig nickte sie noch Alaska zu, auch Amata würde gehen. Vielleicht würde sie Valon folgen, mit ihm zusammen reisen. Oder sie würde wieder allein umher irren, doch alles war besser um von Wölfen zerfressen zu werden die nichts gutes am Leben sahen. Sie atmete einmal tief durch, dann drehte sie sich um und rannte, rannte mit langen Schritten in die Richtung in die Valon gelaufen war. Zwar war seine Duftspur extrem schwer zu finden bei dem Schnee, doch die Entschlossenheit die in Amata auf flackerte lies sie weiter rennen. Immer weiter, bis sie zwischen den Schneemassen vom Blickfeld des Rudels verschwand und immer weiter, bis sie ein weißes Fell sah und der Duft eines ihr Bekannten stärker wurde. Valon.

[Verlässt auch das Rudel]
Nach oben Nach unten
Nutzerprofil anzeigen
Alaska
Alpha


Anzahl der Beiträge: 1147
Anmeldedatum: 15.04.09
Alter: 18

BeitragThema: Re: Kapitel 5/ Ein harter Winter   Fr 18 März 2011 - 9:53

Es war nicht richtig gewesen. Vielleicht war es einfach ein falscher Weg gewesen, den das Rudel eingeschlagen hatte, nachdem sie damals den Menschen entflohen waren. Doch der Adlatoq Wald hatte ihnen auch Gutes geschenkt. Welpen, eine zeitige Heimat, neue Begleiter. Danach die Tundra, es schien doch der rechte Weg gewesen zu sein. Und trotzdem war es nichtmehr das Rudel von früher. War das zwangsläufig ein schlechtes Zeichen? Regression, schrie es in Alaskas Kopf. Regression. Geh zurück an einen früheren Punkt deiner Entwicklung und fange nochmal neu an! Doch das war oft nicht so leicht. Immer, wenn es gut schien, kam es anders. Wo waren sie sicheren Stränge des Rudels? Alaskas Ohr zuckte, ihre Haut juckte und sie biss sich von innen in ihr Zahnfleisch. Schüttelte sich. Bekam keine Reaktion von dem Fremden, dem, der nicht zuzuordnen war. Was auch immer er gewesen war, er hatte nicht geanwortet. Vielleicht war es Shennas Knurren auf Sano gewesen, dass er falsch interpretiert hatte. Oder schlichtweg die Feindseligkeit diesen. Doch sowohl Alaska als auch Leyla hatten den Rüden wärmst empfangen, herzensgute Seelen eben. Das war auch Valon, dachte die Alpha

Er stand nun vor ihr, sagte, dass er das Rudel verlassen würde, sie sah ihm nur nach, heulte nicht, rief ihm nichtmal etwas nach. Wer nicht will der hat schon oder? Wenn du etwas verloren hast, nimm an du hättest es den Armen gegeben. Vielleicht hatte Valon einfach nicht die Geduld gehabt, die miese Mentalität des Rudels zu durchbrechen, aber entschuldige, Rüde, 2 Wölfe starben vor den Augen des Rudels. Verdaue dies erstmal, Eisblock. Vielleicht ist es schwer, Anschluss zu finden, doch wenn man sich weigert, wie soll dann etwas entstehen, das nichtmal blind gesehen wurde? Was war mit Leyla, mit ihr selbst, Alaska, mit Amata? Vielleicht hatte er mit den meisten nichtmal geredet, vielleicht die kleinen Dinge übersehen, die ihm immer wieder vor die Pfoten geworfen wurden. Doch auch Amata nickte der Alpga nun zu und kündigte ihren Abtritt damit an, einfach zu gehen. Alaska hatte beide nicht gefüttert, höchstens gewärmt, ihnen ein Zuhause gegeben. Nun, sie war es gewohnt und das Leben ging weiter, sie hatte noch all ihre Kinder, ihren Rüden an ihrer Seite und ein Ziel vor Augen. Waren nun beide gegangen, vielleicht wurden sie nun glücklich, auch wenn die Alpha sofort daran zweifelte, wie Valon mit dieser Lebenseinstellung vorrankommen wollte, in seinem weiteren Leben. Nun, das war nichtmehr ihre Sache, auch wenn ihre Sorgfalt ihr verbot, sie sofort zu vergessen. Alaska brauchte einfach Ruhe, einen Schlaf, der ihr all ihre Sorgen fortnahm und Körpernähe, Körperwärme, Vertrautheit und Liebe. Sie würde all das finden, hier. Und nun war auch der Fremde weg.

