WEISST DU, WAS ES HEISST, EIN WOLF ZU SEIN?
INFORMATION

"love will not break your heart but dismiss your fears"


Fremder? Was führt dich dein Weg hierher? bist du etwa gewillt, dich anzuschließen? Nun streuner, es bleibe dir überlassen. Und doch weiß ich, dass auch du, den Ruf nicht ignorieren kannst...

Forengründung

16. April 2009

AUfnahmestopp

inaktiv


RUDEL

"as brothers we will stand and we'll hold your hand"

Rudelstand

4 Fähen | 6 Rüden

TEAM


ALASKA # SADEC # NAADIR



PLOTLINE

"And you rip out all I have Just to say that you've won"



Der Frühling ist gekommen und verbirgt mit seiner blühenden Schönheit die Gefahren der Zukunft. Blauäugig wandert das Rudel durch die Berge, ohne zu ahnen, was sich hinter den Gipfeln verbergen mag. Eine Lawine? Ein feindliches Rudel? Gewiss ist: Die Zukunft hat noch ein Ass im Ärmel.
FOLGE DEM RUF DES WINDES UND FINDE DIE FREIHEIT

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 Kapitel 6/ Frühjahrsgefahren

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avatarSadec Zimbah
Rudelmitglied

Sa 28 März 2015 - 0:26

Tapp, tapp, tapp. Immer dicker. Tapp, tapp, tapp. Immer lauter. Sein Mantel aus trockenem Pelz hing an den müden Knochen wie ein toter Leib, zog an den erschöpften Muskeln, drückte auf die verstaubten Lungen. Er hatte schon lange nicht mehr gespürt, mit welch wilder Widersprüchlichkeit der Regen an seinem Körper haften blieb. Der Regen, der so düster und voll bitterer Vergeltung über sie hinweg zog. Wie er ihnen die Sicht nahm, wie er ihm das Gehör nahm, wie er ihm selbst den Hunger nahm. Und gleichzeitig spürte er, wie er düstere Regen ihm den Staub aus dem Fell wusch, all den Dreck und das Blut, das den Weg durch die Felslandschaft wie eine Karte gezeichnet auf seiner Haut gezeichnet hatten. So befreiend war das Gefühl, tief in ihm drin glaubte er, er würde befreit. Doch dann ertönte das knallende Knurren der Wolken wieder über seinem Haupt und er wagte es kaum, den Blick zu haben, denn er wusste, es würde ihn in die Knie ziehen. Seine Gedanken aber wollten den Wölfen gelten, die ihm folgten, den Wölfen, die ihm folgen würden. Ein unbekannter Stolz durchzuckte ihn, so grell wie die Blitze den Horizont. Die Stimme in seinem Kopf war zu leise, um gegen den Donner noch anzukommen, die Flammen in ihm zu hoch, um von ihr erlöscht zu werden. Und obwohl nun, da die Nackenhaare kaum mehr zu Berge standen, die magere Gestalt unter den breiten Schultern zum Vorschein kam, hielt seine selbstbewusste Haltung stand. Aufmerksam lauschte er der fremden Wölfe, folgte ihren Worten, und es war nicht nur die Dankbarkeit, sondern auch die Klarheit in ihrer Stimme, die ihm die Zweifel nahmen. Er wollte und er würde diese Wölfe zu seinem Rudel führen, bei dem sie Sicherheit vor dem Unwetter finden würden, das bereits über ihnen tobte.

“Es ist mir eine Ehre, euch Sicherheit auf eurem Weg zu gewähren. Doch wir haben kaum Zeit zu verlieren. Die Jagd meines Rudels fand ihren Erfolg in erreichbarer Nähe, bevor wir den Kadaver dem Zorn des Himmels überlassen, solltet ihr die Kraft des Rudels in Anspruch nehmen können. Und sobald eure Mägen gefüllt sind, werden wir ihnen folgen.“ Und dann erst ließ er sein Auge fort gleiten, um dem Wald einen sehnsüchtigen Blick zu gewähren. (Ich finde euch bald.) Ein gleißender Blitz zuckte mitten hinein in die düsteren Quellkronen der Bäume, gefolgt von einem so lauten Krachen, dass Sadec Zimbah hingegen aller Vernunft ein gequältes Wuffen kaum mehr unterdrücken konnte. In einer raschen Bewegung wandte er sich zu den Zwillingswölfen, dann zu der Fremden und ihrem Nachwuchs. Mit kräftiger Stimme jaulte er gegen den Donner an, um ihnen zu vermitteln, ihm zu folgen. Sein Orientierungssinn schwächelte unter dem Verlust seiner Sinne, es roch nach verbanntem Holz, nach dreckigem Regen, nach Angst. Seine Angst? Vielleicht. Sich auf sein Auge zu verlassen würde ihn nicht weiter bringen. Es waren allein seine Instinkte, die sich wie aus einem Winterschlaf erwachend in ihm regten. Und auch, wenn er sich nicht sicher war, ob er sich auf sie verlassen konnte, es war die einzige Möglichkeit, die ihm blieb, um den Kadaver wieder zu finden, um nicht nur seine, sondern auch die Kraftreserven seiner Begleitung wieder aufzufrischen.

“Es ist nicht weit!“, rief er mit seiner rauen Stimme, ohne zu wissen, ob ihm überhaupt jemand folgte. Hatte er sie in den dichten Regenmassen verloren? Hatten sie ihn verloren? Das Dröhnen und Grollen schwoll an, dichter Rauch tastete sich durch die Luft und flüsterte ihm in sein Ohr von flammender Verheißung. Und dann erst, als er ihn gefunden hatte, da wurde ihm bewusst, welchem Instinkt er gefolgt war. Nicht etwa der Beschützer in seiner Brust war es, der sich zum Krieger aufgebäumt hatte, es war der bloße Hunger, der sich wie wahnsinnig um seine Kehle schlang, der ihm dazu getrieben hatte, die Fremden auf die Ebene hinaus zu führen, auf der sie dem Unwetter schutzlos ausgeliefert waren. Mit ungezähmter Wildheit in den Augen schlug er seine Zähne in das durchfeuchtete, weiche Fleisch, sodass der bitter Kupfergeschmack von altem Blut auf seiner Zunge explodierte. Er schlang es hinunter, währen die Welt um ihn herum zerfetzt wurde, sich auflöste, für einen kurzen Moment in düsterer Stille versank. Es war so lange her, dass er Nahrung zu sich genommen hatte, viel zu lange. Und so sehr er es sich auch anders gewünscht hätte, sein Überleben hing für ihn davon ab, ob er aß, oder nicht. Dass die Bäume, zwischen denen sein Rudel gerade nach Sicherheit suchte, Feuer fingen, bemerkte er kaum. Ob die Fremden, die er begleitet hatte, zu ihm gefunden hatten, konnte er nicht mehr wahrnehmen. In der stille seiner Gedanken hoffte er, dass sie ihm gefolgt waren und dass sie essen würden. Er hoffte, dass der Rausch bald verebben und er einen Unterschlupf finden würde, um sein Versprechen zu halten. Das unausgesprochene Versprechen eines Wolfes gegenüber seinem Rudel.


[antwortet Ale'dil x läuft zum Kadaver x frisst]

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avatarHush
Neuankömmling

Di 31 März 2015 - 20:56

Hush erschrak, als er eine Stimme dicht neben sich hörte. Er war so beschäftigt damit gewesen, die Erinnerungen an diese kalte weiße Nacht zu bekämpfen, dass er seine Umgebung völlig vernachlässigt hatte.
Eine tolle Wache bist du, schalt er sich sogleich selbst. Ein solcher Fehler wäre ihm früher nie unterlaufen.
Er versuchte sich den Schreck nicht anmerken zu lassen und betrachtete die kleine weiße Wölfin, die sich ihm so leise genähert hatte. Sie schien sehr jung zu sein und der bloße Anblick ihres wachen Blickes genügte, um die Vergangenheit wieder vor die Gegenwart zu schieben. Er hatte eine Tochter mit ebenso weißem Fell und einem ebenso klaren Blick. Erstaunlich viel Ernsthaftigkeit und Verständnis für das zarte Alter. Und dieser jugendliche Stolz, mit dem sie das Kinn gereckt hielt. Er beneidete sie darum.
„Ja, ich bin Hush.“, sagte er und seine Stimme ging beinahe im Heulen des Sturmes unter.
Er spürte wie der Erdboden unter einem Donnergrollen vibrierte und irgendwo in der Ferne erklang das Bersten von Holz. Der Wind musste einen Baum umgerissen haben. Unter dieser immensen Kraft brachen die majestätischen Stämme wie Streichhölzer.
Er wandte den Blick wieder nach vorne.
Ob es wirklich eine gute Idee gewesen war, in den Wald zu flüchten? Die Bäume boten während eines Gewitters so viel Schutz wie Gefahr. Doch Hush war auch klar, dass das Rudel auf der offenen Ebene verloren gewesen wäre. Am sichersten war noch immer Stein. Eine Höhle oder zumindest eine stabile Felswand im Rücken. So überstand man ein Gewitter am besten.
Hush meinte, sich an eine kleine Ansammlung von Felsen zu erinnern, nicht sehr weit von hier. Das wäre ein guter Platz gewesen. Wäre ihm das Rudel nicht dazwischengekommen, hätte er sich bestimmt dorthin zurückgezogen.
Er lauschte den Atemzügen der schlafenden Wölfe hinter sich, konnte ihre warmen Körper förmlich spüren. Sein Herz schlug schneller, während sich in seinem Kopf ein Gedanke formte, der nur von jemandem stammen konnte, der nichts mehr zu verlieren hatte.
Alleine war er besser dran.
Sein Magen war voll wie seit Wochen und Monaten nicht. Er fühlte sich nicht mehr ganz so körperlos, nein, er fühlte sich geradezu gestärkt. Und mit der Körperkraft kehrte auch ein Teil seines Selbstbewusstseins zurück. Er war sich ganz sicher, diese Felsen wiederfinden zu können.
Alleine war er schneller, freier, unabhängiger. Er durfte sich nicht von seinem Ziel ablenken lassen. Er durfte nicht vom Weg abkommen, indem er sich aus Bequemlichkeit einem Rudel anschloss. Das war vielleicht im Winter hin und wieder nötig gewesen, doch jetzt kehrte der Frühling ins Land zurück und mit ihm leichtere Beute, die auch ein einsamer Wolf erlegen konnte.
Das Rudel würde schon bald eine andere Richtung einschlagen und der Umweg würde ihn wertvolle Zeit kosten.
Nein, er musste alleine weiterziehen. Und es würde keine bessere Gelegenheit mehr zur Flucht geben als diese hier. Hush war ein Geist, ein Schatten und in diesem Sturm war er ein Nichts. Unsichtbar wie der Wind.
Laufen. Jetzt oder nie.
Er bemerkte plötzlich, dass er nicht länger saß, sondern aufrecht stand. Seine Muskeln zuckten.
Er war gut darin geworden, Schuldgefühle zu unterdrücken. Er spürte kaum mehr Reue für sein eigennütziges Handeln, denn eigennütziges Handeln und Rücksichtslosigkeit waren es gewesen, die ihn so weit getragen hatten. So dicht an seine Familie.
Hush versuchte die kleine Wölfin neben sich aus seiner Wahrnehmung zu verbannen, die seiner Tochter so sehr ähnelte.
Er machte den ersten Schritt - und blieb wie angewurzelt stehen. Sein triefend nasses Fell sträubte sich, als ein ganz schwacher und doch gefährlich beißender Geruch in seine Nase drang.
Jeglicher Gedanke an Alleingänge war augenblicklich ausgelöscht und es gab nur noch ein Wort, das ihm durch den Kopf schoss und dort immer und immer wieder widerhallte.
„Feuer.“


(antwortet Takenya; denkt darüber nach, sich davonzuschleichen; riecht das Feuer)
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avatarAlaska
Alpha

Mo 13 Apr 2015 - 21:50

Alaskas Träume überschlugen sich. Seit sie die Lichtung erreicht hatten und sie die betäubende Sicherheit aufgesogen hatte, war sie umgehauen von einer Welle der Müdigkeit. Fast Sekundenschnell hatte der Schlaf sie mit sich gerissen. Vielleicht war es ein Verdauungsschlaf, vielleicht auch nur die Erschöpfung ob der drohenden Gefahr.
Doch Erholung wollte sich nicht einstellen, denn die Träume der Fähe waren gespickt von Paranoia und Furcht. Erst hetzte sie mit dem Rudel vorran, immer schneller über eine staubige Felslandschaft, die unter ihren Pfoten wegbröckelte, sobals die sie passiert hatten. Einen Ausweg schien es nicht zu geben, ein Rückweg war unmöglich und ein Ende nicht in Sicht. Sie war schon völlig kraftlos, doch musste sich weiter voran treiben, sich und ihre Schützlinge.

Dann wechselte das Bild und sie war getrennt von ihren Freunden. Eine allesumfassende Leere befand sich zwischen den Boden, der sie trug und dem Felsen mit dem Rest des Rudels, sie versuchte zu springen, die anderen zu erreichen, doch jedesmal stürzte sie in die tiefe, unfähig sich zu bewegen.

Es waren jedoch nicht die Alpträume, die sie weckten.

Es war ein Krachen, so ohrenbetäubend, wie die Schüsse, sie sie damals nur knapp verfehlt hatten. Nein, noch lauter. Sie erwachte erst orientierungslos und in einem dämmerzustand gefangen. Mit nebligem Blick versuchte sie die Situation zu erfassen, sah Shenna und dann Takenya und Hush. Die beiden standen beieinander, aber der Rüde war soeben dabei seine Körperhaltung zu ändern. Alaska blinzelte einmal, zweimal, erhob sich - und erstarrte. Der Geruch stahl sich in ihre Nasenflügel und zog einen Schauer über ihren gesamten Leib, der in einer panikartigen Atmung endete. Ihre AUgen weiteten sich, ihr Herz begann wie wild zu pochen. Es ist eine Falle! Sie waren in eine Falle getappt, nein schlimmer! Sie, die Alphafähe, hatte ihr Rudel ins Verderben getrieben.

Alaska spürte, wie die Panik sich ausbreiten wollte, wie sie immer fordernder wurde und drängend nach ihrem Verstand langte. Sie musste ruhig bleiben, aber wie nur?
Ihr Blick war nun wieder auf Hush geheftet, sie starrte ihn geistesabwesend an und wiederholte das einzige Wort, was seit dem Erwachen an ihr Ohr gedrungen war, auch wenn es schien, als hätte der Rüde mehr zu sich selbst gesprochen.

"Feuer.", sagte sie, "Feuer!", rief sie danach und die Angst hinderte sie daran, weiter stillzustehen. Es knallte erneut, so heftig, dass sie zusammenzuckte wie ein junger Welpe. Kaum konnte sie verhindern, dass ihre Rute sich zwischen die Hinterläufte zwang, doch sie musste nun die Führung übernehmen, sie musste die Situation unter Kontrolle bringen und retten, was noch zu retten war.

"Schnauzen nach unten! Alle bleiben zusammen!" befahl sie mit unterdrückter Verzweiflung. Es war noch nichts zu spät, dachte sie, drehte sich zur Flucht - und sah wie die ersten Flammen dem Rudel entgegenzüngelten.

[hat Alpträume | wacht auf | bemerkt den Brand | kämpft mit einer Panikattacke | gibt Anweisungen | sieht das Feuer ]

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Alsbald stieg empor und verbreitete sich um mich her der Friede und das Wissen, das über alle Beweisgründe der Welt hinausgeht,
Und ich weiß, daß die Hand Gottes die Versicherung der meinigen ist,
Und ich weiß, daß der Geist Gottes der Bruder des meinigen ist,
Und daß alle Männer, die je geboren, auch meine Brüder sind, und alle Frauen meine Schwestern und Geliebten ...
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avatarConversano
Delta

Di 28 Apr 2015 - 12:39

„Aus dem Funken wurde ein Glimmen.
Und daraus entstand das
Chaos.“

Seine großen Pfoten folgten einem stumpfsinnigen Takt, der gelegentlich unterbrochen wurde durch das energische Ziehen und Zerren der beiden Wölfinnen. Sobald sie jedoch wieder einen simplen Dreitakt gefunden hatten, tat der dunkle Rüde, wofür er allem Anschein nach geschaffen worden war: Kräftig ziehen.
Die Augen unablässig auf das vor ihnen liegende Ziel gerichtet, dabei alles weitere ausblendend, darauf vertrauend, dass die bisweilen nicht abgelenkten Augen und Ohren seines Rudels frühzeitig Alarm signalisieren würden, stemmte sich der Schwarze gegen das bleierne Gewicht, welches mit jedem Schritt zuzunehmen schien. Der prasselnde Regen, dem eine unheilvoll dunkle Wolkenwand gefolgt war und sich nun würgend um das Rudel zu legen schien, erschwerte zusätzlich die unhandliche Last, sodass Conversano alsbald dazu überging, aus dem Nacken heraus zu zerren. Es glich inzwischen weit mehr dem Balgen dreier ausgehungerter, verängstigter Wölfe, die um ihr Leben bangten und um ihre Henkersmahlzeit rauften. Das dem nicht so war, wurde erst auf einen zweite Blick sichtbar.
Für einen kurzen Augenblick lösten sich die hellen, hypnotischen Augen des Rüden vom Waldrand, an welchem er die Silhouetten zweier nicht ganz unbekannter Wölfe auszumachen glaubte und trafen auf eine vollkommen fremde Gestalt. Den Seuchenträger.
Gewiss, er mochte noch immer nicht das Vertrauen des Schwarzen gewonnen haben – vermutlich legte er darauf nicht einmal wert – und dennoch rechnete der Fünfjährige es dem wilden Streuner hoch an, dass dieser seine Grenzen klar erkannt hatte und sich zurückzog, dem Tross ledigich flink und beherrscht folgte. Eine weitere Schnauze, ein weiterer Körper, der am Karibu zog, wäre weniger hilfreich als lästig gewesen und hätte dazu geführt, dass alles verlangsamt wurde. Etwas, was sich das Rudel nicht erlauben konnte in einer solch prekären Situation. Und somit wandelte sich das Bild des Grauen, welches Conversano in seinem Misstrauen gezeichnet hatte, eine Kleinigkeit. Mochte es auch nicht allzu viel sein, dennoch sah ein geringfügiger Teil des Dunklen einen Fortschritt darin. Es mochte bedeuten, dass er gelernt haben könnte, mit seinem Misstrauen besser umzugehen – oder aber aus der Not der Situation heraus ein Friedenspakt mit sich selbst schloss.