Sie blinzelte ein paarmal verträumt und war dann wieder vollwertig anwesend. Ihr Blick tastete sich mit zusammengekniffenen Liedern über die kleine Lichtung, die kaum zu erkennen war, verwirrt durch die Schneegestöber, die chaosartig vom Himmel herab fielen und ins Laub einstachen. Dort war eine steinerne Höhle zu erkennen, nur vage, schwach und undeutlich, doch es musste ein großer Geröllhaufen sein, wenn der Eingang schon höher war als ein wirklich größer Wolf. Ein Lächeln schlich sich auf ihre Lefzen. Mit neuer Motivation, das Rudel zu schützen und weg von diesem Ort zu bekommen drehte sie sich allen zu.

"Wir ruhen uns hier nun besser aus. Bleibt bitte alle zusammen und versucht zu schlafen, dort ist eine Höhle.
Shenna, Sano, Wir gehen vor.


Sie lächelte ihre Schwester an, es tat gut, ihren Namen auszusprechen. Sowieso, Shenna gab ihr immer Kraft, wenn sie gerade fehlte. Kraft kann auch nicht von Ungewiss kommen. Doch die Höhle war ungewiss und sollte nun erkundet werden. Alaska machte den Vortritt und mit raschen, eleganten Bewegungen hatte sie schon den kalten Eingand des Steinbaus erreicht. Sie schnupperte errstmal und sofort stieg ihr der markante Geruch des Bären in die Nase. Nicht gut, gar nicht gut. Ihre Warnsignale gingen allesamt los, dieser Geruch war bedrohlich, denn das Geräusch, was parrallel aus dem Eingang dröhnte, was nicht das, eines schlafenden Tieres. Kaum einen Augenblick später, war die Alpha zurück gesprungen und das riesige Tier kam alles andere als verschlafen aus dem Gemäuer geprescht. Das konnte ja heiter werden.

"VORSICHT! BÄR!"

Schrie sie noch, bevor das Tier sich auf die Hinterbeine stellte und ein Ohrenbetäubendes Gröhlen anzettelte...

[beim Rudel, nimmt das Verschwinden von Valon und Amata zur kenntnis, sieht eine höhle, will mit sano udn shenna nachschauen, was darin ist, ein bär kommt heraus]

_________________


Alsbald stieg empor und verbreitete sich um mich her der Friede und das Wissen, das über alle Beweisgründe der Welt hinausgeht,
Und ich weiß, daß die Hand Gottes die Versicherung der meinigen ist,
Und ich weiß, daß der Geist Gottes der Bruder des meinigen ist,
Und daß alle Männer, die je geboren, auch meine Brüder sind, und alle Frauen meine Schwestern und Geliebten ...
Nach oben Nach unten
Nutzerprofil anzeigen http://sturmtaenzer.forumieren.de
Conversano
Rudelmitglied


Anzahl der Beiträge: 865
Anmeldedatum: 27.01.10
Alter: 18

BeitragThema: Re: Kapitel 5/ Ein harter Winter   Do 24 März 2011 - 4:11

[Ist Sadec jetzt also vorerst rausgespielt?]

    Der misstrauische Blick hatte sich mit jedem Schritt, den der Wolfshund tat, verengt, als habe er den Verdacht, dass jene Kreatur lediglich verschwand, um später erneut wiederzukehren. Um einen vernichtenden Schlag gegen dieses Rudel auszuführen. Ein leises Knurren verließ seine Kehle, als der bunte Pelz des Halbwolfes im Schneesturm verschwand. Die Eiskristalle waren nun beinahe unbarmherzig, schneidend und schmerzhaft, sofern sie auf nackte Haut auftrafen. Ebenso schneidend war der lavendelblaue Blick, als er nun jene Fähe musterte, welche ihn zuvor unaufgefordert berührt hatte. Er verabscheute jeglichen körperlichen Kontakt und aus eben jenem Grund war er nun keineswegs gut auf sie zu sprechen. Sein Blick schien mehr auszusagen als es Worte vermocht hätten. Die Anklage über ihre naive Arglosigkeit, welche am Ende eventuell allen Wölfen dieses Rudels den Tod bringen konnte. Ohne eine weitere Geste der Einsicht drehte er sich ein wenig um. Valon trat an Alaska heran.