Bald waren die ersten kleineren Bäume in Sicht, wuchsen rasch an und verdichteten sich zu einem kleinen Wald, in welchem die inzwischen vollkommen durchnässten Wölfe vorerst ein wenig Deckung finden würde. Wie wenig ihnen dies bringen würde, sollten sie noch früh genug erfahren. Mit einem dumpfen Knurren hieß der Rüde seinen massigen Körper stillstehen, ließ das Karibu grob aus seinem Maul fallen und betrachtete für eine kurze Zeit die beiden Fähen. Die Eine so hell wie der Mond, die Andere so dunkel wie die Nacht, hatten sie eine Freundschaft, die ebenso unglaublich wirkte wie sie stark war. Kurz glomm ein liebevoller Ausdruck in den hellen Augen des Kolosses auf, als seine Seelenspiegel die schlafende Polarwölfin erfassten, ehe er sich rasch umdrehte und den Kadaver einige Schritte weiter entfernt fort zog. Den Schlaf der Leitwölfin sollte vorerst nichts stören – auch kein hungriges Maul, welches sich hastig den Magen füllte, ehe die Sturzbäche des Himmels sich restlos über ihnen ergossen.
Kurz flog sein Blick über die anwesenden Wölfe, kontrollierte, ob all jene, die zu dem früheren Zeitpunkt noch da gewesen waren, auch jetzt noch vorhanden waren. Wie es schien, war auch der Wolfshund nicht mehr allzu weit, obgleich inzwischen kaum mehr die Pfote auf dem Erdboden gesehen werden konnte, derart dicht fiel der Regen. Für einen reglosen Augenblick verharrte der Wolf, innerlich zerrissen von dem Wunsch, seinen wohltuenden Schlaf an Alaskas weichem, wenn auch nassem Fell zu genießen und dem Misstrauen, sein schlafendes Leben dem soeben erst zugestoßenen Hush anzuvertrauen.
Er beschloss, die beiden Wölfinnen für sich zu lassen, rollte sich zusammen und bettete den schweren Kopf auf den eigenen Hinterläufen, den Blick stets auf die offene Fläche gerichtet, von welcher sie eben gekommen waren. Langsam glitten die Augenlider des Hünen über die klaren, kalten Augen, ehe auch er sich einem unruhigen Dämmerschlaf hingab.

„Feuer!“ rief ein deformiert wirkendes Geschöpf, welches langsam an Konturen zunahm und sich als ein ausgewachsener, aber recht dürrer Wolfsrüde herausstellte. Hush. Nur langsam sickerte in den vom unruhigen Schlaf nicht erholten Geist des Schwarzen die gefährliche Botschaft, die seinen Worten folgte. Innerhalb eines Atemzuges war der Rüde aufgesprungen, warf den breiten Schädel herum und blinzelte den Regen aus den Augen, um sich suchend nach allen Seiten umzusehen.
Die erste Flammenwand näherte sich ihnen bereits mit zielgerichteter Genauigkeit, die verblüffend gewesen wäre, würde das Leben des gesamten Rudels nicht soeben auf dem Spiel stehen. Ein kurzer Blick galt Hush, in dem noch immer das Misstrauen zu erkennen war, aber ebenso eine gewisse Dankbarkeit, nicht einfach fortgelaufen zu sein und das Rudel elendig erstickt haben zu lassen. Wenig später hörte er die Stimme seiner Leitwölfin und hob instinktiv den Kopf. Hustend und würgend machte er diesen gravierenden Fehler wieder wett, indem er den Kopf weit zum Boden senkte und die Augen halb geschlossen ließ.
Während er sich dichter an die weiße Fähe pirschte, deren Fell glücklicherweise weit besser zu erkennen war als das vieler anderer Rudelwölfe, hob er für einen kurzen Augenblick den Blick empor. Conversano erstarrte, betrachtete die knackenden Flammen, die ihnen immer näher gekommen waren und nun drohten, sie einzukesseln und bei lebendigem Leibe zu verbrennen. Innerhalb weniger Herzschläge spürte der hünenhafte Wolfsrüde eine gefährliche Emotion in sich empor kochen: die Angst. Es waren Jahre vergangen, da er dieses Gefühl ernsthaft verspürt hatte und wie damals galt diese Angst am wenigsten seinem eigenen Leben, als all jenen, die hier, in dieser Feuerhölle, ihr Ende finden konnten. Aber nicht würden.
Energisch trieb der Rüde einige langsamere Wölfe auf die Fähe zu, sah sich dabei immer wieder um und kam nicht umhin, die unangenehme Situation ihrer Lage zu erfassen: Es würde nicht mehr viele Herzschläge dauern, ehe ihnen auch die zweite Fluchtmöglichkeit verschlossen wäre. Die Schlinge zog sich zu.
»Alaska! Dort!« erhob er seine dunkle, tragende Stimme und wies mit einer hektischen Bewegung nach links, eine kleine Möglichkeit, den Flammen mit geringfügigen Verbrennungen eventuell doch noch zu entkommen. Und ehe dem Rüden bewusst wurde, das er dort tat, sprang er den ersten Flammen entgegen. Denn ihm war eines schlagartig bewusst geworden.
Ich will niemanden mehr verlieren. Niemanden!




Rudel ;; Waldrand, bei Aska & Shenna ;; Döst ;; Brand
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avatarR' Shíens
Neuankömmling

Fr 1 Mai 2015 - 19:41

"Mächtig zürnt der Himmel im Gewitter."

R' Shíens spürte auf einmal etwas. Es ließ ihm die Haare zu Berge stehen.
Angst. Es kam nur selten vor, dass R' Shíens sich vor etwas fürchtete. Eigentlich fast nie. Denn vor wem sollte er sich schon fürchten, mit seiner Schwester an seiner Seite?
Doch diese Situation war anders. Dieses Gewitter, das nun unheimlich schnell heran kam, erinnerte den Rüden daran, wie klein und unscheinbar er doch war. Was waren sein Witz, seine Sorgen und seine Angst schon gegen diese Naturkraft, die den Himmel zum Erzittern brachte und die Welt in kurzen, grellen Momenten erlichtete? Richtig. Nichts. Er konnte tun und lassen, was er wollte, er konnte rennen, heulen, oder sich verstecken, das Gewitter würde ihn finden. Die dunkle Wolkenmasse schien sich jetzt schon von einem Horizont zum anderen zu erstrecken.

Der cremefarbene Rüde schüttelte sich und musste sich plötzlich beherrschen, um nicht näher an Senshír hinzurücken, oder - was vielleicht noch dummer wirken würde - das Weite zu suchen. Diese Angst war so ... unnormal für R' Shíens, dass sie ihn noch einmal mehr erschreckte.
Deshalb war er auch ziemlich dankbar, als Sadec loslief. R' Shíens folgte ihm kopflos und versuchte durch den Rhythmus die Angst, die er jetzt nur noch als Panik bezeichnen konnte, zu ersticken. Doch es wollte ihm nicht so wirklich gelingen. Er hatte ihn zuerst nicht so richtig wahrgenommen, doch der Regen, der jetzt schon länger auf die kleine Gruppe herunterprasselte, hatte alles glitschig gemacht. Und das dauernde Rutschen auf dem nassen Boden bewirkte, dass R' Shíens auch im Laufen keinen Trost fand.

Der dichte Regen nahm ihm in der herrschenden Dunkelheit immer mehr die Sicht. Er hatte das Gefühl, sich eher auf seinen Tastsinn, als auf seine Augen verlassen zu können und fiel zurück. Auf einmal wurde ihm bewusst, dass er die anderen nicht mehr wahrnehmen konnte - sehen konnte er sie schon lange nicht mehr und das gleichmäßige Trappeln wurde vom Geräusch des Regens und des Donners übertönt. Irritiert blieb er stehen und wandte sich zu Senshír um, um sie zu fragen, wo die anderen waren. Doch er konnte auch sie nirgends entdecken.

"Senshír! Komm, das ist jetzt nicht die Zeit um Blödsinn zu machen! Wenn wir jetzt herumtrödeln finden sie wir nie mehr!" rief er in das Dunkel hinein, in der festen Überzeugung, dass sie ihn zum Narren hielt. Doch schon da regte sich irgendwo tief in ihm Zweifel. Sie spielten sich oft Streiche, doch Senshír würde ihn nicht in einer solchen Situation zum Narren halten. Schließlich war das hier nicht ganz ungefährlich - was, wenn er in der Dunkelheit in eine Spalte fiel, die er nicht gesehen hatte? Niemand würde ihm helfen können, denn keiner würde ihn finden.
Eine Minute verging, eine zweite. Es fühlte sich wie eine halbe Ewigkeit für R' Shíens an. Doch sie kam nicht. Und je länger der Rüde dastand und - zunehmend mehr durchweicht - auf seine Schwester wartete, desto verängstigter wurde er. Ein Blitz durchschnitt die Dunkelheit und erleuchtete die R' Shíens Umgebung. Bäume, Blätter und Büsche wirkten seltsam kontrastlos, während sie vor ihrem Hintergrund scharf ausgeschnitten waren.
Die Welt schien auf ihn einzustürzen. Er fühlte sich klein und hilflos, wie ein Welpe. Und ganz leise begann er zu winseln, um im nächsten Moment wie kopflos in die Richtung loszustürzen, in die er - zumindest seiner Meinung nach - schon vorher, als er noch Sadec Zimbah gefolgt war, gelaufen war. Er konnte nur hoffen, so irgendwie wieder auf die anderen zu stoßen.

Unterwegs erinnerte er sich plötzlich an einen Moment seiner Kindheit.
Er lag da, seine Schwester zu seiner einen Seite, seine Mutter auf der anderen und beobachtete, wie sich dunkle Wolken über die Sonne schoben. Und er fühlte Angst. Wie konnten sich die anderen so unbeeindruckt geben?
Also hatte er sich schon damals gefürchtet. Doch in seinem Heimatsort hatte es erstaunlich wenig Gewitter gegeben, und so war diese Furcht schon bald in Vergessenheit geraten.

Doch das half ihm jetzt nur wenig. Wie verrückt rannte er mit eingezogenem Kopf durch den Wald. Bald schon musste er keuchen, doch er drosselte sein Tempo nicht - wenn er stehen blieb, würde ihn die Angst vielleicht endgültig einholen. Er blieb erst stehen, als er an einer Ebene ankam und Sadec Zimbah erkannte, wie er da fraß. Obwohl seine Situation wie zuvor war, fiel ihm ein Stein vom Herzen. Er war nicht mehr allein.

xxx folgt Sadec | verliert die Gruppe im Regen | läuft kopflüber los | kommt an den Rand der Ebene | sieht Sadec xxx


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avatarSenshír
Neuankömmling

Di 26 Mai 2015 - 13:55

“To escape fear, you have to go through it, not around.”

In Gedanken immer noch bei Gehorsam und gezügeltem Verhalten bemerkte Senshír die Gefahr des Gewitters, welches mit monströsen Wolken den Himmel verdunkelte, erst dann, als Blitze von oben auf die Erde herab schossen und der darauffolgende Donner sie beinahe taub machte. Den Regen hatte sie bisher ignoriert, war er doch nützlich, spendete Leben, wusch den Schmutz aus ihrer aller Pelze. Doch als er von Sekunde zu Sekunde an Intensität zunahm, schnaubte sie verärgert aufgrund der nun verringerten Sicht.
Überrascht über den eiligen Aufbruch Sadecs sprang auch sie auf und wollte ihm folgen. Mit zusammengekniffenen Augen bemühte sie sich einerseits Sadec als auch R' Shíens im Blick zu behalten um nicht von ihnen getrennt zu werden. Sowohl ihr Geruchs- als auch ihr Sehsinn waren mittlerweile so nützlich wie die Sterne in einer wolkenverhangenen Nacht. Es war also kein Wunder, als Senshír den vertraut cremefarbenen Pelz nicht mehr ausmachen konnte, als sie zurückblickte, um sich zu vergewissern, dass sie ihren Zwillingsbruder nicht in dem strömenden Regen verloren hatte.
Mit einem Anflug von Panik blickte sich die Fähe um, drehte sich mehrmals um die eigene Achse, bevor sie realisierte, dass sie nun vollkommen allein war. Tief in sich spürte sie einen Widerhall ihrer eigenen Hilflosigkeit. Es war wie ein Hilferuf, der sie wachrüttelte und ihre Sinne schärfte. Senshír glaubte sogar ein Winseln zu vernehmen, was bei dem Donner und dem Prasseln der Regentropfen unmöglich sein konnte. Und dennoch wusste sie, dass R' Shíens ihre Hilfe brauchte, ihren Halt und ihre Trost spendende Nähe. Sie fühlte seine Angst. Seine Verlorenheit und das Wissen, dass sie zur Zeit nichts dagegen unternehmen konnte, ließen sie frustriert aufheulen.

"Bruder, wo bist du?", schrie sie gegen den Regen an, versuchte diese Worte so laut als irgend möglich klingen zu lassen. Und dennoch wurden sie verschluckt, vom Wind davongetragen ohne ihr Ziel zu erreichen.
Doch als wollte die Natur nicht, dass die Fähe gänzlich verzweifelte, erhellte in eben diesem Augenblick ein Blitz die Umgebung und ließ Senshír einen Körper in einiger Entfernung vorbeihuschen sehen. Mit neuer Energie stürmte sie in dieselbe Richtung, in die auch die andere Gestalt gerannt war. Sie wusste, dass dies nur R' Shíens sein konnte. Sie konnte es einfach fühlen ohne eine Erklärung dafür zu wissen.

"R' Shíens!", rief sie noch einmal, im Versuch ihren Bruder auf sie aufmerksam zu machen.
Doch auch diesmal durchdrangen ihre Worte den Wind nicht, der mittlerweile mit noch größerer Intensität über das Land fegte.

Wilf hämmerte Senshírs Herz in ihrer Brust, als sie schlussendlich zum Stehen kam, als sie Sadec wenig vor sich erkennen konnte. Doch wo befand sich R' Shíens? War er klüger als sie und Sadec gewesen und hatte den Schutz der Bäume nicht verlassen? Jederzeit könnte ein Blitz auf einen der beiden Wölfe, die sich auf der Ebene befanden, einschlagen. Sie sollten schnellstens das Weite suchen, ehe sie den Zorn des Himmels am eigenen Leib zu spüren bekämen.

"Sadec! Wir müssen hier weg! So schnell wie möglich! Wenn du ..." Der Rest des Satzes ging in einem ohrenbetäubenden Donner, der Senshír erzittern ließ. "Wir warten am Rand der Ebene, im Schutz der Bäume. Falls ich R' Shíens denn finden sollte."

Damit wandte sich Senshír wieder von dem Rüden ab und flüchtete mit eingezogener Rute und angelegten Ohren Richtung Wald.


~ R' Shíens, Sadec, [Ale'dil] | folgt Sadec; verliert alle; findet Sadec wieder; | Wald; auf der Ebene beim Kadaver; Rand der Ebene ~

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avatarSadec Zimbah
Rudelmitglied

So 13 Sep 2015 - 23:56

Versunken in dem Rausch, den das Stillen des schmerzenden Hungers in ihm ausgelöst hatte, nahm er die Worte der Wölfin nur wie aus der Ferne wahr. Das Grollen des Donners und das Peitschen des Regens verhalf ihm kaum zu besserem Gehör. So brauchte er eine kurze Weile, bis er begriff, weshalb sie sich an ihn wandte, warum sie weg zu laufen schien und vor allem vor was. Ihre Gestalt verschwand in dem verschwommenen Bild, das die Ebene ihm bot und er konnte kaum erkennen, oder gar erschnüffeln, wohin es sie trieb. Das Auge zusammen genießen blickte er hinauf gen Himmel. Der Rauch, der dort hinauf stieg, wirkte noch düsterer und noch erdrückender, als die grauen Wolken, die ihn zu sich riefen. Er schaut wieder hinab, versuchte, Senshir ausfindig zu machen, aber sie war verschwunden. Sie war irgendwo dorthin verschwunden, wo der übles verheißende Rauch aufstieg, der ihr die Atemwege zuschnüren würde. Sicherheit? War es das, was sie Sicherheit nannte? Ein Feuer, das langsam den Wald verschlang, in dem er sie gefunden hatte? Der Wald, in dem sein Rudel nun Schutz suchte?