    Auch den Weißen musterte Conversano schweigend, ebenso misstrauisch wie wachsam. Er mochte erheblich kleiner sein als ein Großteil der Rüden, welche bereits im Rudel gewesen waren und dennoch machte der Schwarze nicht den Fehler, ihn zu unterschätzen. Mit knappen Worten verabschiedete er sich und der Schwarze bemerkte eine gewisse Feindseligkeit ihm gegenüber, mied er ihn doch geflissentlich. Ein kaltes, spottendes Lächeln stahl sich auf seine verhärteten Züge, doch seine Gestalt blieb drohend neben Alaska bestehen. Es stand ihm nicht zu, dermaßen besitzergreifend zu handeln und dennoch. Obgleich er der Liebe und jeglichen anderen Emotionen vor einiger Zeit abgeschworen hatte, so wollte er dieses Mal alles richtig machen. Die Erkenntnis, dass er die schneeweiße Leitwölfin dieses Rudels mit dem eigenen Leben schützen würde, kam rasch und eindringlich. Es glich dem tosenden Sturm, welcher versucht war, die Wölfe niederzudrücken und zu Boden zu ringen. Es glich dem fallenden Baum, welcher vom Blitz getroffen nieder ging und es glich einem gewaltigen Steinschlag, welcher im Sommer niederging. Die Intensität dieser einen Erkenntnis riss den recht standhaften Rüden beinahe von den Pfoten und eben dies erschreckte und beunruhigte ihn.
    Wenig später erschien eine aufgebrachte graue Wölfin schemenhaft im Schnee. Doch sie kehrte nicht einmal zum Rudel zurück, um ihr Fortgehen zu erklären, sie verschwand schlichtweg mit den Worten »Seid ihr jetzt zufrieden?«. Wäre es möglich gewesen, so hätte der Rüde die nicht vorhandene Augenbraue zynisch erhoben. Was genau hatte jene naive Fähe erwartet? Dass man ihr den Boden fegte und ihr zu Pfoten lag, einzig, weil sie - ihrer Ansicht nach - einen seiner Ansicht nach zu Recht zornigen Incha davon abgehalten hatte, seine Gefährtin zu verletzen? Am Ende war es viel mehr der Graue selbst gewesen und zu Teilen womöglich Naadir, doch tatsächlich getan hatte Amata bisher nichts. Nichts bedeutsames in den lavendelfarbenen Augen.

    .o( Womöglich war es eine weise Entscheidung von dir, Incha. Womöglich hält dieses Rudel nichts als lediglich ein zarter, instabiler Faden der Hoffnung, an welchen wir uns klammern. Doch Aufgeben, dazu sind wir allesamt zu stolz. )o.

    Ein bitteres Lächeln umspielte die Züge des Rüden, ehe er sich restlos umwandte und die Gestalt Alaska´s ausmachte. Diese, sichtbar abwesend von dieser Welt, kehrte nur widerwillig wie es ihm schien in das Diesseits zurück. Sein Blick fing ihren für einen kurzen Moment ein und ihm war, als verstünde sie, wie er sich selbst entschieden hatte - entscheiden würde. Sein Leben für ihres, sollte es notwendig sein. Womöglich war dies ein recht eigennütziges Unterfangen, müsste er somit nicht ohne sie und mit der ständigen Qual leben müssen. Ebenso war ihm durchaus bewusst, dass weit mehr Wölfe als einzig er ihr Leben für die Leitwölfin lassen würden. Einer hatte es im Grunde bereits getan. Namid.
    Unbarmherzig schob Conversano jenen Rüden, welcher sein Leben für ein Rudelmitglied ließ, aus seinen Gedanken und widmete sich erneut der Betrachtung seiner Umgebung. Der verstärkte Schneefall hatte aus der Landschaft ein undurchsichtiges, schneeweißes und durchaus tückisches Gelände werden lassen. Vor nicht allzu langer Zeit war ein Ast unter dem Gewicht des Schnees abgebrochen und dies waren die Gefahren überirdischer Art. Keiner der Wölfe mochte abzuschätzen, welche krankhaften Ideen die Götter für die unterhalb der Erde bereithielten. Am Ende nahm ein unpassender Erdrutsch den Wölfen das Leben, erstickte sie, erdrückte sie, schloss sie in den anfangs friedlich aussehenden Schneemassen regelrecht ein. Ein Gefängnis aus blankem Weiß. Der Hüne schüttelte den Kopf, vertrieb diese Gedanken und spitzte interessiert die Ohren, als die Stimme Alaska´s an diese drang. Sie schien etwas entdeckt zu haben, was ihr erneute Hoffnung gab und nun untersucht werden musste. Es war ihm eine willkommene Ablenkung von all dem tristen Weiß, welches an seinen Nerven zerrte. Das ungebrochene Weiß schmerzte in den Augen und die Konzentration war ebenfalls stark angegriffen. Missmutig schnaubte er, folgte den dichten Dunstwolken seines Atems desinteressiert und schüttelte sich kurz darauf. Schneemassen flossen zu Boden und er selbst fühlte sich um einige Kilogramm leichter, wenngleich dies auch Einbildung sein konnte. Dann setzte er sich in Bewegung, Alaska folgend.