Sadec riss das ihm verbliebene Auge weit auf. "Senshir!", schrie er mit seiner rauchigen Stimme, versuchte, gegen Wind und Wetter anzukommen. "R'shien!" Er hob den Kopf in den Nacken und jaulte einen gellenden Schrei gegen den Himmel, irgendwer würde ihn hören. Irgendwer müsste ihn hören. Aber noch bevor auch nur eine Antwort hätte kommen können, preschte er los. Sein Pelz presste sich triefend an seinen gestärkten Körper und der Regen peitscht e ihm so erbarmungslos ins Gesicht, dass es ihm schwer fiel, die Orientierung zu bewahren, wo seine anderen Sinne doch genauso behindert wurden. Dann, endlich, sah er die Baumkronen, die sich im Sturm bogen und konnte zwei Gestalten ausmachen, bei denen es sich nur um die Zwillinge handeln konnte. Er schloss zu Ihnen auf und machte keuchend halt, sobald er sie erreichte. "Ein Feuer," stieß er hervor. "Der Rauch... Das Rudel." Nervös blickte er hin und her, suchte nach Antworten. Was sollte er nur tun? Der Blitz, der nur Augenblicke zuvor eingeschlagen hatte, musste nicht zwangsläufig das Rudel getroffen haben. Vielleicht waren sie in Sicherheit. Er konnte kaum von den Zwillingen verlangen, dass sie ihr Leben riskierten für Wölfe, denen sie noch nie begegnet waren.

Er sah erst zu dem Rüden, dann zu der Wölfin,bevor er seinen Blick zu Boden senkte. "Mein Rudel. Sie suchten Schutz unter den Bäumen. Der Blitz könnte sie erwischt haben. Was, wenn die Flammen sie finden?" Verzweifelt trat er von einer Pfote auf die andere, während die Gedanken in seinem Kopf rasten. Angst, die nagende Angst seine Familie verloren zu haben. "Ich muss sie suchen. Ich muss wissen, dass es ihnen gut geht. Und wenn es nötig ist, dann kämpfe ich mich bis in das flammende Herz." Er sah wieder auf. "Wenn ihr mir folgen wollt, dann bin ich euch zu tiefem Dank verpflichtet. Doch wenn ihr euch lieber selber in Sicherheit wissen wollt, werde ich euch auch das kaum verübeln können."

[folgt den Zwillingen - redet mit Ihnen]

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avatarR' Shíens
Neuankömmling

Do 17 Sep 2015 - 16:23

"Der Mut hat mehr Mittel gegen das Unglück als die Vernunft."

R' Shíens Erleichterung hielt nicht lange an. Er konnte nicht verstehen, weshalb der Wolf ausgerechnet jetzt fraß, und vor allem, weshalb er das auf einer Ebene tat, die dem Unwetter so ausgesetzt war wie diese. Es schien ihm fast als ein Akt der Rebellion gegen die Naturgewalten und die Götter - falls es denn so etwas gab.
Dann entdeckte R' Shíens eine weitere Gestalt, die ihm zwar schon wesentlich näher war, ihm allerdings erst jetzt auffiel, weil sie etwas abseits gewesen war, den Waldrand entlanggelaufen war.

"Senshír!", rief er, lief ihr entgegen und schmiegte sich an sie. Er atmete ihren Duft ein und konnte für einen Moment alles um sich herum vergessen, selbst der besonders helle Blitz, der, begleitet von einem Donnergrollen, das beinahe gleichzeitig wie der Blitz ertönte, konnte ihn nicht beeindrucken. Dieser Geruch, der ihm so vertraut war wie sein eigener beruhigte ihn und ließ ihn sich geborgen fühlen. Der starke Kontrast das dieses Gefühl zu seiner Panik zuvor bildete überraschte ihn selbst kurz, doch dann erkannte er, dass Senshír einfach so sehr ein Teil von ihm war, dass es ihm anders gehen könnte.
Doch dann mischte sich ein anderer Geruch ihn ihren. Zuerst bemerkte ihn R' Shíens gar nicht, doch er wurde mit der Zeit immer stärker und spätestens als auch Senshír schnuppernd den Kopf hob, wusste R' Shíens, dass er sich ihn nicht eingebildet hatte.

"Feuer." stellte er fest und schmiegte sich noch ein bisschen mehr an seine Schwester. Er hatte das Gefühl, dass ihm die Götter heute etwas auswischen wollten. Zuerst dieses Gewitter, das ihn so in Panik versetzte und jetzt ein Feuer! Es überraschte ihn nur, dass er es nicht schon früher bemerkt hatte.

Da tauchte plötzlich Sadec Zimbah aus dem wie aus dem Nichts vor ihnen auf. Er wirkte panisch, sein klatschnasses Fell klebte ihm am Körper und schaffte es doch gleichzeitig an manchen Stellen seltsam abzustehen, sodass er das Aussehen eines maltretierten Schreckengespenstes bekam. Seine Augen wanderten nervös hin und her, das gute fixierte abwechselnd R' Shíens und Senshír.
Die Nachricht - nämlich, dass sein Rudel vielleicht in das Feuer geraten sein könnte - trug natürlich auch nicht dazu bei, ihn besser dastehen zu lassen. So wirkte er fast wie ein Unglücksbote aus der Hölle. Doch R' Shíens konnte nicht weiter darüber nachdenken. In dieser Situation hatte so etwas keinen Platz mehr. Vielleicht war das sogar eine der wenigen Situationen, in denen er wirklich ernst war.

"Warum will er, dass wir ihm folgen?", war die erste Frage, die er sich stellte, nachdem er Sadec zugehört hatte. Schließlich waren sie quasi vollkommen Fremde. Und noch dazu hatte Sadec bisher wenig Grund ihnen zu vertrauen. Die andere Frage, war, weshalb Senshír und R' Shíens ihm folgen sollten. War das nicht einfach eines der vielen Rudel auf ihrer Reise, das sie trafen? Dort hätten sie sich ja wohl kaum auf so etwas eingelassen.
"Feigling" flüsterte eine leise Stimme in ihm gehässig. Ja, das stimmte wohl. Manchmal war er ein Feigling. Vor allem, wenn seine Schwester nicht da war.
"Aber jetzt ist sie doch da. Weshalb schaffst du dann das nicht?" fragte die Stimme weiter. R' Shíens wusste die Antwort. Er hatte nie Angst vor Wölfen gehabt, doch die Naturkräfte ließen sich nicht so einfach hinters Licht führen wie ein Wolf. Und Feuer war eines der mächtigsten Dinge, denen er bisher begegnet war. Alles ihn ihm sagte ihm, sich so weit wie möglich fern zu halten vor so etwas.
Aber... trotzdem war da noch mehr.
Vielleicht spürte er, dass er zu einer solchen Gemeinschaft, in der jeder einzelne Wolf für die anderen sterben würde, gehören wollte. Vielleicht war er schon zu lange mit Senshír allein gewesen.

Dieser kleine Gedanke änderte vieles. Vielleicht sogar alles. Auf jeden Fall richtete sich R' Shíens auf, trat einen Schritt nach vorne und meinte ehrlich: "Ich bin nicht so mutig. Vor allem in Bezug auf Feuer. Aber ich werde versuchen, dir zu helfen."



~ trifft auf Senshír | hört Sadec zu | kämpft mit sich selbst | sichert Sadec Unterstützung zu ~


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avatarSenshír
Neuankömmling

Mi 14 Okt 2015 - 19:01

“It's not hard to make decisions ...”

Furcht und Panik vermischten sich zu der Vorahnung auf etwas Schreckliches. Es war ein nagendes Gefühl, das in Senshír herrschte, als sie durch den düsteren Wald lief. Kurz bevor die Fähe ihren Zwillingsbruder erreichte, hörte sie, wie dieser nach ihr rief, ebenfalls mit Wehklang und Angst in der Stimme. Als er sich schließlich an sie drängte und sie somit beide zumindest teilweise von der Panik befreite, blieb diese Vorahnung allerdings immer noch bestehen. Dieses Gefühl, ausgelöst vom strömenden Regen, der sowohl Geruchs- als auch Sehsinn, also quasi die gesamte Wahrnehmung trübte, und die Blitze, welche unablässig über den Himmel zuckten und Senshírs Geist verwirrten, ließen dieses Gefühl von einem Augenblick zum nächsten stetig ansteigen, bis es schlussendlich so übermäßig wurde, dass Senshír schon beinahe die Gewissheit hatte, dass sie diesen Sturm nicht ohne Konsequenzen überstehen würden. Um sich selbst wieder etwas mehr zu beruhigen, drückte sie ihre Schnauze ebenfalls in den Pelz ihres Bruders, genoss den kurzen Moment der Ruhe.
Doch auch dies schien den beiden nicht vergönnt zu sein, denn als R' Shíens den Kopf in die Richtung des dichten Waldes neigte, schien er trotz des Regens irgendetwas zu erschnuppernd, das unheilvoll war und die Fähe bis jetzt noch nicht bemerkt hatte. Und auch Sadec war plötzlich wieder an ihrer beider Seite und rief ihnen ein einziges Wort zu: FEUER. Schon allein dieses Wort ließ in Senshírs Kopf Bilder von Chaos, Zerstörung und Leid auftauchen, das ihre Panik von vorher erneut aufwallen ließ. Zwar war sie selbst noch nie in solch allesverzehrende Flammen geraten, doch anhand der Geschichten, die ihnen früher immer erzählt worden waren, wusste sie, wie gefährlich Feuer war. Dass das Feuer trotz des Regens scheinbar schnell an Größe gewann beunruhigte die die Fähe noch mehr. Die beste Entscheidung wäre es, trotz der Blitze über die Ebene zu laufen - auf die Gefahr hin von einem getroffen zu werden - um dem Feuer zu entkommen. Doch bei den nächsten Worten des beinahe fremden Rüdens, legte Senshír erschrocken die Ohren an. Der andere wolle zu den Flammen hinlaufen anstatt so weit wie möglich von ihnen weg? Mit einem missbilligenden Knurren sprang Senshír ihm in den Weg, war jedoch nicht aggressiv oder feindselig. Sie wollte den anderen nur auf ein paar wichtige Dinge aufmerksam machen.

"Wenn du dorthin läufst, wirst du mit Sicherheit sterben. Dann wirst nicht du es sein, der eventuell den Verlust eines eurer Rudelmitglieder betrauert, sondern andere werden deinen Tod beklagen. Außerdem ist es nicht sicher, ob die anderen von dem Feuer überrascht wurden."

Nach einer minimalen Pause, in der Senshír einerseits wieder Luft geholt hatte, sie andererseits damit bewirken wollte, dass Sadec ihr auch wirklich zuhörte und nicht gedankenlos an einen sinnlosen Rettungsversuch dachte, der mit seinem eigenen Tod enden würde, sprach sie weiter.

Wie würdest du dich fühlen, wenn du wüsstest, dass jemand überlebt hat, sich mit verheerenden Wunden vom Feuer wegschleppen und dann quasi zum Tode verurteilt wird, nur weil du nicht da bist, um ihm zu helfen? Nur, weil du dich zum kämpfen musstest. Falls - und das ist nur eine theorethische Annahme - sie vom Feuer überrascht wurden und nun eingeschlossen sind, dann können wir ihnen sowieso nicht mehr helfen ohne selbst dabei unser Leben zu verlieren. Und solltest du doch heil aus dem Feuer zurückkehren und wäre jemand gestorben, obwohl du ihm hättest helfen können, wärst du nur hiergeblieben, dann wirst du dir dies dein ganzes Leben vorwerfen. Also überlege dir gut, ob du dich wirklich in die Flammen stürzen willst."

Mit diesen Worten trat die Fähe beiseite. Entweder Sadec war klug genug um zu realisieren, das die beste Handlung in solch einer Situation war, oder er war so von der Panik, seine Freunde zu verlieren, beeinträchtigt, dass er in seinen eigenen Tod rennen würde.


~ R' Shíens, Sadec, [Ale'dil] | spricht mit Sadec | Rand des brennenden Waldes ~

“... when you know what your values are.”

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avatarSadec Zimbah
Rudelmitglied

Mo 28 Dez 2015 - 13:58

Das Unwetter hatte sich bis tief in sein Hirn vorgekämpft. Es stürmt und krachte in seinen Gedanken, schlimmer noch als um sie herum. Sein ganzer Körper bebte vor Erregung, weil ihn all diese Gefühle so sehr zerrissen. Da war die Hoffnung und Zuversicht, die der eine in ihm hervor ruf. Sie schmeckte so süß und fühlte sich so zart an unter seiner rauen Haut. Sie erinnerte ihn an junge Tage mit Sonne und blauem Himmel. Er wollte sie halten, wollte sie verinnerlichen, in ihr aufflammen und seinem Rudel zu Hilfe eilen, er wollte sie nutzen um die Naivität zu tarnen, die der andere doch gleich darauf aufdecke. Sadec schüttelte den Kopf, ihm fehlten die Worte. Was wagte dieses irre Wesen von einem Wolf, diesen Drang infrage zu stellen, der ihn dazu antrieb, sich in den eigenen Tod zu stürzen. Mit einigen wenigen Zweifel die glühende Hoffnung zum Zittern zu bringen, als könne sie jeden Augenblick zusammen brechen.

Sadec schnaubte und trat einige unsicher Schritte zurück, dann wieder vor, während das eine ihm verbliebene Auge über den feuchten Waldboden zuckte, als würde dort die Antwort auf ihn warten, die Antwort auf die Frage, was das richtige war. In seinem Kopf flehte er mit leiser Stimme nach Halt, nach Sicherheit, nach dem Mut dazu, die Sorgen nicht an sich heran zu lassen, die der andere ihm aufgezwungen hatte. Waren das Rufe, die er in der Ferne hörte? Seine Ohren zuckten. Unter dem rauschenden Regen und dem brummenden Himmel war es schwer, die Geräusche zu filtern. Konnte er sich auf seine Sinne verlassen? Er wusste es nicht. Aber da war der dicke, quellende Rauch, der sich seinen Weg ins Nichts bahnte und Sadec könnte ihn mit eigenem Auge sehen. Das Feuer war real, auch wenn die daraus resultierende Gefahr nur eine Möglichkeit war, er fühlte sich gezwungen, sie in Betracht zu ziehen. Schließlich war da auch die Angst in ihm, die ausgelöst wurde von einer Zeit, in der es kein Rudel gab, das auf ihn aufpasste. Eine Zeit, in der er fror, weil es niemanden gab, der sich an ihn drückte, um seine Körperwärme mit ihm zu teilen. Eine Zeit, in der er hungerte, weil er alleine zu schwach war, um ein ganzes Karibu zu erlegen. Eine Zeit, in der er ziellos und rastlos war, in der sein Horizont ihm keine Perspektiven bot. Jetzt war alles anders. Und er war sich sicher, er würde alles tun, um das zu bewahren.

“Es mag euch dumm vorkommen,“ begann er, beinahe übertönt von dem Rauschen des Regens. Er hob seine Stimme, als er vor allem Senshír mit seinem Auge fixierte. “Aber dieses Rudel ist meine Familie. Sie sind mein ganzer Halt, das, was mich zusammen hält, wenn diese Welt versucht, mich entzwei zu reißen. Ich muss etwas unternehmen. Wenn ihr mir folgt, bin ich euch zu tiefem Dank verpflichtet. Es sei denn, ihr wollt lieber die Stellung halten, aufpassen, ob ein Verletzter euren Weg kreuzt und euch kümmern.“ Er machte eine Pause. “Auch wenn dieses Rudel nicht das Eure ist,“ schloss er dann leiser ab. Ohne auf eine Antwort der Spiegelbildwölfe zu warten, setzte er sich in Bewegung. Bevor er dem Feuer entgegen preschte, stieß er ein lang gezogenes Jaulen aus, in der Hoffnung, die anderen würden ihn hören können, würden wissen, dass er sich auf dem Weg zu ihnen befand, um ihnen zu Hilfe zu kommen. Es dauerte nicht lange, da nahm ihm der beißende Gestank den Atem, aber Sadec ließ sich davon nicht beeindrucken. Obwohl es ihm schmerzte, konnte er den Blick nicht von den gierig züngelnden Flammen abwenden, die zwischen den Bäumen zuckten. Verzweifelt lief der Rüde an dem Feuer entlang, suchte einen Weg, der ihn durch die Hitzemauer führen würde, zu seinem Rudel. Ob sie überhaupt noch bei Bewusstsein waren? Oder hatte der Rauch ihre Lungen bereits so weit ausgefüllt, dass sie sein Rufen gar nicht mehr hören konnten? “Alaska!“, rief er und “Sano!“, “Naadir! Incha! Takenya! Shenna!“ Die Kehle schmerzte ihm und er war sich nicht sicher, ob seine Stimme tatsächlich laut genug war, um das Rudel zu erreichen, oder ob es lediglich ein klägliches Röcheln war, das seine Kehle verließ.

Sadec lief aufgeregt von hier nach dort und es wurde immer deutlicher, dass er es endlich einsehen musste. Die Wölfe waren umzingelt. Umzingelt von einer Glut, die ihnen den Tod verheißen würde. Es ist zu spät, dachte er verzweifelt. Ich bin viel zu spät. Aber dann schoss ihm eine Idee durch den Kopf. Eine Idee, die mit derselben Wahrscheinlichkeit Erfolg wie Scheitern bringen könnte. Und dennoch würde er nicht darum herum kommen, es wenigstens zu versuchen. Vielleicht würden die beiden Wölfe, die sich so ähnlich sahen, als wären sie ein und derselbe, ihm helfen. Vielleicht könnten sie es mit vereinten Kräften schaffen, die Idee in die Realität umzusetzen. Er zwang sich, seinen Atem geregelt fließen zu lassen, als er die Muskeln seiner Gliedmaßen anspannte. Seine Krallen gruben sich in die weiche Erde, während er das Gewicht verlagerte. Und dann, mit einem kräftigen Satz, krachte Sadec gegen diesen einen Baum, der so morsch war, dass der Sturm ihn zur Seite gebogen hatte wie einen Grashalm. Die Flammen leckten nur behutsam und vorsichtig an seiner Rinde, als würde der Verfall und die Feuchtigkeit es abschrecken. Er musste versuchen, den Stamm zum Kippen zu bringen, so weit, dass er die feurige Mauer durchbrach, dass er als eine Brücke dienen konnte für das Rudel. Wieder und wieder stieß der Rüde sein gesamtes Körpergewicht gegen das alte Holz, doch es bog sich einfach nicht weit genug, als dass die Wölfe von der anderen Seite hätten darauf klettern können. “Alaska!“, versuchte er. “Ich hole euch da raus! Aber ich brauche eure Hilfe! Der Baum muss stürzen!“ Er konnte nicht mehr tun als hoffen und warten, dass etwas unternommen wurde, dass man ihm beim Helfen half. Auch wenn das Adrenalin ihn antrieb und seinen Körper zum Beben brachte, so war er alleine doch nicht stark genug, um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen.