    Viele Dinge sind kalkulierbar. Mit vielen Dingen rechnete der Rüde. Eine unvorbereitete Schneelawine, plötzlich auftauchende Beute, welche in Panik losgestoben war, blindlings vor Angst. Oder aber Feinde ihrer Art, fremde Rudel, welche in diesem Revier wilderten, um ihrerseits das hungrige Maul zu füllen. Doch nicht mit jenem Schrecken, welcher ihn überrumpelte, als der Geruch des Bären sich mit dem Alaskas vermischte. Für den Bruchteil einer Sekunde setzte ihm das Herz aus, erneut sah er sich allein und vom Schicksal betrogen. Doch dann gewann die Wut die Überhand und ohne weitere Überlegungen sprang er geradewegs den Bären an, fiel regelrecht über diesen her. Doch Conversano hatte die gesamte Zeit das Offensichtliche verdrängt. Der Sturm zerrte an ihm, der Hunger beinahe ebenso und die psychische Belastung war ebenfalls nicht zu unterschätzen.
    Kaum, dass der Bär aus seiner geschützten Behausung ausbrach und sich aufrichtete, wild brüllte, spürte der Schwarze die Schwäche. Schwäche. Wie sehr er diese doch verabscheute! Zorn flammte in den hellen Augen auf, die Lefzen waren zurückgezogen und entblößten Teile seiner kräftigen Wolfskiefer, das Nackenfell sträubte sich und die Rute war provokativ erhoben. Er hatte so lange dagegen angekämpft, nun würde er nicht mehr länger der Feigling sein. Er würde endlich wieder kämpfen.
    Die Muskeln arbeiteten gleichmäßig und Hand in Hand, bildeten einen durchaus schönen Bewegungsbogen unter dem matt schimmernden Fell. Mit weit aufgerissenem Kiefer und ohne einem Ton der Drohgebärde fiel er nun restlos über den Bären her. Doch jener fegte ihn mit einer Mühelosigkeit beiseite, welche sowohl Hass als auch Trotz in ihm weckten. Ein kurzer Blick galt Shenna, ein weiterer Alaska. Er musste nichts sehen, um zu wissen, dass beide nicht allzu lange untätig blieben. Somit beschloss der Rüde, seit langer Zeit einmal wieder auf ein Team zu vertrauen. Wenn es ihm auch schwer fiel. Mit gesträubtem Fell und gefletschten Zähnen stand er kampfbereit dem Bären gegenüber, abwartend, was nun geschah. Der Blick war dunkel und entschlossen auf die gelben Augen des braunen Ungetüms gerichtet.




[Rudel, Nähe Alaska x Denkt nach x Sieht Valon & Amata verschwinden x Folgt Alaska x Angriff auf Bär x Wartet ab]
Nach oben Nach unten
Nutzerprofil anzeigen
Naadir
Delta