[spricht mit Senshír und R'shiens x läuft zu dem Feuer x versucht, das Rudel zu befreien]

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avatarAlaska
Alpha

Do 31 Dez 2015 - 14:32

Die Angst Alaskas war nun so allgegenwärtig, dass die Fähe Mühe hatte, ihren Herzschlag zu kontrollieren. "das ist das Ende, mit Sicherheit ist das das Ende dieses Rudels." Sie würden hier verbrennen, sie konnten sich glücklich schätzen, wenn der Rauch sie wenigstens betäuben würde. Vielleicht verloren sie zumindest das Bewusstsein und bekamen nicht mit, wie die Flammen erst ihr Fell versengten, es dann pulverisierten und sich langsam aber sicher durch ihre Haut fraßen.  Sie hatten verspielt, das war klar und jetzt presste die Weißeihre Augenlider zusammen, um sie vor dem beißenden Qualm zu schützen. Tränen quollen aus ihnen heraus, die Ohrfen hatte sie fest an den Kopf gedrückt, ihre Nase nur Zentimeter über dem Waldboden, wo sie sich einbildete, etwas klarere Luft zu atmen. Ein Hustensschwall überkam sie und sie kauerte sich nieder und vergrub ihre Nase im Laub.

Sie konnte sich nicht einfach so aufgeben, sie musste nach einer Lösung suchen. Doch es schien ihr so einfach die Augen zu verschließen und auf das Ende zu warten. Was wollte sie sich noch das Leiden ihrer Rudelmitglieder ansehen, ihre gequälten Gesichter, die ihren baldigen Tod erwarteten. Was konnte jetzt noch helfen?
"Sadec!", dachte sie. Die Weiße musste schon zu viel Qualm eingeatmet haben, denn woher sonst sollte dieses dünne Jaulen kommen, wenn nicht aus ihrem eigenen Kopf. Sie öffnete ihre zusammengekniffenen Augen einen winzigen Spalt breit und sah bloß grauen Rauch, der mehr und mehr der Lichtung einnahm. Weißes Fell, Schwarzes Fell, Graues Fell, alle tummelten sich eng um sie herum, Panik stand in der Luft. Und dann nochmal - bildete sie sich diese Stimme tatsächlich ein?

"SADEC! HIER!" keuchte sie und ihr Ruf verendete in einer Hustenattacke. Doch diese dünne Stimme hatte etwas in ihr ausgelöst, eine Winzigkeit an Hoffnung angeregt, die sie nun nutzte und nach oben blinzelte. Der Baum,dachte sie und tatsächlich konnte sie schemenhafte Äste erahnen, die von einem morschen, vom Sturm schon stark mitgenommenen Baum stammten. Sie konnte den Stamm nicht sehen, aber sie vermutete, dass er gebrochen war, sonst würden diese Äste nicht so weit zu den Wölfen hinunterragen. Sie konnte mit ihrer Schnauze danach schnappen.
"HIER! ZIEHT AN DEN ÄSTEN!", schnaubte sie den Wölfen um sich herum entgegen und bekam nun selbst einen Zweig zu fassen. Sie hängte ihr ganzes Gewicht daran und - er riss. Zu morsch, zu alt. Sie ermahnte sich nicht den Mut zu verlieren und schnappte erneut zu, diesmal war es ein dickerer Ast. Und dann zog sie, konnte nicht sagen, ob es etwas brachte, die Gerächkulisse war zu laut, ein brechender Stamm würde nicht weiter auffallen. Sie konnte nur ziehen und hoffen, dass es reichen würde, hoffen, dass die anderen noch nicht zu viel Rauch in ihren Lungen hatten und helfen konnten.

Vielleicht war es noch nicht das Ende. Vielleicht gab es einen Weg.

[Im Feuer Gefangen, Hört Sadec, Zieht an den herabhängenden Ästen des morschen Baumes und ermutigt ihr Rudel mitzuhelfen]

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Alsbald stieg empor und verbreitete sich um mich her der Friede und das Wissen, das über alle Beweisgründe der Welt hinausgeht,
Und ich weiß, daß die Hand Gottes die Versicherung der meinigen ist,
Und ich weiß, daß der Geist Gottes der Bruder des meinigen ist,
Und daß alle Männer, die je geboren, auch meine Brüder sind, und alle Frauen meine Schwestern und Geliebten ...
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avatarConversano
Delta

Mi 6 Jan 2016 - 21:07

„Ein Tropfen auf dem heißen Stein
Mag dir eine Bürde sein.
Mir ist es Hoffnung.“

Zu spät.
Noch während der Koloss seinen schweren Schädel zu seiner Leitwölfin geschwenkt hatte, wusste er unlängst, was geschehen würde. Was bereits geschehen war. Jener letzte Fluchtweg war versiegt, noch ehe auch nur ein einzelnes Rudelmitglied der Sturmtänzer daraus hätte Nutzen ziehen und fliehen können. Zu spät. Knisternd und knackend fraß sich das Feuer immer weiter, verschlang unbarmherzig jedes vertrocknete Blatt, jede einzelne Blume, die dem züngelnden Monstrum nur noch mehr Macht einzuverleiben schien. Den lavendelfarbenen Blick beinahe schon zornig auf jene Stelle gerichtet, welche nun zischend unter den Flammen zusammenbrach und eine kleine Feuerbrunst in den Himmel empor schickte, versuchte der Rüde gegen die innere Ohnmacht anzukämpfen, welche seinen Geist befiel. Es war weniger die rudimentäre Angst vor dem Sterben, als vielmehr der erschreckende Gedanke, sein Rudel könne auf diese derart tragische Art und Weise umkommen. Sein Rudel. Seine Familie.

Mit einem knappen Satz voran brachte der Schwarze seinen massigen Körper dichter an Alaska heran, haschte einen kurzen Blick durch die Flammenzungen hinaus in die vielversprechende Freiheit, ehe ein Schwall des aufgewirbelten Rauches in seine empfindliche Nase aufstieg. Würgend versuchte der Wolf jenen undankbaren, widerwärtigen Geruch aus seiner Nase zu vertreiben, doch war es ihm, als könne er den Rauch bereits schmecken. Conversano schmeckte Asche auf seiner Zunge, die bitter seine Kehle hinabrann und ihn röcheln ließ. Sein Kopf fuhr mit Sorge empor.
Die Wölfe des Rudels waren dem Ende nahe, soviel stand fest – und es ließ den vermutlich stärksten Muskel im Inneren des Hünen vor Schreck erstarren. Das Röcheln um ihn herum, sein eigenes Japsen, selbst das Knistern des Feuers und der verebbende Zorn des Unwetters wurde lauter, schien beinahe ohrenbetäubende Ausmaße anzunehmen und ihn desorientiert zurückbleiben. Schemenhafte Schatten erschienen ihm, verhöhnten ihn und seine derart irrationale Furcht um die Sturmtänzer, dass sie ihn fast wahnsinnig werden ließ.
Ein scharfer Schmerz fuhr durch seine gesamte, linke Körperseite, ließ ihn in einem Moment, der weder Wahn, noch Wirklichkeit darstellte, herrisch in eben jene Richtung schnappen, aus welcher der Schmerz kam. Seine Augen trafen zwei kristallin schimmernde Opale.
Für einen Augenblick schien die Welt um ihn herum stillzustehen. Das Herz setzte ihm aus, die Flanken fielen in sich zusammen und  der Rüde starrte aus brennenden Augen in das Flammenmeer, welches direkt vor ihm tobte. Die Gestalt, ihre unwirklichen Augen, sie war fort.
Was zum …? Jenen Rüden, dazu abgerichtet, ihm den Wahnsinn zu bringen, hatte er nicht mehr gesehen, seit dem er ihn getötet hatte. Jenes Ungeheuer, welches ihn erneut kampfunfähig machte. Wurde er nun also endgültig wahnsinnig?

Der stechende Schmerz, als ihm eine Flamme in die Schnauze biss und sein Fell ansengte, ließ ihn wieder zur Besinnung kommen und einen Blick aus Alaska haschen, welche ihre Schnauze soeben im Laub vergrub. Conversano erkannte sie kaum noch, zu dicht war bereits der tödliche Qualm. Der Rüde würgte, senkte selbst den schweren Kopf und spürte bereits die bleierne Schwere in seinen Gliedmaßen, während er wider aller früheren Charakteristika nun mehr denn je die Nähe zum Rudel suchte.
Dann jedoch fuhr er beinahe zeitgleich mit der schönen Weißen empor, als das ferne, klägliche Jaulen einer vertrauten Stimme zu ihnen durchdrang, durch den Rauch schnitt und ein wneig Hoffnung und Trost mit sich brachte. Sadec! Und im gleichen Moment schon ertönte die raue Stimme seiner Alphafähe, welche nach dem Mischblut rief, ihrer letzten, verbliebenen Chance. Wenige Herzschläge später, die dem angespannten Rüden wie zig  Meilen erschienen, in denen er das Rudel immer kläglicher vorfand und immer mehr leiden sah, endlich erreichte der bunt gefärbte Rüde das eingeschlossene Rudel.
Für einen unbedeutend kurzen Augenblick erstaunte es den Schwarzen, dass Sadec Zimbah auch nach ihm rief, jenem Rüden, der ihm und Seinesgleichen von Erfahrung aus misstraute. Nur ein kurzes, bellendes Geräusch verließ seine schmerzende Kehle, um dem jungen Rüden ein Zeichen zu geben, dass nebst Alaska auch noch alle restlichen Mitglieder gewissermaßen bei Bewusstsein waren. Conversano warf einen Blick zurück, auf die röchelnden Wölfe, welche sich dicht aneinander gedrängt hatten, um Trost zu suchen und Trost zu spenden. Sie würden es nicht mehr lange aushalten!

«… ÄSTEN!», vernahm er die letzten Fetzen von Alaska. Es entsprach weniger einer gut durchdachten Planung, als vielmehr einer Kurzschlusshandlung, als er die schneeweiße, jetzt ascheverschmutzte Wölfin empor springen sah und es ihr gleich tat, aufgrund der beengten Verhältnisse jedoch keinen nennenswerten Ast haschte und ebenfalls wieder zu Boden ging. Dabei wirbelten ihre Körper den Rauch erneut durcheinander, der sich nun unbarmherziger als zuvor seinen Weg suchte und ihm in die Nase drang, ihn husten ließ, ehe er sich erneut empor stemmte, um Alaska zu Hilfe zu kommen. Um den alten, morschen Baum zu Fall zu bringen, der ihrer aller Leben würde retten können – oder aber es gänzlich mit sich riss.
Benebelt vom Rauch, der ihm Atemluft kostete und Augenlicht, als auch von der immer stärker werdenden Hitze, die drohte, seinen Pelz zu versengen, taumelte der Koloss seitwärts, spannte die kräftigen Muskeln an und sprang. Erneut verfehlte er, der Brand beraubte ihm all seiner Lebenskräfte. Mit zusammengebissenen Zähnen kämpfte der Hüne sich auf alle Viere empor, erkannte, dass seine Sprungkraft nicht ausreichen würde, um die höher gelegenen Äste zu erreichen – dafür war er schlicht zu schwer gebaut – und der Ast, an welchem Alaska hing, nicht genügend Platz bot für einen zweiten Wolf. Andernfalls hätte er sich das Fell verbrannt – oder schlimmstenfalls die Leitwölfin. Also tat er, was getan werden musste, um das Rudel – die Gemeinschaft, die Familie – zu retten.
«Verzeih, Alaska.» Eine knappe Entschuldigung an die schöne Fähe, eine kurze, sanfte Berührung, zu mehr blieb keine Zeit mehr – dann grub er seine Zähne in das Nackenfell der Leitwölfin. In innerer Pein gefangen schloss der Rüde seine Augen, dann jedoch öffnete er sie mit neu erwachtem Kampfgeist und umfasste die Nackenfalte der Wölfin, zog behutsam an dieser, spürte, wie seine in der Luft schwebenden Vorderpfoten sich dem Boden langsam annäherten – eine Chance! Er sah die Äste in Reichweite, ein leichteres Exemplar ihres Rudels vermochte sich daran zu versuchen, diese zu erreichen. Conversano schloss erneut die Augen, verschloss sie vor dem Pelz, den er traktierte, vor dem Rauch, der ihn traktierte und vor den Blicken, die ihn verfolgten. Stück für Stück zog der Rüde die Weiße mitsamt Ast im Maul dichter zu sich heran, spürte den Druck gegen den Baum anwachsen. Nicht mehr lange! Mit wild klopfendem Herzen und Schmerzen im Kopf lauerte er, einer Jagd gleich, auf das erlösende Geräusch des berstenden Baumstammes, welches sich nicht einzustellen schien. Der Rauch wurde dichter, bedrängte die Wölfe mehr und mehr, sodass der Koloss von beinahe achtzig Kilogramm seine letzte Hoffnung an diese waghalsige und nicht zuletzt äußerst gefährliche Aktion heftete. Mit einer weiteren Kraftanstrengung, die ihm beinahe all seiner Kräfte beraubte, zog er Alaska samt Baum ein letztes Mal weiter gen Boden. Angespannt lauschte er, die Ohren zuckten, vermochten jedoch nichts mehr aufzunehmen.
Würde es ausreichen?


Rudel ;; Brand ;; Sorgt sich ;; Sadec’s Plan ;; Hilft auf seine Art
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avatarR' Shíens
Neuankömmling

Sa 16 Jan 2016 - 22:16

"In ashes of despaire, though burnt, shall make thee live. "


Während sie sich anstarrten, schien die Welt still zu stehen.

Sadec hatte sich nicht zur Vernunft bringen lassen und war kurzerhand in einem verzweifelten Versuch, das zu tun, was ihm sein Instinkt gebot, davon gerannt, hatte das Geschwisterpaar zurück gelassen.
R' Shíens war sich nun unsicher, was er jetzt tun sollte, und doch war er nicht bereit, seinen Entschluss, zu helfen, zu ändern. Er sah seine Schwester an, lange, und las etwas in ihren Augen, die das Licht des nahen Feuers spiegelten, was den kleinen rebellischen Welpen ihn ihm erwachen ließ.
Er wollte sich nichts von ihr sagen lassen.


Je länger er sie ansah, desto entschlossener wurde er, sich dieses Mal nicht herauszuhalten. Ihre Unwilligkeit verärgerte ihn, ihre Vernunft ließ ihn für eine Sekunde auf sie herabblicken. Nur für eine Sekunde, doch das genügte, um seinen Entschluss, einmal unabhängig zu handeln, zu festigen.

"Ich werde mich nicht unnötig in Gefahr bringen", war alles was er sagte, als er sich zum Gehen wandte. Dann blieb er noch einmal kurz stehen, denn in einem Aufflackern der innigen Zuwendung, die sie sonst immer verband, meinte er über die Schulter: "Pass auch du auf dich auf, ja?" Dann wandte er sich um und rannte in die Richtung, in die er auch Sadec hatte rennen sehen, ohne darauf zu achten, ob ihm Senshír folgte oder nicht – ohne zu bereuen oder zu überdenken.
Bald schon wusste er aber nicht mehr weiter. Der Geruch des Rüden wurde vom beißenden Gestank des Rauchs überdeckt, das Prasseln des Feuers verschluckte jedes Geräusch, das ihm einen Hinweis hätte geben können. Doch dann vernahm er von irgendwo Sadecs Stimme, die rau vom Rauch nach seinen Gefährten rief.
R' Shíens folgte dem Klang, der nach kurzer Zeit keine Ähnlichkeit mit einer normalen Stimme mehr hatte, und nach kurzem verzweifeltem Suchen hatte er den Rüden mit dem blinden Auge gefunden. Dieser warf sich gegen einen Baum, und kurz fragte sich R` Shíens, ob er den Verstand verloren hatte. Doch langsam dämmerte ihm, was der andere damit bezwecken wollte und nutze eine kurze Pause, um sich nun seinerseits gegen das morsche Holz zu werfen.
Angetrieben von den Stimmen, die er leise hinter der Wand aus Feuer wahrnehmen konnte, warf er sich wieder und wieder dagegen, verzweifelt, während auch ihm das Atmen immer schwerer fiel. Kurz dachte er an das Versprechen, das er seinem Spiegelbild gegeben hatte, doch dieser Satz kam ihm sinnlos und unwichtig vor neben der Gewalt des Feuers, der er hier begegnete.
Und selbst wenn er hätte fliehen wollen, so wäre er wohl inzwischen nicht mehr dazu in der Lage gewesen. Die Tödlichkeit des Feuers, diese zerstörerische, wunderschöne und fast grazile Art, auf die es sich seinen Weg durch den Wald bahnte, hatte ihn in seinen Bann gezogen. Das rhythmische dumpfe "Bum" mit der er und Sadec abwechselnd auf den Baum aufschlugen und das Prasseln wirkten fast hypnotisch auf ihn.
So merkte er auch nicht, wie die Hitze immer größer wurde und langsam Haare seines dichten Pelzes wegschmorte. Für ihn zählte nur noch eines: diesen Baum zum Umfallen zu bringen.