Anzahl der Beiträge: 855
Anmeldedatum: 14.04.10
Alter: 14
Ort: Hamburg

BeitragThema: Re: Kapitel 5/ Ein harter Winter   Mi 27 Apr 2011 - 10:32

Der Rüde, der nicht zu ihnen gehörte, hielt anscheinend nicht viel von Versteckspielen oder dergleichen. Natürlich konnte Naadir das nicht wissen, doch vermutete er es, wagte sogar fast es Wahrheit zu nennen. Denn immerhin, Anstalten machte er keine. Ihn schien sein Auftritt hier auch keine Bange zu bereiten, wobei er selbst eher entstellt, als gesund aussah. Wenn Naadir Alaska richtig einschätzen konnte, würde sie jeden Kranken aufnehmen, einfach, weil sie es nicht sehen konnte, dass es jemanden schlecht ging oder vielleicht ein schlechtes Gewissen bekäme, sollte sie einen doch so unbeholfenen Wolf einfach alleine lassen, wusste sie doch genau, dass dieser keine Chance hatte alleine klarzukommen. Sie war einfach zu gutmütig. Aber nun gut, natürlich konnte er total falsch von ihr denken, sodass sie jeden verletzten Wolf, sei es auch nur eine offene Wunde, nicht ins Rudel lassen würde. Er könnte ja eine Krankheit haben, mit der er jeden anstecken könnte. Na ja, wie dem auch sei.
Naadir hatte sich noch keine Meinung zu dem Fremden gebildet. Er schien so stark und gleichzeitig ebenso schwach. Einerseits fühle der Schwarze Mitgefühl, doch andererseits dachte er an Selbstverschuldung. Wenn er nicht gut genug auf sich aufpassen kann, dann passiert so was eben. Wer sich mehr in Achtung und Geschicklichkeit übt, wird auch mehr Erfolge haben. So ist das Leben. Selbst wenn sein Gegner sehr stark war und sie eine Messung hatten, die nicht miteinander vergleichbar war, weil beide eine enorme Stärke besaßen, aber schlichtweg niemand von beiden wusste, wie man denn kämpft, ist es wahrlich schade. Denn Kampferfahrungen sind wichtig für das Leben, wer sie nicht sammelt, der kann nicht gewinnen. Es sei denn, man will verlieren, was jedoch eigentlich nicht im Rahmen des Stolzes wäre.

Unterbrochen wurde sein Gedankengang von Sadec bis hin zu Kampferfahrungen, durch die Bemerkungen Valons und Amatas. Die traf ihn unerwartet, wie ein Stein. Valon … Wieso verließ er den Haufen hier? Dann auch noch mit einer knappen Verabschiedung, die er am liebsten wohl selbst nicht gemacht hätte? Es war merkwürdig, den Weißen nicht mehr bei sich zu wissen. Natürlich konnte Naadir ihm einen Grund geben, sauer auf ihn zu sein. Immerhin hatte er ihm fast das Leben genommen, drohte ihm und konnte dann noch nicht mal die richten Worte für eine Entschuldigung zusammenfassen. Sie wären wohl nie Freunde geworden. Und dennoch war dieser Artgenosse von so viel Bedeutung, wie sich der Schwarze das kaum eingestehen wollte. Sie beide hatten in kürzester Zeit viel zu viele Eindrücke über diese Gemeinschaft hier erhalten, haben viel zu viel mitbekommen, von Dingen, die normalerweise selten vorkamen, meistens aber nicht dann, wenn gerade jemand hinzu gekommen war. Außerdem war der Bestand an derart verschiedenen und doch so gleichen Charakteren stark auffällig. Es gab welche von der Sorte und welche von der Sorte. Ruhigere, Lautere, Böswillige, Freundliche. Von allem schien es etwas zu geben und trotzdem war jede Eigenschaft mindestens doppelt verteilt. Vielleicht schien es nur so und die Wahrnehmung Naadirs war nicht mehr die Beste, wobei er dennoch nicht ausschließen wollte, dass es nicht der Wahrheit entsprechen konnte.
Das Amata auch noch ging, störte ihn herzlich wenig. Ganz im Gegenteil: er begrüßte es! Dieses zickige Viech war das unnötigste Wesen, was er je mitbekommen hatte. Sie mischte sich in alles ein – was er ja nie tun würde, nein – und musste zu allem ihre Meinung abgeben. Schlimm war sie. Gott sei Dank, dass sie gegangen war. Vielleicht würde es dem zusammen gemischten Haufen – Gemisch! – nun gelingen, sich endlich besser kennen zu lernen, ohne jemanden dabei zu haben, der nur für Aufstände sorgte. Ist ja nicht so, dass er selten darin beteiligt war.
Die Reaktion von Alaska war deutlich merkwürdig. Sie … sagte gar nichts, tat nichts, zeigte darauf keine Regung. Wie dachte sie? Es interessierte ihn, wirklich. Wie gern hätte er in diesem Moment Gedanken gelesen?
Er versuchte zu vergessen, dass er schon traurig über den Austritt Valons war. Versuchte einfach alles zu überspielen, mit einer Art Neugierde. Vielleicht würde ein Erfolg sein, vielleicht auch eine Niederlage. Er wusste nicht, wie er in dem Moment damit umgehen sollte und versuchte einfach nur zu verdrängen.