~ Starrkampf mit Senshír | folgt Sadec | wirft sich auch gegen Baum ~


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avatarShenna
Beta

So 17 Jan 2016 - 17:51

Shenna hielt sich dicht an Alaska. Ihr Herz raste und ihre Lungen schienen sich selbst abstoßen zu wollen. Der Geruch von verbrennendem Holz war unerträglich und die Angst welche ihren Körper durchflutete so urtümlich wie die Welt selbst. Sie gebrauchte eine Unmenge an Willenskraft um dem Drang zu fliehen nicht blind nachzugeben. Jetzt loszurennen wäre reiner Suizid. Niemand würde es durch die Flammen schaffen. Auch nicht der schnellste Wolf. Die Flammen würden sogleich das Fell ergreifen und sich darin festfressen. Selbst wenn man durch den Flammen wall kam, würde man danach kläglich verbrennen. Und falls einen dies nicht töten würde, so würde man stundenlang unter unglaublichen Schmerzen dahinvegetieren bis der Körper endlich den Verbrennungen erlag. Shenna fluchte. Sie wollte nicht dass sie so starb. Und noch wichtiger. Sie wollte Alaska nicht auf diese Weise sterben lassen. Sie konnte nichts tun um sie zu beschützen und dies zerriss sie noch mehr als die Angst vor dem Ende oder den Schmerzen. Sie konnte niemandem helfen. In solch einer Situation war ihre Rolle als Beta nutzlos. All ihre Muskeln, ihre Masse und ihre Kampferfahrung nützten hier nichts sie war so hilflos wie ein Welpe vor einem Bären. Ihr Blick verschleierte sich, der Rauch bewirkte dass sie kaum mehr etwas sah. So sehr die Augen auch dagegen anzukämpfen versuchten füllten sie sich mit Tränen um das brennende Gefühl loszuwerden. Alles was sie noch deutlich sah, war die im Licht des Feuers gleißend helle Gestalt Alaskas. Wie ein Wesen aus purem Licht erschien sie ihr als sie die Befehle bellte. Shenna war verwirrt. War die Alphafähe nun übergeschnappt? Nach Ästen springen in den letzten Lebensminuten? Nein. Alaska wusste was sie tat. Shenna eilte zu ihr und verstand endlich was sie vorhatte. Auch wenn ihr ganzer Körper sich wehrte duckte sie sich und spannte ihre Muskeln zum Sprung bereit. Es schien ihr als sei ihr ganzer Körper unglaublich schwer und Flammen würden bereits in ihrem Inneren toben. Ihr Körper flehte sie an, sich hinlegen zu dürfen, schlafen zu dürfen, er sei müde. "Der Sauerstoffmangel". Schoss es ihr durch den Kopf. Sie ignorierte das Flehen, blinzelte so gut sie konnte die Tränen weg und sprang. Obwohl sie kaum was sah, schaffte sie es einen Armdicken Ast zu erwischen. Ihre Zähne gruben sich tief in das morsche Holz. Splitter und Dreck lösten sich in ihrem Mund und glitten in die Speiseröhre. Der Reiz zu Husten war unbändig.
"NEIN, lieber ersticke ich hier als dass ich diesen Ast loslasse!"
Shenna fühlte den Ruck der durch ihren Körper ging als ihr Gewicht am Ast hängen blieb. "Bitte, lass es uns schaffen. Das Rudel ist noch nicht bereit zu sterben! Ich, bin nicht bereit zu sterben!"

{Bei Alaska und dem Rudel; Springt nach einem Ast; Hängt am Baum}
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avatarAleu
Neuankömmling

So 31 Jan 2016 - 10:15

„Eine große, dunkle Wolke zog langsam am abendlich schimmernden Horizont auf. Noch vor wenigen Augenblicken war er in warmen Rot-, Gelb- und Lilatönen getüncht und keine einzige Wolke war den ganzen Tag über  zu zu sehen gewesen. Der wolkenlose Himmel hatte den ganzen Morgen und auch den Mittag in einem hellen und saftigen blau gestrahlt, sodass er in seiner Tiefe schon zum Träumen eingeladen hatte. Der Wind wurde langsam stärker und die Bäume neigten sich in den herannahenden Sturmvorboten, sie tanzten wild, wie große Monster. Die klaren Formen der kahlen, schwarzen Bäume verschwammen in ihrer Hektik mit Himmel und Erde. Die Dunkelheit verschlang nun eilig Berge und Wälder, die letzten Sonnenstrahlen erstickten im dunklen Dunst.
Der Wind peitschte nun auch zu mir hinüber und mein langes Fell schlug wild in alle Richtungen. So recht wusste ich nicht zu erkennen von wo genau er nun eigentlich kam. Von allen Himmelsrichtungen gleichzeitig schienen die mächtigen Windgewalten auf mich nieder zu donnern. Und nun fielen die ersten Regentropfen. Normalerweise spürte ich sie kaum, doch nun spürte ich sie wie kleine, eisige aber brennende Nadeln in mein Fell fallen.
Noch einen letzten Blick richtete ich auf den nun gänzlich schwarzen Horizont, es würde sicher nicht mehr lange dauern und es würde ein Sturm toben wie ich ihn noch nie erlebt hatte.
Jetzt, ein Krachen, ein tiefer Donnerschlag und das Bild drehte sich. Nicht länger war es still und bedrohlich, mit einem Mal stieß mir der beißende Geruch von Flammen und Tod in die Nase. Rote Zungen stiegen an mir hinauf, ich konnte mich nicht rühren, nicht rennen, die waren schon hier und ich war alleine. Wo war mein Rudel- wo waren sie?
Panisch riss ich an meinen eigenen Beinen, doch nichts gelang, meine Beine waren wie festgefroren und dieser Geruch, er drohte mich zu ersticken. Es war so real.. So real.“


„FEUER!“


Erschrocken sprang Aleu auf die Beine, die beinahe wieder zitternd unter ihrem Federgewicht nachgegeben hätten. Ein Albtraum, es war doch bloß ein Albtraum, dachte die junge Fähe und versuchte ihren Atem zu kontrollieren, den verschwimmenden Blick starr auf ihre Pfoten gerichtet. Es gelang nicht. Mit einem Mal kehrte ihr noch verträumter Verstand in die Realität zurück und sie begann ohnmächtig zu husten und zu würgen. Da war er tatsächlich, der Geruch, dieses Gefühl zu ersticken. Ihr Körper krampfte sich in betäubtem Schmerz zusammen und Aleu glaubte ihre Lungen würden sich zusammenziehen, so weh tat ihr das Atmen.
Aus reinem Instinkt kauerte sich die weiße Fähe wieder auf den Boden und blinzelte, während ihr Atem stoßweise in weißen Fäden vor ihrem Maul aufstieg, doch bald vom schwarzen Qualm verschlungen wurde. Kein Lichtschein in der Dunkelheit? Falsch.
Noch immer fiel es ihr schwer einen klaren Gedanken zu fassen, doch langsam wurde das Bild, das bisher nur verschwommen vor ihren Augen dalag, klarer und sie erkannte tatsächlich ihr Rudel zwischen dem dunklen Dunst, von dem sie gerade noch geträumt hatte. Und viel schlimmer noch: die hellen Flammen, die sich neckisch um sie alle zogen. Es war als lachte die höhere Macht sie aus, als wollten die Urwölfe im Himmel ihnen noch eine weitere Aufgabe stellen, als hätten sie alle - jeder einzelne - nicht schon genug Opfer gebracht, als hätte nicht jeder einzelne sein eigenes schweres Päckchen zu tragen, bei dem ihm niemand helfen konnte, weil alle zu sehr mit ihrer eigenen Last beschäftigt war. Irgendjemand müsste anfangen, indem er die eigene Last teilte. Dieses Mal sollte es aber eine Aufgabe sein, die nicht durch Geduld, gutes Zureden und einen kühlen Kopf zu regeln war und damit war Aleu vollkommen überfordert. Diesmal müsste es schnell gehen, zu schnell, am besten schon getan, den die Zeit kannte bekanntlich keine Gnade, sie zog fort und fort und ließ jene zurück, die nicht schnell und Willens genug waren, ihrem Tempo zu folgen.
Ihr Puls beschleunigte sich noch einmal um ein vielfaches, während sie die Umgebung panisch absuchte, es waren noch alle hier, wie zuvor, doch Sadec- wo war er?
Zahlreiche Stimmen drangen säuselnd an ihre noch zu tauben Ohren, während sie sich hektisch und geduckt zu Alaska drängte, die bereits mit Conversano und Shenna dabei war an einem Baum zu ziehen, der über ihnen hing. Auch er schien sie wohl zu verspotten. Er hing so nahe und doch noch so entschlossen in dieser Schieflage, als wolle er ihnen sagen, dass sie es doch lange versuchen sollten. Wie ein Beutetier, das sich geradezu präsentierte, um dann letzten Endes doch in einer schützenden Höhle zu verschwinden. Doch war es nicht eine so sichtbare Chance? Dieser Baum war doch breit genug, stark genug, dass sie alle gut und gerne in Sicherheit darüber gehen könnten, ohne zu starke Verbrennungen erleiden zu müssen.
Auch Sadecs Stimme erkannte sie wohl, es kam ihr vor, als rufe er aus weiter Ferne zu ihnen herüber- doch so fern konnte er doch gar nicht sein. Sie war vollkommen wirr im Kopf und dieser Gestank machte sie beinahe besinnungslos. Ihre so feine Nase wurde einmal mehr zu einem so starken Feind, der sie am Boden sehen wollte. Das Beißen in der Nase wurde immer heftiger und allmählich wurde die Schmerzen in der Nase zu Schmerzen im Kopf, die sie lähmten. Das Denken und Tun fiel ihr zunehmend schwerer, während sie mühe hatte die brennenden und tränenden Augen offenzulegen halten.
Doch Aleu dachte gar nicht daran diesem spöttischen Baum eine Chance zu lassen, und an Aufgeben noch weniger. Auch wenn ihre Nase drückte und brannte, als wolle sie zerspringen, wollte sie keine Sekunde länger tatenlos dastehen und abwarten. Sie duckte sich hinter Alaska, um in der nächsten Sekunde mit einem ihr so untypisch hohen Sprung in das Geäst zu beißen und sich daran festzuhalten.  Sie wog nicht viel, dennoch hoffte sie, dass es reichte. Schließlich konnte aus einem Funken auch ein Feuer werden- warum sollte also ein Leichtgewicht nicht auch ein ausschlaggebender Funke sein? Bekanntlich starb die Hoffnung ja zuletzt. Und Hoffnung, die hatte Aleu bekanntlich immer, wenn andere nur schwarz sahen. Und da sie von Schwarz in diesem qualmenden, widerwärtigen Rauch genug hatten, musste jemand der Lichtschein sein, der sich von den lodernden Flammen abhören.  Am besser musste ein Inder sein eigener Lichtschein sein, denn wer an sich selbst hicht glaubt,  der kann es nicht schaffen. Es war doch immer noch zu früh zum aufgeben. So klammerte sich Aleu mit allem was sie geben konnte an das Geäst, das sich knorrig ächzend neigte. Sie konnte bloß hoffen, dass dies nicht doch zu ihren Verhängnis werden würde, denn der beißende Rauch füllte ihre Lungen mit jedem stockender Atemzug mehr und mehr und ihre Glieder wurden zunehmend lahm und taub, sodass sie sich konzentrieren musste nicht hinab zu stürzen.
Wäre es vielleicht schlauer gewesen einfach durch das Feuer zu rennen- Verbrennungen hin oder her- doch es gäbe keine Garantie dafür, dass es eine solche Chance gegeben hätte. Und wer könnte schon sagen, wie es verlaufen wäre, wenn sie es getan hätten. Es gab doch niemals den einen rechten Weg. Es gab viele kleine Wege, Halbwahrheiten, Vermutungen und Versuche. Es gab nur Chancen, mehr nicht.
Doch um über andere Fluchtwege nachzudenken, war es bereits zu spät.  Das Feuer hatte sie alle doch längst eingekesselt und es blieb zu hoffen und zu beten, dass die Urwölfe  im Himmel doch bitte Gnade mit ihnen haben mochten und ihnen die Chance gab. Mögen sie doch so starken Regen schenken, dass die Flammen ertränken. Mögen sie doch diesem Baum zum Fall bringen.
Doch waren sie alle nicht allein hier? Brachte das beten denn etwas? Vielleicht sollte man weniger beten und sich durchaus mehr auf die eigene - Willens - Kraft verlassen? Sie könnte doch Berge versetzen, so sagte man. Da wäre es doch nur ein leichtes diesen Baum zu bewegen.
Das Brennen in Aleus  Brust wurde schmerzlich, sie wollte husten sich schütteln, doch es ging nicht. Nicht jetzt. Wo blieb es nur, das Knacken eines fallenden Baumes?

[Btw (das Rudel), wacht auf, springt ebenso an den Baum, hängt im Geäst. ]


Zuletzt von Aleu am So 31 Jan 2016 - 13:12 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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avatarSadec Zimbah
Rudelmitglied

So 31 Jan 2016 - 12:20

Die Angst saß ihm wie ein ungebetener Gast im Nacken, krallte sich fest in sein Fleisch, so dass es ihm unmöglich erschien, sie abzuschütteln. Warum auch? Sie trieb ihn an, sie stieß ihn mit scharfen Sporen, immer und immer wieder, jeder Herzschlag war eine Qual, die den Schmerz nur noch tiefer in seinen Körper fahren ließ. Er musste weiter machen. Er musste sein Rudel retten. Sadec verspürte eine panische Angst davor, allein zu sein. Er fürchtete, dass all die Wölfe, die er so lange begleitet hatte, einfach nieder gemetzelt wurden, verschlungen von diesem höllischen Feuer. Und obwohl seine Glieder zu rebellieren versuchten, hörte er nicht auf, dachte nicht einmal daran, zu pausieren. Der kräftige Körper prallte gegen das morsche Holz, Splitter gruben sich unter seine Haut, aber das nahm er kaum mehr wahr. Da war nur der fortwährende Antrieb, der ein Aufgeben nicht zuließ. Die Ohren wie taub, der Rachen von dem Rauch bereits zerschlissen, glaubte er, zu schreien, oder waren es nur seine Gedanken? Spielte sich das Flehen und Betteln nur in seinem Kopf ab? Diese zitternden Impulse, die durch ihn hindurch fuhren, jedes Mal wenn er wieder mit der Rinde kollidierte? Bitte, bitte, bitte, wiederholte er mehrmals. Ich habe solche Angst, gestand er aus tiefer Verzweiflung heraus. Aber es würde ihn kaum jemand hören, war all das doch tief hinter seinem Schädel verborgen. Zumindest glaubte er das. Denn es war, als könne er ein Seufzen vernehmen, ein tiefes Ächzen, das wie Resignation klang. Es war nicht er, der schließlich aufgab, es war das alte Holz, das die Erde unter seinen Pfoten vibrieren ließ. Für einen Moment hielt Sadec inne, wollte zu Atem kommen, aber seine Kehle brannte bereits und er konnte nur husten. Mit seinem Auge versuchte er, zu erkennen, was da vor sich ging, aber es war zwecklos. Alles war nur grau und schwarz. Er machte einen Satz zur Seite, als unter ihm eine der Wurzeln brach und er brauchte nur die Pfote zu heben und gegen den Stamm zu drücken, da merkte er schon, dass dieser sich bog, dass Splitter flogen und es zu krachen begann. Ein fast schon hysterisches Lachen entglitt ihn. “Wir haben es geschafft,“ flüsterte er, bevor er sich zu dem Schemen umdrehte, der ihm gefolgt war. Er hatte ihn kaum bemerkt in seiner Panik und Verzweiflung. “Danke“, hustete er und hätte den fremden Rüden umwerfen können vor Aufregung, behielt seinen Abstand jedoch lieber bei.

Die Erde schien für einen Moment zu beben, als der Baum hinab stürzte. “Alaska!“, rief Sadec mit rauer, gebrochener Stimme und glaubte, ihre Schemen erkennen zu können. Sie mussten sich beeilen. Auch, wenn das Holz feucht, die Rinde Morsch war, früher oder später würden die Flammen auch daran züngeln. Obwohl seine Kräfte ihn längst verlassen hatten, konnte er kaum still stehen. Das Adrenalin schoss ihm durch die Adern und er jaulte und trat von einer Pfote auf die andere, während seine Rute durch die Luft peitschte. “Danke!“ sagte er noch einmal, an R'Shíens gewandt. “Deine Treue...“, er hustete. “Komm mit uns.“ Ein Vorschlag, den er in seinem Rausch doch recht schnell über die Lefzen brachte, schneller, als man es ihm zu getraut hätte, war er Fremden gegenüber doch eher misstrauisch gestimmt. Aber die Dankbarkeit, die er empfand, konnte er kaum ignorieren. Er wandte seinen Blick wieder in die Flammen und da sah er sie, sah die zitternden Schemen seines Rudels. Gestalten, die dem Tod ins Auge geblickt hatten, die sich mit vereinten Kräften den Baumstamm hinauf zogen, um darüber zu kriechen. Und er wartete, wartete mit zitternden Läufen darauf, sie alle wieder zu sehen. Er wartete darauf, dass eine Nase aus den Flammen tanzte, die nicht wie die anderen war und spürte tief in sich die Hoffnung, auch Aleu wieder erblicken zu können, sodass sich sein Herz für einen Moment zusammen zog.