Seinen blick eh schon auf Alaska gerichtet, folgte ihren Schritten, die sie einem Eisberg näherten. Ein Haufen Schnee, wie Naadir ihn noch nie zuvor gesehen hatte. Die Schneekristalle hatte er natürlich wahrgenommen, wie sie durch und durch auf sein Fell rieselten und keine Anzeichen von Erlässlichkeit machten. Sie machten aus seinem normalerweise durchgehend schwarzen Fell ein schwarz-weiß gepunktetes, welches er selbst nicht sonderlich mochte. Kälte war bitter, wie eine eiskalte Zunge, die einen in ihren Klauen hielt und nicht wieder gehen lassen wollte. Verschlungen von durchdingender Kälte und nass von dem gefrorenen Wasser. Ekelhaft, dieser Geruch.
Als Alaska leichtfüßig in die Höhle latschte, ohne großartig nachzudenken, ob dort vielleicht noch jemand war, legte Naadir sich seufzend hin. Naivität machte ihn immer nervös. Aber gut, er sollte schlafen, also versuchte er das auch. Er war auch fast eingeschlafen, bis zu dem Zeitpunkt, wo Alaska anfing zu schreien. Sei doch ruhig!, dachte er, schon fast vollkommen von der Traumwelt verschluckt. Er hatte noch nicht mal mehr verstanden, was sie dort geschrien hatte, sondern lediglich bloß, dass sie geschrien hatte. Er war zu müde um ihrem Bären noch irgendwelche Aufmerksamkeit zu schenken. Schlafen ließ er sich nicht zwei mal sagen.

[denkt - schläft || Sadec - Valon & Amata - Naadir]
Nach oben Nach unten
Nutzerprofil anzeigen http://www.midnightdreamcatcher.forumieren.com
Shenna
Beta


Anzahl der Beiträge: 769
Anmeldedatum: 17.04.09
Alter: 18

BeitragThema: Re: Kapitel 5/ Ein harter Winter   Mi 4 Mai 2011 - 0:27

Shenna folgte Alaska aufs Wort, ihren Namen von der Engelsgleichen stimme rufen zu hören lies sie kurz innerlich Jublieren. Sie trabte Alaska mit erhobenem Haupt nach, warf jedoch sano einen eifersüchtigzickigen blick zu. Ehe sie ihn jedoch kurz anknurren konnte wie sie es so gern tat. Hatte sich bereits die gesammte Situation verändert. BÄR! ALASKA! Ihre Sinne waren es die Schrien, neben ihr war sano bereits wie ein Pfeil losgeschossen. Shenna tat es ihm gleich. Sie würde nicht zulassen das ER Alaska beschützte. Knurrend und geifernd stürzte sie sich auf den Bären. Wurde jedoch eben so leicht wie der Schwarze Rüde von dem Ungetüm hinweggeschleudert. Rutschend und mit einem unerträglichen geräusch ihrer sich in den eisigen Bodenrammenden Krallen kam sie wieder auf dem Boden auf. Ihr blick huschte zu Alaska, während ihr Fang nochimmer drohend auf den Bären gerichtet war. Die Botschaft in ihren Augen war klar. ...was sollen wir tun? wir sind geschwächt? kämpfen oder fliehn? kampf würde viele opfer fordern...doch wir brauchen fleisch und eine Raststätte...so ähndlich waren wohl auch die Gedanken mit welchen sich Alaska gerade abmühen musste. Shenna machte zwei sprünge nach vorne so dass sie nun wieder schützend an der Seite ihrer Alpha stand.

[ greift an, wird zur seite geschleudert. Denkt nach]
Nach oben Nach unten
Nutzerprofil anzeigen
 

Kapitel 5/ Ein harter Winter

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 12 von 13Gehe zu Seite : Zurück  1, 2, 3 ... , 11, 12, 13  Weiter

 Ähnliche Themen

-
» Book of unwritten Tales - Kapitel 2 In der Stadt - Teil 2 - Wilbur - Magierdiplom
» Bauernregeln
» Winter
» Kleine Eiszeit und kältester Winter seit 1000 Jahren kommt.
» Ratgeber: Mit ausgewogener Ernährung fit durch den Winter

Forenbefugnisse:Sie können in diesem Forum nicht antworten
Sturmtänzer :: 

 :: R O L L E N S P I E L
-
Forum Kostenlos | © phpBB | Kostenloses Hilfe-Forum | Kontakt | Einen Missbrauch melden | Sein eigenes kostenloses Blog erstellen