[Der Baum stürzt x ist aufgeregt x spricht mit R'Shíens x wartet]

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avatarAlaska
Alpha

So 31 Jan 2016 - 15:43

Die Situation spitzte sich zu. Lange konnte die Alpha Fähe diesen Baum nicht mehr halten, der Husten zwang sie zum loslassen, doch die wehrte sich gegen den immer größer werdenden Reiz. Die Luft um sie herum waberte vor Hitze, jetzt oder nie. Jetzt oder nie mehr.
Und plötzlich riss etwas an ihrem Nacken, krallte seine Fänge dirch ihr Fell in ihre Haut und ein immenses Gewicht hängte sich an ihren Körper. Alaska zuckte der Schmerz durch ihren ganzen Körper, sie dachte ihre Zähne würden herausbrechen, so viel Last wie nun an ihnen hang. Ein fuchsiges Knurren suchte sich seinen Weg durch die den Ast fest umschließenden Lefzen hindurch und Alaska  kniff die Augen zusammen, um nicht loszulassen. Nicht loslassen. Bloß nicht loslassen. Sie wusste nicht, wer da an ihrem Nacken hing und ihn fast zum zerreißen nach unten zog, nur, dass es half, dass der Baum ächzte und zu zittern begann. Auch die anderen Wölfe sprangen nach den Ästen und immer mehr neigte sich die Krone dem Waldboden entwegen. Alaska konnte nichts sehen, doch mit dem letzten Wolf, der neben ihr hochsprang brach der Widerstand des Stammes. Erst kam ihnen der Baum mit einem Ruck ein Stück weit entgegen, Alaska hörte die Wurzeln brechen. Und dann fiel er. Der Qualm stob beißend und heiß auseinander und wirbelte Aschestaub auf, der ihr in die Nase flog. Sie musste wieder würgen und hustete nun ihre Lunge frei. Es war tatsächlich geschafft. Schnell sprangen die Wölfe zur Seite, doch es war ja kein Riese, der ihnen da entgegenkam. Der Griff an ihrem Nacken ließ nach und sie zwang sich keine Sekunde lang daran zu denken. Sie waren noch nicht gerettet, sie mussten den Flammenkessel noch sicher verlassen.

Der pulsierende Schmerz kratzte an ihrer Konzentration, pochte in ihrem Schädel hin und her. "Raus hier!" befahl sie, als der Baum nun so vor ihnen lag und sie Sadec auf der anderen Seite ausmachen konnte, wie einen braunen Kleks in mitten von grauen Rauschschwaden. Bevor noch mehr Zeit verloren war tastete ihr Blick nach den Anderen. Sie hatten sich um den Baum versammelt und Alaska half Hush an der rutschigen Rinde empor zu klettern. Sie selbst sprang vorran und würde das Rudel führen. "Folgt mir! Jeder Achtet auf den Vordermann!"
Unsicher suchten ihre breiten Pfoten nach Halt auf dem morschen Stamm. Er würde doch nicht nachgeben und ihr Bein einbrechen lassen? Sie wagte einen Schritt, den nächsten schon etwas schneller und kämpfte sich durch die Hitzewand hindurch. Als die Wurzeln näher kamen machte sie einen Letzten Satz und landete zittrig und mit bebenden Flanken neben Sadec, der zu ihrer Überraschung nicht alleine war. Sie war gerettet, doch bevor sie auch nur ein Wort des Dankes aussprechen würde, musste sicher gestellt werden, dass auch der Rest des Rudels sicher den Baum überquerte. Sie drehte sich um und blickte in die Richtung aus der sie gekommen war. Ein Schemen ließ den Qualm aufwirbeln, als sich der nächste Wolf auf die andere Seite wagte. Das graue Fell von Hush tauchte zwischen den Flammen auf und auch er erreichte die sichere Seite.
Alaskas Herz hämmerte gegen ihren Brustkorb. Ihr Atmen ging zitternt, ihre Lunge brannte und aus ihrem Nacken ickerte langsam Blut durch ihr Fell. Gebannt verengte sie die Augen und fixierte wieder den Durchgang. Wartete, dass die nächste Gestalt durch den Rauch brechen würde.

[wird von Sano heruntergezogen | der baum fällt | überquert den Stamm und wartet bei Sadec auf die anderen | Hush überquert den Stamm ebenfalls]

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Alsbald stieg empor und verbreitete sich um mich her der Friede und das Wissen, das über alle Beweisgründe der Welt hinausgeht,
Und ich weiß, daß die Hand Gottes die Versicherung der meinigen ist,
Und ich weiß, daß der Geist Gottes der Bruder des meinigen ist,
Und daß alle Männer, die je geboren, auch meine Brüder sind, und alle Frauen meine Schwestern und Geliebten ...
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avatarConversano
Delta

Fr 5 Feb 2016 - 16:00

„Den Wert einer Familie wirst du erst erkennen,
wenn sie sich gemeinsam behaupten muss.“



«Verzeih, Alaska.»

Es waren seine eigenen Worte, nicht viel mehr als ein raues Knurren, welche im gierigen Knistern des Feuers unterzugehen drohten, die ihn nun zu verfolgen drohten. Sich in sein Hirn brannten und dieses zermarterten, während der beißende Gestank nach Rauch, angesengtem Fell und blanker Verzweiflung sein Übriges dazu tat. Conversano schmeckte das aschebestäubte Fell seiner Leitwölfin, schmeckte den Rauch, der allmählich immer dichter und dunkler wurde, ihnen das Augenlicht raubte. Schmeckte Blut, welches seinen kolossalen Körper erschaudern ließ. Niemand vermochte seinen Hass gegen sein eigenes Handeln mehr schüren als der Schwarze höchst selbst, hatte er doch nie seiner Leitwölfin Schmerzen zufügen wollen, sie gar verletzen wollen. Nun war auch dieses Bestreben nicht mehr als eine formlose Phrase, dazu gedacht, das eigene Gewissen zu beruhigen. Doch nachlassen – gar loslassen – kam nicht mehr in Frage. Conversano hatte diese Entscheidung gefällt und würde diesen Weg auch bis zum bitteren Ende gehen. Er mochte nur darum beten, dass sie ihm eines fernen Tages verzeihen könnte.
Wenn es bis dahin noch etwas zu verzeihen gab.

Dichter Qualm stob auf, als die schwarze Betafähe ebenfalls emporsprang und ähnliche Probleme wie der Rüde zuvor zu haben schien. Doch bald schon gingen ein, zwei kräftige Rucke durch den Baum und auch Aleu hing in den Ästen, ebenso wie Shenna. Deutlicher als zuvor spürte der Rüde den kontinuierlich wärmer werdenden Waldboden unter seinen Pfotenballen, spürte sein Gewicht mehr und mehr wieder auf seinen eigenen Pfoten ruhen. Dann endlich vernahmen seine zuckenden Ohren das Geräusch eines dunkel seufzenden Baumes, der sich seinem Schicksal nun doch ergab. Der Baum fiel!
Anfangs schien er unschlüssig, ob er dem Rudel tatsächlich eine solche Chance bieten sollte, verharrte kurz – und der ohnehin schon dumpfe Herzschlag des dunklen Rüden setzte aus. Dann endlich brachen auch die Wurzeln, entließen den morschen Baum langsam, fast schon behäbig aus dem kühlen Erdreich in die rauchgeschwängerte Luft, ehe er immer schneller zu fallen begann. Conversano spürte seinen Herzschlag so deutlich wie nie zuvor, als er erkannte, dass der hölzerne Riese geradewegs in ihre Richtung fiel. Für einen kurzen Augenblick suchten die lavendelblauen Augen des verschlossenen Wolfsrüden den Blick eines jeden Einzelnen. Alaskas goldgelbe Augen. Shennas bernsteinfarbene Augen. Aleus himmelblaue Augen, die ihm mehr denn je einem Versprechen ähnelten, bald wieder den wolkenlosen, blauen Frühlingshimmel zu betrachten. Hushs graue Augen. Naadirs tiefblaue Augen, die einem Echo des zuvor verspürten Versprechens ähnelten. Kurzweilig versuchte der Dunkle sich auszumalen, was geschehen würde, wenn sie nun so knapp vor ihrem Ziel vom Baum erschlagen werden würden oder aber das Holz brach und splitterte, einige Wölfe tödlich traf oder verletzte.

Sein Leben, der Sinn darin, den er bisher kaum gefunden zu haben glaubte, würde mit diesem einen Baumschlag versiegen wie das letzte Tröpfchen einer ausgetrockneten Quelle.

Es glich einem enormen Kraftakt, sich nicht niederfallen zu lassen, ähnlich dem splitternden Baum, den geschundenen Körper nicht einfach zu Boden sinken zu lassen und sich auszuruhen. Doch dann zerschnitt die rußgeschwängerte Stimme des Halbwolfes die diffusen Gedanken, ließ schlagartig Klarheit in den grauen Nebel einkehren. Conversano sprang zurück, ebenso wie es die Wölfe um ihn herum ebenso taten, um dem Baum auszuweichen. Dann scharrten sie sich dicht und ungeduldig, die Angst vor dem Tod noch immer im Nacken, um den umgestürzten Waldbewohner.
«Raus hier!» Dann ein kurzer Blick in die Runde, welcher im Schwarzen sein Echo fand. Das Herz des Hünen schlug einen Takt klarer, als er all die vertrauten Gesichter noch wohlauf sah, wenngleich der dichter werdende Qualm dies bald schon fast wieder unmöglich werden ließ. Die lavendelblauen Augen halb geschlossen, tränten sie doch bereits von der unerträglichen Hitze, die sie einzuschließen schien, vernahm er die weiteren befehle seiner Alphafähe. Alaska zögerte nicht, schritt voran und nachdem die Flammen sie beinahe verschlungen hatten, erkannte der Rüde am anderen Ende des Baumes den Halbwolf Sadec. Aufgewühlt und besorgt blickte ihm sein Antlitz aus den Flammen entgegen, ehe Rauch und Flammen sowohl ihn, als auch die Konturen Alaskas und Hushs wieder ausradierten. Nun blieben nur noch sie zurück. Seine Miene wurde eine Spur härter, während er in einer knappen Geste zu Aleu blickte, deren Nase vermutlich am stärksten litt. Mit einem knappen Kopfnicken bedeutete er ihr, voraus zu gehen, er würde auf sie Acht geben. Aus welchem Grund er ausgerechnet der jungen Wölfin bereits seit Anbeginn derart viel Sympathie und Vertrauen entgegen brachte, vermochte niemand zu definieren, doch Conversano ließ dieses Denken sein Handeln nicht beeinträchtigen. Ein kurzer Blick galt Shenna und Naadir, schien ihnen Lebewohl und Willkommen in Einem sagen zu wollen. Schweigend wünschte er den beiden Wölfen Glück, ehe er hinter dem einst schneeweißen Schemen, welcher jetzt mehr grau als weiß aussah, den Baum erklomm.
Mühsam versuchte der Wolfsrüde die Krallen in die rutschige Rinde des Baumes zu krallen, versuchte einen sicheren Stand zu gewährleisten und doch stieg der Druck mit jedem Herzschlag weiter. Den Kopf tief gesenkt, die Nase dicht in seinem Brustfell vergraben, leuchteten einzig die fliederfarbenen Augen des Wolfes, während er inmitten der Feuerbrunst eintauchte. Je dichter er dem rettenden Ausgang kam, desto intensiver umschwirrte ihn die Hitze und der Rauch, ließen ihn schwanken. Conversano sah die helle Rute der zarten Wölfin vor sich und erinnerte sich an jene Wölfin, für welche es sich zu sterben lohnte. Aber nicht heute. Nicht so.
Eine kurze Feuerpause vergönnte ihm den Blick auf die bereits wartenden Wölfe, ließen ihn für einen Bruchteil vergessen, wo er sich befand. Dann ein Mobilisieren letzter, nicht gekannter Kraftreserven – und der röchelnde Rüde sprang in die sichere Freiheit.

Seine Seelenspiegel glommen heller denn je, als er den schweren Schädel umwandte und sich umsah. Nie zuvor gekannte Erleichterung, bereits einen Großteil des Rudels einigermaßen in Sicherheit zu wissen, durchflutete den geschwächten Körper des Schwarzen, welcher seine Augen jedoch wieder auf die züngelnden Flammen zurücklenkte, diese geradewegs anstierte. Seine Anspannung wuchs, denn noch immer verharrten Wölfe in den todbringenden Flammen – noch war nicht das gesamte Rudel in Sicherheit. Nur peripher hatte der Rüde eine bis dato noch unbekannte Gestalt neben Sadec Zimbah ausgemacht, doch dies war unbedeutend zu dem Fakt, dass noch immer jemand sterben konnte an diesem rauchverhangenen Tag.
«Nun macht schon …!», knurrte er unwillig und spürte trotz tiefster Erschöpfung und Schmerzen die innere Unruhe an ihm nagen. Nervös flackerte sein Blick zu Alaska, deren Nähe er mied wie die Flammenzungen, die ihm auf dem Baum einige Haarspitzen angesengt hatten. Zu viel wurzelte noch die Verachtung für seine drastische Tat, als dass er ihr nun hätte in die Augen sehen können.
Der Qualm verdichtete sich und öffnete sich wieder ein wenig, ließ den Blick auf Fell frei werden. Es schien, als tanzten die Flammen, spielten mit der Sorge der restlichen Wölfe. Conversano wusste, dass er sich – ebenso wie vermutlich alle – ausruhen musste, zu Kräften kommen musste.
Doch die Sorge um die letzten Rudelmitglieder trieb ihn immer wieder auf die großen, schmerzenden Pfoten und ließ den restlichen Schmerz, der durch seinen Körper wütete, gering und unbedeutend werden.


In Sorge ;; Baum fällt um ;; Bei Sadec & Co ;; Macht sich Gedanken
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avatarAleu
Neuankömmling

Fr 5 Feb 2016 - 19:34

Aleus Kehle war wie zugeschnürt, ihr Atem wie erloschen und ihr Kopf benebelt wie diese ganze Gegend hier. Sie ertranken beide in dunklem Rauch, der mit einer Wucht auf sie alle einzudrücken suchte, als wolle er nicht einmal warten, bis sie das Bewusstsein verlören.
in diesen Sekunden hingen die letzten Gedanken der jungen Fähe an dem letzen Jahr, besonders der Zeit, die sie in diesem Rudel verbracht hatte, an die Freundschaften, die sie zu den Meiste geknüpft hatte, doch besonders an Sadec, der einen besonderen Fleck in ihrem Herzen und ihrer Seele für sich beanspruchte.

Sie wollte nicht, dass dies die letzte Erinnerung sein würde, sie wollte, dass das letzte was sie sähe die Gesichter der lieben Wölfe wären, wenn sie starb- und dies hoffentlich erst in der Ferne der Zeit. Sie wollte nicht, dass dieser Schmerz, das betäubte Gefühl in Kopf und Rumpf das wäre, was sie zuletzt gefühlt hätte. Es sollte nicht der brennende Schlund des Feuers sein, der sie aus der Mitte des Lebens riss, die wollte, dass es eine Glückliche Fügung täte, die dann käme, wenn sie auf dieser Erde lange genug in Glück gewandelt wäre und mit Stolz auf Kinder und Enkel blicken können. Nicht JETZT- Kurzum hatte sie panische Angst jetzt von dieser Welt zu scheiden und mehr noch davor dies alleine zu tun, ohne dass jemand sie wahr begleitete.

Das Geäst stach ihr ins Fell, als der Baum in dumpfem Knacken Richtung Erde krachte. Erst langsam, dann plötzlich. Es glich einer glücklichen Fügung, dass die knorrigen, trägen Baumkronen Aleu nicht erschlugen, denn die Kraft um zu springen hatte sie nicht. Plump schlug sie auf der heißen Erde auf, die ihr das Fell am Leibe versenkte und kurze Zeit später krachten die Äste wenige Zentimeter vor ihrer Nase in den Boden.

Hechelnd und erst beim zweiten Versuch gelingend rappelte sich die weiße Fähe auf ihre schwachen Beine auf und taub und stumm bemerkte sie kaum, dass sie es geschafft hatten. Das Ziel - der Sturz des Baumes - war erreicht, die Rettung war in greifbarer Nähe, doch Aleu begriff nicht mehr völlig, dass dies wirklich ihre Chance war. Der Schmerz in der Nase verschloss ihr die Atemwege und ihre Brust brannte, als sei sie bereits von innen verbrannt. Im Husten stob die Asche vor ihr auf, während sich die ersten Wölfe auf den Weg in die errettende Richtung machten. Aleus ha kaum, dass Alaska voran ging und zu ihnen sprach, viel mehr ließ sie sich von Conversano bemutternd zu dem Stamm dirigieren und hievte sich mit der letzten Kraft ihrer Beine auf das morsche Holz, das sie in die Freiheit führen sollte. Kaum mehr ein Gedanke bildete sich mehr in Aleus Kopf, spürte sie nun lediglich ihre inneren Instinkte, die sie dazu trieben nicht aufzugeben und ihr die Kraft schenkte auf eigenen, wenn auch wackligen Beinen, über den Stamm zu laufen. Ihrem guten Gleichgewichtssinn sei Dank war dies selbst in solch benebeltem, schwachen, erstickten Zustand keine schwere Übung für die junge Fähe und sie balancierte über das Meer der tausend Flammen, die neckend an ihrem weißen Beinfell hinauf züngelten und leckten und knisternd ihre Ohren betörten. Es klang in diesen momentan für Aleu nach dem Ruf der Sirenen, die sie nicht ignorieren konnte und wäre Conversano nicht hinter ihr gelaufen und hätte sie zur Eile gedrängt, wäre sie wohl dem Stehenbleiben in letzter Sekunde verfallen.

So schaffte sie es hinüber auf die andere Seite. Rechts des Baumes hatten die Flammen bereits begonnen die Wurzeln und das Gras anzugreifen, links davon und gerade aus standen die Schatten der Wölfe. Aleu sah kaum wohin sie ging.
Währen Conversano bei erster Gelegenheit vom Stamm sprang und bestürzt zu den anderen aufschloss, stand Aleu nun stocksteif auf dem Stamm, während von rechts die Flammen den Baum angriffen, nicht im Stande einen weiteren Schritt zu tun. Im nächsten Atemzug, der mehr aus Feuer, als aus allem anderen zu bestehen schien, gaben ihre Beine unter ihrem Federgewicht nach und augenrollend kippte sie vom Baum.

Der Rauch hatte ihre Lunge beinahe vollkommen eingenommen und ihre Nase schien tauber und brennenedr zugleich, sodass ihrem Körper keine Wahl mehr blieb, als vor dem drohenden ersticken die Notbremse zu ziehen und die Wölfin in die Ohnmacht zu schicken. Nicht ahnend, dass dies ebenso den Tod bedeutete, wenn sie hier in den züngelnden Flammen zur rechten des Baumes liegen bliebe. Kaum Sekunden später hatten die hellen Flammen ihre Hinterläufe ergriffen und verbrannten ihre weißes Fell schneller, als eine Sonn den Schnee je schmelzen könnte.
Unbeweglich und ohne Bewusstsein spürte Aleu jedoch nichts davon, lag sie nur da und die Bilder verschwammen vor ihren Augen, die Flammen fraßen die wolfsförmigen Schatten und ihre Gedanken schwanden gänzlich im Nichts der Schwärze, die sie weich und sanft einhüllte.
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avatarShenna
Beta

Do 25 Feb 2016 - 23:27

Shenna dachte schon alles sei nun endgültig verloren als die Wurzeln endlich nachgaben. Der Stamm stürzte und wirbelte Staub und Asche auf als er gegen den Boden prallte. Die schwarze Fähe keuchte. Atmen konnte sie nicht mehr richtig. Alles brannte und ihr schien als sei ihr Hals und ihre Lunge voll mit brennender Asche die ihr die Atemwege verstopfte und sich durch das Gewebe frass. Ihre Augen sahen kaum noch mehr als Umrisse während sie schrie " Los, lauft schon! Schnell!" Alles in ihr wollte flüchten. Wollte endlich aus dieser Hölle entfliehen und blickte Angstvoll auf den einzigen Fluchtweg der immer weiter von den Flammen vereinnahmt wurde. Doch sie blieb, ihre Aufgabe als Beta war es für den Schutz von Alaska und für den des Rudels zu sorgen. Sie würde erst gehen wenn alle in Sicherheit waren auch wenn dies hieße dass es für sie dann bereits zu spät sein könnte.

Shenna beobachtete mit rasendem Herzen und besorgtem Blick wie die kleine Aleu den Baumstamm erklomm. Beim grossen Wolf, lass sie nicht stürzen, wenn sie in die Flammen fällt ist sie verlohren. Doch sie fiel nicht und nun waren nur noch sie und Naadir übrig. Sie konnte kaum mehr denken, ihr Kopf schien sich mit dunklem qualm gefüllt zu haben und sie flehte geradezu " NAADIR, LASS UNS GEHEN WIR MÜSSEN..." Die letzten Worte erstickten in ihrem Husten. Shenna wusste dass ihre Aussichten schlecht waren. Sie konnte kaum noch stehen. Was nutzte ihr jetzt all die Muskelmasse und die Kampferfahrung. Die Ballen ihrer Pfoten waren versengt und es fühlte sich an als würde sie auf verbranntem Fleisch stehen. Etwas in ihr schien aufgegeben zu haben. Sie fühlte sich auf einmal so gleichgültig...so, leicht und leer. NEIN! " NAADIR! " Krächzte sie während sie den Blickt nicht von dem ihr all zu bekannten Gesicht abwendete. Dann veränderte sich der Ausdruck in ihren Augen. Erschlagen, ergeben, erschöpft und voller trauer wandte sie sich ab und begann mühselig auf den Stamm zu klettern. Wenn sie jetzt nicht ging, hätte sie keine kraft mehr auch nur einen Schritt zu tun.

Der Stamm wurde bereits überall von dem Feuer in Beschlag genommen. Hungrige Flammen griffen nach ihren Pfoten, versengten ihr Fell und verbrannten ihre Haut als sie sich über den rettenden Pfad kämpfte. Ihr Blick war trübe und ihre Lunge streikte teilweise und dennoch schaffte sie es irgendwie vorwärts zu kommen. Vor allem als sie langsam die Umrisse von Wölfen wahrnahm. Noch ein letztes mal splitterte das Holz unter ihren Krallen als sie schließlich vom Baumstamm strauchelte.
Ich, hab es geschafft. Aber...Naadir...?

Mit müden Augen und zitternden Beinen blickte sie zu Alaska."...Naadir...ich...ich konnte nicht auf ihn warten... ...was nun...wie weiter?...wir sollten hier nicht bleiben."

[ im Feuer, wartet bis die anderen den Stamm überquert haben/ gibt auf, kann nicht länger auf Naadir warten, überquert den Stamm/ fragt Alaska wie es weiter geht]
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avatarSadec Zimbah
Rudelmitglied

Sa 27 Feb 2016 - 8:50

Die Zeit drängte. Es war kaum zu übersehen, dass die Wölfe bereits an ihren Notreserven zehrten, dass ihre Körper für diese hohe Überanstrengung nicht geschaffen waren. Ja, sie allesamt waren Kämpfer, sie waren zäh und schwer nieder zu ringen, aber all das machte sie noch lange nicht unverwundbar. Und selbst das Rudel, das jede Schwäche ausgleichen sollte, war nicht stark genug, um gegen diese eine unbändige Macht anzukommen. Gegen die züngelnden Flammen würden sie auch mit vereinten Kräften verlieren, wenn sie nicht bald verschwanden. Die Sinne waren bereits betäubt, mehr als Zischen, Surren und Murmeln konnte Sadec kaum mehr vernehmen. Der Rauch hatte ihm die Möglichkeit genommen, die Gerüche der ankommenden Wölfe in sich aufzunehmen, um seine verlorene Stärke im Duft der Gemeinschaft zu baden, sie zu neuem Leben zu erwecken. Und sein ohnehin eingeschränktes Blickfeld bestand nur noch aus Schemen, sein Auge brannte so sehr, dass er am liebsten weg sehen wollte. Er wollte den gesamten Kopf in der Erde vergraben, wo er sicher sein würde vor der Hitze, vor dem Gestank, dem Ruß, vor alle dem. Aber das war jetzt nicht möglich, denn die Zeit drängte.

Als er seine Nase in Alaskas geschwärztes Fell vergrub, machte sein Herz einen Satz vor Freude. Ihr Erfolg würde die anderen motivieren, es würde ihnen Mut verleihen, zu sehen, wie ihre Leitwölfin sich durch die Flammen kämpfte, auch wenn dies sicherlich nicht ganz furchtlos geschah. In solch einer Situation war es einem Wolf kaum zu verübeln, dass er Furcht empfand, im Gegenteil, die Furcht schien jetzt ihr Überleben zu sichern, der starke Drang, der sengenden Hitze zu entkommen, trieb sie alle voran. Und so konnte Sadec auch den großen Schatten ausmachen, den er als Conversano identifizierte. Sein Herz raste in seiner Brust. Wo war der Rest? Sie sollten sich beeilen. Aufgeregt trabte er hin und her, angeregt durch das Adrenalin, das ihm durch die Blutgefäße pumpte. Und obwohl es ihm furchtbare Schmerzen bereitete, zwang er sich, tiefer in die Flammen zu sehen, bis sich endlich ein weißer Schemen aus ihnen löste. Ein weiterer Wolf. Endlich. Sie würde es schaffen, sagte er sich. Doch ihre Schritte wirkten unkoordiniert, sie schien zu schwanken und dann, mit einem Schlag, hatte ihr Bewusstsein sie verlassen. Wie ein seiner Flügel beraubten Engel stürzte sie in die höllische Glut und das weiße Strahlen wurde von tiefroter, düsterer Verheißung verschluckt. Sadec glaubte, einen Namen auszustoßen, doch aus seiner Kehle entglitt nur ein Röcheln. Ohne es zu beabsichtigen stieß er die Wölfe an, die in seiner Nähe standen, weil die Angst ihm selbst die Reservekraft aus den Beinen zog, sodass er fast kippte.

Es war eine Kurzschlussreaktion. Es war, als würde eine Leitung in seinem Hirn einfach reißen, eine, die seine Gedanken verstummen ließ, die seine Gefühle taub werden ließ. Und es blieb ihm mit einem Mal nur noch eines übrig. Er spürte, wie seine Haut versengte, wie er sogar tief in den Organgen zu brennen begann. Wenn er sich dessen, was er tat, bewusst gewesen wäre, dann wäre es kaum auszuschließen, dass er vor sich nur noch den Tod gesehen hätte. Wie er ihn angrinste und zu sich lockte. Es war doch schließlich viel einfacher, aufzugeben, sich an den brennenden Leib zu drücken und mit ihm zu Asche zu verfallen. Doch stattdessen vergrub er seine Zähne so tief in der Haut ihrer Flanke, dass ihm das Blut ins Gesicht schoss. Seine Kiefer hatten zu gepackt, und sie würden nicht mehr los lassen, bis er den leblosen Leib in Sicherheit gezerrt hatte. Dass seine Muskeln rebellierten, dass er wahrscheinlich bereits zerschmolzen war wie Kerzenwachs, all das schien belanglos zu sein. Er zog und zog, drückte die kräftigen Pfoten in die verschmorrte Erde, aber die Hitze hatte ihn umschlungen und ließ nicht mehr ab. Da gab es nur noch eine Sache, die er tun konnte, etwas das er schon viel früher hätte tun sollen. Der Rüde drückte nicht nur seinen, sondern auch den Leib der Wölfin in die Erde und begann, sich zu wälzen, als wolle er einen Parasiten los werden. Auch, wenn der stechende Schmerz dadurch von ihm abzulassen schien, war Sadec noch lange nicht schmerzfrei. Er wimmerte, als er von Aleu ab ließ, um sich mit zitternden Beinen aufzurichten und gleich darauf wieder zu Boden zu gehen. Mit dem blutigen Maul stieß er sie an, um eine Reaktion hervor zu rufen. Er drückte ihr die Krallen in die versengte Haut, versuchte alles, um sie wieder zurück zu holen. Die Gefahr war schließlich noch lange nicht gebannt und die Zeit drängte mehr als je zuvor.

[zieht Aleu aus den Flammen x versucht, sie aufzuwecken]

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avatarNaadir
Delta

So 6 März 2016 - 23:06

Naadir & Rudel
Sicher, man könnte noch auf den ein oder anderen Bonusgedanken kommen, aber mein Gehirn funktoniert anscheinend nicht so.

Schon als Naadir sich der Waldgrenze genähert hatte, hatte sich in ihm eine gewisse Unsicherheit breit gemacht, die so schnell auch nicht verschwinden wollte. Gut, das seichte Blätterdach – ein Begleiter des Frühlings – schien vorerst Sicherheit zu gewährleisten, zumindest vor dem immer stärker werdenden Regen, dessen Aufprallintensität alsbald Schmerzen verursachte. Aber das sich anbahnende Grollen klang arg nach Gewitter und Herrgott – ein Blitz und sie sind der Verdammnis geweiht! Doch gerade die solchen, die Aufstand und Sorge walten lassen mussten wegen eines Fremden, eines Krüppels!, Hush; gerade die sehnten sich nach dem Waldrand. Sie brauchten ihn gar, um Entspannung mit dem Adrenalin auszutauschen, den sie nur deswegen deutlich höher konzentriert verspürten, weil sie so dämlich gewesen sein mussten und sich ihre Köpfe darüber zerbrechen wollten, ob ihre (Kunstpause) Sicherheit infrage stünde. Welch Ironie!
Wie dem nun aber auch sei. Gewiss konnte er noch Ewigkeiten wütend oder zumindest etwas derartiges sein, er konnte es aber auch einfach sein lassen. Sie waren halt im Verzug und sie haben halt jetzt Angst und er war halt jetzt fast am Waldrand angekommen und konnte eben vor den anderen sich rauf und runter fragen, ob die erlangte Obhut nicht doch schnell zum Verhängnis werden könnte. Weil er aber gestandenermaßen echt kein Bock darauf hatte, schon wieder eine Frage zu durchdenken, laberte er eben auf Tiger ein. Nüchtern betrachtet war der Wald nämlich eh seine letzte Hoffnung, deswegen konnte er sich Aussichtslosigkeit ohnehin nicht erlauben.
Tiger war ein seltsamer Gesprächspartner. Doch das lag vielmehr an Naadir selbst, seiner Gemütslage, seinem Gefühlswirrwarr, seinem Kopfkrieg. Er wusste nicht mehr, wem er misstrauen sollte und misstraute letztendlich sich selber – und damit der Welt. Trist und grau, das blaugraue Fell seines Gegenübers war fast schon zu viel Farbe für seine strapazierten Nerven. Warum musste er denn ausgerechnet gerade Fühlen? Warum so viel? Er konnte A nicht von B unterscheiden und von C erst recht nicht, aber plötzlich war die Liste schon bei Z und dennoch – Alphabet?! Ab und zu verfiel er in einen leeren Redefluss, dem er selber nicht zuhörte. Bis Tiger ihn unterbrach und Worte stammelte, die vielleicht das Ohr Naadirs, nicht aber den Verstand erreichten. Er war außer sich und doch viel zu sehr in sich gefangen. Schrecklich. Als das Rudel vor allem erschöpft ankam, war er irgendwie alleine und nicht im Geringsten Imstande dazu, zu erklären, wie Tiger verschwunden war. Gut, dass niemand fragte. Alle versanken sie mehr oder minder schnell ins Reich der Träume oder übernahmen die Wache. Der psychischen Kraft beraubt, ein vernünftiges Gespräch zu führen, bettete also auch er seinen Kopf auf die Pfoten. Er schlief nicht, nein nein. Nicht mal den Anschein versuchte er zu erwecken. Er ruhte nur, versuchte sich zu entspannen, ohne dabei Körperlosigkeit zu verspüren. Irgendwie fiel ihm das verdammt schwer.

Das Prasseln des Regens auf das seichte Blätterdach, der leicht feuchte, dennoch bequeme Waldboden, hier und da ein Grummeln des Himmels, er schenkte ihm Gehör, Aufmerksamkeit, all seine Konzentration. Damit nahm es ihm auch seiner Gedanken, wodurch er tatsächlich so etwas wie Entspannung erlangen konnte. Bis zu dem Moment, wo lautstarker Donner die Erde zerbrechen wollte. Naadir zuckte zusammen, so gefährlich war diese Kriegserklärung des Himmels dem Erdreich gegenüber. Noch gefährlicher allerdings, war das was jäh folgte: der Blitzeinschlag. Er war so schneidend, so nah, dass Naadir ihn hören konnte. Alles in ihm schreite „Feuer“, alles in ihm bebte, und dennoch bewegte nichts den in Trance gefangenen Leib. Er hörte Geraschel, Gemurmel, dann Hush der schrie, Alaska die schrie, Sano der schrie, Shenna die schrie, Aleu die schrie, einer nach dem anderen, alle hörte er schreien und sich bewegen und reagieren. Wie zur Hölle machten sie das??? Nein, nein, nein, falsche Richtung. Was, bitte, war in ihn gefahren? Die Erkenntnis ließ ihn zumindest seine Augen öffnen. Ruckartig stieß er daraufhin empor. Den Rauch hatte er gerochen, er war ihm durchaus auch in die Nase gekrochen, allerdings nicht als etwas Gefährliches oder etwas Nahes, sondern … naja, es wirkte fern und höchstens in geraumer Zeit alamierend. Er durfte allerdings feststellen, dass die Flammen nahezu an seiner Schnauze gezüngelt hatten. Wie konnte er die Wärme, die eigentlich so unerträgliche Wärme, nicht gespürt haben? Wie nur, war das möglich? Wie?
Die Situation war viel zu viel für ihn. Der schwarze Koloss, so stark schien er, war mehr als schwach unter seinen eigenen Gedanken geworden. Jede äußere Situation, die ihren Lauf nahm, versetzte ihn erneut in eine seltsam unbequeme Lage, die neue Fragen aufwarf und ihn letztendlich wieder aus der Realität riss. Er war komplett neben der Spur. Und verwirrt, herrje, verwirrt war er!
Kopfschütten, zurück kommen, „Junge, es ist echt wichtig grad“, als ob das was verändern würde. Er brauchte viel zu lange, um die Lage überhaupt nur zur Kenntnis zu nehmen, eigentlich müsste er längst reagiert haben. Überall war Feuer, wohin er auch blickte, überall war Rauch und zu seiner linken war das Rudel, alle halb am verrecken und einer nach dem anderen nach irgendetwas tastend. Während er bloße Zentimeter von der Hölle entfernt war. „Bin ich schon gestorben?“ Vorsichtshalber konnte er sich ja trotzdem ein wenig von den Flammen entfernen.
Dann brach es, der Baum, unter den Wölfen zusammen und bildet damit eine Brücke. Der Baum schien Morsch, seltsam strukturiert und besonders nass, zumindest sah schon die sonst so koordinierte Alaska beim Überqueren leicht überfordert aus. Dann Sano. Dann Aleu. Da überraschte ihn Shenna mit einem an ihn gerichteten Ruf. Er lebte?! Er lebte tatsächlich? Sie sah ihn????? Wow. Okay. Oha.



Wie sollte er jetzt damit umgehen?!
Erneutes Kopfschütteln. „Hey man, du kannst nicht einfach ausschalten, das geht jetzt einfach nicht.“ Er wurde definitiv verrückt oder irgendwie so etwas. Das ist alles nicht real. Das kann nicht real sein!
Ein Blick auf den Fußboden verriet ihm Glut und Feuer. Er stand in Flammen, er atmete Rauch und hey, es machte ihm nicht das Geringste aus. „Echt, das muss ein Traum sein.“, schallte es durch seinen Kopf. Gefolgt von: „verdammt, es ist ein wirklich guter, das bringt ja sogar Spaß!“ Dann hüpfte auch er endlich auf den Baum, dessen Nässe mittlerweile komplett gewichen war und dessen Äste bereits die Gestalt von Asche annahmen. Schnell nahm er plötzlich zur Kenntnis, dass Aleu gefallen war und Sadec (wo ist der hergekommen?) ihr helfen wollte, dabei aber selber fast verbrannte. Halleluja, war sein Traum brutal. So konnte der Blauäugige das nicht enden lassen, niemals! Also hoppste er hinunter vom Stamm, in die Flammen, auf die Glut, den Rauch komplett außer Acht gelassen. Stieß den wahnsinnig gewordenen Sadec beiseite, der versuchte zu zerren und die Glut auszudrücken. Stieß ihn auf nicht brennenden Grund. Packte dann die weiße Jungwölfin am Genick um sie möglichst schnell vor noch schwereren Verletzungen zu bewahren und viel wichtiger: vor dem Tod. Es kostete ihn schon Kraft, sie herauszuzerren. Verdächtig realistisch viel Kraft. Doch nichtsdestotrotz konnte er es wohl seinem starken Körper verdanken, dass sie, auch wenn seine Reaktion auf die Allgemeinsituation leicht verzögert und nicht besonders eilig gewesen war, nicht unter den Verbrennungen sterben würde.


[erst Tiger - dann Rudel - insg. sehr verwirrt]

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After all the lights go down I'm just the words, you are the sound. A strange type of chemistry how you become a part of me and when I sit alone at night your thoughts go through me like a fire. your the only one who knows who I really am.
We all wanna be somebody. We just need a taste of who we are. We all wanna be somebody. We're willing to go but not that far.

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avatarR' Shíens
Neuankömmling

So 13 März 2016 - 17:09

Wie ein Wunder erschien es R' Shíens, als sich das Flammenmeer teilte und einen Wolf ausspuckte. Er hob sich erstaunlich dunkel gegen das tobende Feuer ab - wegen des Rußes, der den sonst weißen Pelz verdunkelte oder des hellen Lichts hinter ihm ließ sich nicht so genau feststellen.
Insgesamt konnte man sagen, dass R' Shíens prinzipiell nichts mehr genau sagen konnte. Seit der Baum gefallen war, und der Gedanke, der ihn bis dahin vorrangetrieben hatte, sinnlos geworden war, herrschte in seinem Denken Ruhe. Die Eindrücke, die auf ihn einprasselten, waren nichtssagend, und er fühlte sich seltsam unbeteiligt. Auch Sadecs Dankesworte gingen spurlos an ihm vorbei, auch, wenn er sich später dankbar daran erinnern würde.
Ein zweiter Wolf erschien aus der glühend heißen Mauer aus Nichts.
Wie gebannt folgten R' Shíens Augen den kleinen Glutnestchen, die, unbemerkt, da sie klein und unwichtig schienen neben der Feuersbrunst der der Wolf gerade entrunnen war, im Fell desselbigen bei jeden Schritt auf und ab hüpften. Seine Faszination wurde schließlich von Sadec durchbrochen, der einer Gestalt zu Hilfe eilte. Aber das schien so unwichtig ...
Überhaupt fühlte sich R' Shíens langsam schwer und müde. Seine Glieder schienen aus Pudding zu bestehen, sein Kopf sackte nach unten. Er konnte sich nicht vorstellen, sich jemals wieder frisch und lebendig zu fühlen.
Wie schön wäre es nicht, hier jetzt zu schlafen? Es war fein warm, und das Laub unter seinen Pfoten knisterte einladend ...Oder war es etwa etwas anderes, das hier knisterte?
Doch nein. Aromatisch zog ihm der Geruch des Laubes in die Nase, lockte ihn. Er wollte mehr davon riechen, doch hatte er keine Kraft, um die Luft tiefer in seine Lungen einzuziehen.
Also ließ er sich auf diesen Laubteppich nieder, um ihm noch näher zu sein. Er schloss ein Auge, dann das zweite, als ihm bewusst wurde, dass ihm das, was er mit dem verbliebenen sah, egal war.
Sanft stieg ihm der Geruch von Moos entgegen und ein Grashalm kitzelte ihn an der Nase.
Es war perfekt. Alles war perfekt.
Doch irgendetwas fehlte hier noch, um perfekt zu sein...
'Zu müde, will schlafen...'
Da war doch noch was!
'Lass mich in Ruhe Senshír, will schlafen...'

...
Richtig, Senshír!
Vor lauter Schreck, seine Schwester vergessen zu haben, riss R' Shíens die Augen auf. Er hustete, während ihr tief die verrauchte Luft in seine Lungen einsog.
Ihm wurde bewusst, dass er beinahe fast gestorben war. Vielleicht nicht gleich, doch lange hätte er hier nicht überlebt. Er wäre wohl einfach eingeschlafen und nie wieder aufgewacht.
'Ich muss hier weg.'
Das war der erste klare Gedanke, den er fassen konnte. Er brauchte frische Luft. Er konnte jetzt nicht mehr Acht geben auf die anderen. Hatte er nicht schon genug geholfen?
Außerdem wusste er nicht, ob es Senshír gut ging. Er musste zu ihr. Jetzt.

Hektisch suchte er mit den Augen Sadec, um ihm Bescheid zu geben - als er ihn jedoch nicht gleich fand, gab er auf, drehte um und lief in das Dickicht, weg von der Feuerwand.
Und mit jedem Schritt konnte er wieder freier Atmen.

[ geistig abwesend x legt sich hin und schläft fast ein x springt auf und läuft weg ]
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avatarAlaska
Alpha

Fr 1 Apr 2016 - 16:38

Der Nächste. Und die Nächste. Und der Nächste.
Sie würden es schaffen, einer nach dem anderen kämpften sich die Wölfe - IHR Rudel - durch die dichte Rachwand und waren in Sicherheit. Eine zwarte, verletzliche Sicherheit, und doch eine Chance auf Leben. Eine weitere, die das Rudel bekam nach den vielen die sie bereits ergriffen hatten. Alaska wagte nicht einen inzigen Gedanken daran zu verschwenden, sich auszumalen, was passierte, wenn auch nur ein Wolf das Geschehen nicht überleben würde. Es durfte nicht passieren und es konnte nicht passieren. Das lag in ihrer Verantwortung, es war ihre Aufgabe.
Und es würde werden.
Mit brennenden Augen stierte sie auf die tanzenden Rauchschaden, die an de Fellen ihrer Familie zogen, die einer nach dem anderen die Hölle verließen. Doch dann passierte es - Aleu verlor die Besinnung und die Kontrolle über ihre Gliedmaßen. Sogleich stürzte sie vom Stamm und starr wie ein Stock stand Alaska dar und sah die kleine Fähe in die Flammen stürzen. Wie in Zeitlupe landete sie auf dem Ruß bedeckten Waldboden und schleuderte Tausende von Aschepartikeln in die Luft, die wie Konfetti wieder auf ihr helles Fell herabsegelten.
Sadecs Leitung war nicht so lang wie die ihre und wer wusste schon was passiert wäre, wenn er nicht so schnell gehandelt hätte. Sen brauner Leib schnellte an der Alpha Fähe vorbei und packte Aleu im Genick, bereit sie mit aller Kraft aus der Gefahr zu ziehen. Alle anderen Wölfe waren inzwischen bei ihr und ihren Rettern - bis auf Naadir. Wo war er?
Wieso war er noch nicht zurück? Alaska wusste nicht mehr wo ihr der Kopf stand, der dumpfe Schmerz in ihrem Nacken vernebelte ihren Blick, ihre Pfoten fühlten sich verbrannt und offen an, sie konnte kaum noch einen Gedanken fassen. "Jetzt reiß dich zusammen!"
Und dann kam Naadir, er sprang wie selbstverständlich Sadec und Aleu zur Hilfe, stand im Feuer, als ob er nichts spürte. Sah fast munter und fröhlich aus, doch das musste ein Trugbild sein, sie war schon ganz verwirrt. Nun waren alle in Sicherheit, nun mussten sie nur noch eins: Hier weg! Und das so schnell wie möglich.

"Weg hier!" Keuchte sie, mit dünnerer Stimme als sie gehofft hatte. Die Hitze trieb sie um den Verstand, sie machte einen ersten Schritt und schwankte gegen Sanos Seite. Zum Glück stand er da und hielt sie, auch wenn er ihren Blick mied. Doch das Rudel musste gerettet werden, sie mussten sich nun alle mächtig zusammen nehmen und diesem Feuer entfliehen.
Alaska machte den nächsten Schritt, immer einen nach dem anderern. Und bald wurden sie sicherer, bald wurde sie schneller. Und dann konnte sie wieder atmen, konnte wieder sehen. Die Luft wurde kühler, wenn nicht viel so doch genug um etwas von der Todesangst ab zu schütteln. Doch das Feuer konnte ihnen gefolgt sein, es war noch nicht gelöscht. Es würde wohl noch Stunden des Regens brauchen, ehe die letzten Rauschfahnen versiegten, ehe die geflohenen Tiere wieder aus ihren Verstecken krochen.

Alsbald sah die Fähe einen Fluss, hörte das Plätschern und dankte Adlartoq in einem kurzen Stoßgebet. Sie ließ sich am Ufer hineingleiten, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass die Wölfe ihr gefolgt waren. Kurz wurde ihr schwarz vor Augen, doch sie biss sich auf die Zunge und zog gierig das schmutzige Bachwasser in die ausgedörrte Kehle. Die verglühten Pfoten schrien nach kühler Linderung und der Schmerz wurde augenblicklich weniger. Nur ihren Nacken spürte sie deutlich wie nie zuvor. Doch es war ein kleiner Preis, den sie zahlen musste, ein kleiner Preis für das Leben.

[wartet, dass alle dem Feuer entfliehen | führt das Rudel zu einem Bach]

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Alsbald stieg empor und verbreitete sich um mich her der Friede und das Wissen, das über alle Beweisgründe der Welt hinausgeht,
Und ich weiß, daß die Hand Gottes die Versicherung der meinigen ist,
Und ich weiß, daß der Geist Gottes der Bruder des meinigen ist,
Und daß alle Männer, die je geboren, auch meine Brüder sind, und alle Frauen meine Schwestern und Geliebten ...
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avatarHush
Neuankömmling

Mi 18 Mai 2016 - 22:32

Das Feuer war die Umkehrung seines Albtraums. Das exakte Spiegelbild eines eisigen Schneesturms. Vollkommen anders und doch genau gleich.
Der Qualm hing dick zwischen den schwarzen Baumstämmen und ließ Hushs Augen tränen. Übrig blieb nur ein einziges verwaschenes Grau. Er konnte die Umrisse der anderen Wölfe nicht mehr ausmachen, rannte blind weiter.
Der Rauch drang in seine empfindliche Schnauze, reizte seine Lungen, legte sich auf seine Zunge. Er roch nichts anderes mehr als diesen ätzenden, beißenden Gestank, er schmeckte nichts anderes mehr.
Alles was er noch hörte war das Tosen der Flammen, die knisternd alles verschlangen, was sie zu fassen bekamen und das Bersten von Holz wenn sie einen der gigantischen, alten Bäume zu Fall brachten.  
Sein ganzer Körper war betäubt vor Entsetzen. Nicht einmal Schmerzen spürte er.
Und Hush wusste: Er war genauso hilflos wie damals. Die Natur raubte ihm seine Sinne. Seine Sinne, die ihn ausmachten, die ihn stark machten und die ihn schon einmal im Stich gelassen hatten. Und dann hatte er sein Leben verloren. Im Tausch dafür hatte er ein anderes bekommen. Ein leeres Leben. Das Leben eines Geistes. Er hatte geglaubt, es musste einen Sinn haben, dass er damals in dieser Hölle aus Eis und Schnee nicht gestorben war. Sein Geisterleben war dazu da, nach seinem Rudel zu suchen. Einzig und allein zu diesem Zweck schlug sein Herz noch, denn seine Familie brauchte ihn. Es war nur vorübergehend, dieses Geisterleben. Nur bis er sein altes Leben wiedergefunden hatte.
Und jetzt spürte er wie ihm sein vorübergehendes Geisterleben ganz langsam entglitt. Fassungslos und entsetzt spürte er wie das Leben in ihm zitterte und sich krümmte und in sich zusammenfiel, obwohl es seine Bestimmung noch nicht erfüllt hatte. Es konnte doch nicht umsonst gewesen sein. Es konnte einfach nicht alles umsonst gewesen sein. Er konnte jetzt nicht sterben. Wenn überhaupt hätte er in diesem Schneesturm sterben sollen. Nicht jetzt. Nicht nach allem was passiert war. Auf keinen Fall würde er das zulassen.
In ihm regte sich etwas, was er schon lange nicht mehr verspürt hatte. Er konnte es nicht einordnen, es fühlte sich so fremd an und wild. Es war ein Gefühl wie tausend Nadelstiche wenn man in Eiswasser sprang. Wie der ungezügelte Energiestoß, der einen Wolf durchzuckte, sobald er die Angst seiner Beute witterte.
Und plötzlich hörte er das Trommeln von Wolfstatzen auf dem Waldboden. Keuchende Atemzüge. Da waren helle und dunkle Schatten vor ihm und hinter ihm. Neben ihm. Er hatte ganz vergessen wie es sich anfühlte, sich mit einem Rudel zu bewegen. Man musste nichts sehen, nichts hören, nichts riechen.
Was ein Rudel zusammenhielt war etwas viel tieferes, älteres. Etwas Ursprüngliches, das ihrer Spezies schon einige Male den Hals gerettet hatte. Instinkte.
Hush konnte die nicht mehr ganz so weiße Alphafähe erkennen, die vor einem umgefallenen Baumstamm stand, der eine Brücke durch das Flammenmeer bildete. Sie rief etwas und zu Hushs grenzenloser Überraschung war er es, den sie als erstes auf den rutschigen Stamm zuschob. Er erklomm ihn und folgte Alaska durch die Hitze des Feuers. Dicht hinter sich spürte er den nächsten Wolf. Er bemühte sich, so schnell wie möglich zu laufen ohne auszurutschen und im nächsten Moment sprang er zu Alaska auf sichere Erde und ein kalter Windstoß fegte ihm feine Asche ins Gesicht.
Da waren noch zwei andere Wölfe bei Alaska, doch das bekam er nur am Rande mit. Viel zu gebannt starrte er auf die feuerfreie Ebene, die sich vor ihm ausbreitete und grenzenlose Erleichterung macht seine Beine schwach. Er spürte dass er am ganzen Körper zitterte und dass er am Ende seiner Kräfte war.
Aber sie hatten es geschafft. Sie hatten es tatsächlich geschafft, zu entkommen.
Er drehte sich um und sah die anderen Wölfe einer nach dem anderen aus den Flammen springen, als würde das Feuer sie ausspucken.
Erleichterung durchströmte ihn, als er als nächstes die kleine, weiße Fähe aus den Flammen auftauchen sah, die ihn so sehr an seine Tochter erinnerte. Ihr Fell war nicht mehr schneeweiß, sondern von Ruß befleckt und mit Entsetzen stellte er fest, dass sie gefährlich schwankte. Ihre Lider flatterten. Hush machte einen unbeholfenen Satz nach vorn, als er erkannte, was gleich geschehen würde, doch zu spät. Die Fähe fiel und verschwand in den Flammen. Funken stoben in die Luft.
Bevor Hush seinen Schreck überwinden konnte, wurde er grob zur Seite gestoßen und landete auf dem Boden. Ein heller Wolf preschte an ihm vorbei und sprang geradewegs in die Flammen, um der Kleinen zu helfen.
„Anik…“, murmelte Hush benommen. Der viele Rauch füllte seinen Kopf und machte das Denken schwer. Er versuchte, sich aufzurichten, doch seine Beine wollten ihm nicht gehorchen.
Ein zweiter Wolf sprang in die Flammen und half dabei, Anik aus den Flammen zu ziehen.
Nein, nicht Anik. Ihr Name war Aleu. Das dort in den Flammen war nicht seine Tochter.
Endlich gelang es ihm, zitternd auf die Beine zu kommen. Er schnaubte und schüttelte den Kopf, doch der Nebel darin wollte nicht weichen.
Alaska gab den Befehl zum Aufbruch. Ihre Stimme klang schwach und rau. Sie tat das einzig vernünftige als sie loslief und das Rudel aufforderte, ihr zu folgen. Noch länger hier zu verweilen war lebensgefährlich. Dennoch konnte Hush ihnen nicht folgen. Er sah ihnen hinterher wie sie zielstrebig Abstand zwischen sich und das Feuer brachten und etwas in ihm schrie, ihnen zu folgen und sich selbst in Sicherheit zu bringen. Doch der Ruf der Sicherheit war nicht laut genug.  
Stattdessen drehte Hush sich um und half den beiden Wölfen, die kleine Aleu weiter von den tödlichen Flammen wegzuzerren.


(läuft den anderen hinterher; steigt über den Baumstamm; hilft Sadec und Naadir, Aleu in Sicherheit zu bringen)
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Kapitel 6/ Frühjahrsgefahren

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